Apple Watch Ultra im Test Eine Uhr für die nächsten 48 Stunden

Titangehäuse, superhelles Display, Wasserschutz bis 100 Meter: Die neue Smartwatch des iPhone-Herstellers lässt nichts aus, auch nicht beim Preis. Im Test zeigt sich: Apple-Watch-Nutzerinnen müssen sich umgewöhnen.
Die Ultra unter Apples Uhren

Die Ultra unter Apples Uhren

Foto: Matthias Kremp / DER SPIEGEL

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Ich habe ein Problem mit der Apple Watch Ultra, aber nur ein kleines: das Armband. In der meinem Testgerät beiliegenden Größe L passt der mitgelieferte »Alpine Loop« nur knapp um meine schlanken Handgelenke. Ich müsste wohl eher die Größe S bestellen. Aber das macht nichts, ich montiere einfach die Armbänder meiner früheren Apple Watches an die neue Uhr. Die passen alle, auch die vom allerersten Modell. Wie die ganze Smartwatch ist die Befestigung für die Armbänder etwas breiter geworden, funktioniert aber genauso wie bei früheren Versionen der Apple-Uhr.

Genau das ist auch der prägende erste Eindruck von Apples Ultra-Smartwatch: Alles funktioniert wie gewohnt. Aber eben nur auf den ersten Blick. Als ich mit der Uhr in den Garten gehe, bemerke ich, wie viel besser das Display ist, das ich auch im hellen Licht der spätsommerlichen Sonne gut ablesen kann. Zugegeben, das ging auch mit den Vorgängern recht gut, aber der Bildschirm der Ultra legt da noch eine große Schippe drauf.

Dreht man die Krone nach oben, wird das Zifferblatt in einen Nachtmodus umgeschaltet (r.), der bei Dunkelheit besser lesbar ist
Dreht man die Krone nach oben, wird das Zifferblatt in einen Nachtmodus umgeschaltet (r.), der bei Dunkelheit besser lesbar ist

Dreht man die Krone nach oben, wird das Zifferblatt in einen Nachtmodus umgeschaltet (r.), der bei Dunkelheit besser lesbar ist

Zum einen ist er einfach heller. Statt mit bis zu 1000 Nits, wie bei allen bisherigen Apple Watches, strahlt das neue Display mit bis zu 2000 Nits. Zum anderen liegt der Bildschirm vollkommen plan auf dem Gehäuse, das Deckglas geht nicht geschwungen in den Rahmen über, wie etwa bei der Apple Watch 8. Dadurch ist er bis zum Rand hin klar und scharf lesbar, auch wenn man nicht senkrecht drauf schaut.

Wann ist der Akku alle?

Der große Bildschirm ist aber nur eines der Nebenprodukte des größeren Gehäuses. Nachdem ich die Ultra im Anschluss an die September-Keynote in Apples Hauptquartier in Cupertino kurz ausprobieren konnte, hatte ich befürchtet, dass sie viel zu groß für mich wäre. Und ja, im direkten Vergleich mit der Apple Watch 8 etwa ist sie substanziell dicker und etwas breiter. An meinem Arm hingegen merke ich davon nichts. Klar, sie ist etwas größer, fühlt sich am Arm aber genauso leicht an wie die anderen Apple Watches, obwohl sie mit 61,3 Gramm fast doppelt so viel wiegt wie eine Apple Watch 8.

Die Apple Watch Ultra (r.) ist deutlich voluminöser als ihre Vorgänger. Das schafft Platz für einen größeren Akku

Die Apple Watch Ultra (r.) ist deutlich voluminöser als ihre Vorgänger. Das schafft Platz für einen größeren Akku

Foto: Matthias Kremp / DER SPIEGEL

Das zusätzliche Gewicht bringt vor allem eines: Ausdauer. Der größere Akku in der Ultra-Watch ermöglicht laut Apple eine Laufzeit von bis zu 36 Stunden. In meinem Test ermahnte sie mich allerdings erst nach knapp 48 Stunden, in denen ich zwei Trainings von jeweils rund einer Stunde absolvierte und die Uhr nicht ein einziges Mal vom Arm nahm, dass es nun an der Zeit sei, sie aufzuladen. Die bisherige Routine, Apples Uhren täglich entweder vor dem Schlafengehen oder morgens nach dem Aufstehen aufzuladen, kann man sich jetzt wohl abgewöhnen.

Wo bin ich?

Was ich mir auch abgewöhnen muss, ist das Herumspielen mit der eingebauten Sirene, denn die kann ganz schön laut werden. Nicht so laut, dass davon die Nachbarn wach werden, aber das ist auch nicht Sinn der Sache. Laut Apple soll sie dazu dienen, im Notfall auf sich aufmerksam zu machen, sollte man im Freien an einer schlecht einsehbaren Stelle verunglückt sein.

Ganz schön laut: Einer der beiden Lautsprecher ist als Sirene ausgelegt

Ganz schön laut: Einer der beiden Lautsprecher ist als Sirene ausgelegt

Foto: Matthias Kremp / DER SPIEGEL

Eine Neuerung, die helfen soll, in unübersichtlichem Gelände gar nicht erst die Orientierung zu verlieren, liegt darin, dass die Apple Watch Ultra GPS-Signale auf zwei statt nur auf einer Frequenz empfängt. Die zweite Frequenz, im Fachjargon als L5 bezeichnet, gehört zu einem neuen Teil des GPS-Systems. Sie ermöglicht zum Beispiel dann eine genauere Positionsbestimmung, wenn die Signale der GPS-Satelliten von hohen Gebäuden reflektiert oder blockiert werden. Das hätte ich im Urlaub in Venedig gut gebrauchen können. Dort gibt es zwar keine Wolkenkratzer, aber viele enge Gassen.

Uuuund … Action!

Lieber nicht dran drehen: Die Schrauben am Gehäuse laden zwar zum Basteln ein, ohne Spezialwerkzeug wird es aber schwierig, die Uhr anschließend wieder wasserdicht zu bekommen

Lieber nicht dran drehen: Die Schrauben am Gehäuse laden zwar zum Basteln ein, ohne Spezialwerkzeug wird es aber schwierig, die Uhr anschließend wieder wasserdicht zu bekommen

Foto: Matthias Kremp / DER SPIEGEL

Eine andere Neuerung, die beim Blick auf das Titangehäuse auffällt, ist der orangefarbene »Action-Button«, der links im Gehäuse steckt. Dieser Knopf ist sozusagen ein Joker, kann mit verschiedenen Funktionen belegt werden. So kann er etwa die Trainings-App starten, einen Wegpunkt markieren, wenn man seinen Weg aufzeichnet, oder einen Timer aktivieren. Das mag nützlich sein, schöner wäre es aber, wenn man ihn mit einer beliebigen App verknüpfen könnte, um beispielsweise per Knopfdruck Spotify zu starten.

Manche Kollegen zeigten sich auch begeistert von der verbesserten Sprachqualität, wenn man mit der Watch Ultra telefoniert. Technisch ist das auch beeindruckend. So wählt ein Algorithmus bei Wind oder etwa beim Radfahren von den drei eingebauten Mikrofonen jenes aus, das am wenigsten Windgeräusche aufzeichnet. Das ist toll gemacht, kann mich aber dennoch nicht davon überzeugen, die Uhr zum Telefonieren zu benutzen.

Ganz tief runter

Die von Apple bei der Präsentation der Watch Ultra gezeigte Möglichkeit, die Uhr als Tauchcomputer zu nutzen, habe ich – bitte um Verzeihung! – noch nicht getestet. Laut Apple ist die Uhr bis 100 Meter Tiefe Wasser-geschützt, eignet sich für Tauchtiefen von bis zu 40 Metern als Tauchcomputer, zeigt ab einer Wassertiefe von einem Meter automatisch die aktuelle Wassertiefe und Temperatur sowie die bisherige Verweildauer unter Wasser an.

Wo geht's lang? Die Backtrack-Funktion von watchOS 9 zeigt den Weg zum Rückweg, sollte man ihn nicht mehr selbst finden

Wo geht's lang? Die Backtrack-Funktion von watchOS 9 zeigt den Weg zum Rückweg, sollte man ihn nicht mehr selbst finden

Foto: Matthias Kremp / DER SPIEGEL

Viele andere Fähigkeiten der Apple Watch Ultra, wie etwa die Backtrack-Funktion, die einem helfen kann, anhand aufgezeichneter Wegpunkte der Weg zurückzufinden, sollte man sich etwa beim Wandern verlaufen haben, sind ihr nicht exklusiv vorbehalten. Vielmehr gehören sie zu watchOS 9, das als Update für Apple-Uhren ab der Series 4 verfügbar ist.

Fazit

👍 Herausragende Akkulaufzeit

👍 Sehr guter BIldschirm

👍 Umfangreiche Ausstattung

👎 Hoher Preis

👎 Action-Button nicht universell belegbar

Ebenso wie sie auf den ersten Blick verdammt groß erscheint, wirkt die Apple Watch Ultra zunächst sehr teuer, kostet immerhin 999 Euro. Die Apple Watch SE bekommt man für ein Drittel dieses Preises, die Apple Watch 8 für die Hälfte – wenn man sie im Alugehäuse und nur mit WLAN nimmt. Mit Stahlgehäuse, Mobilfunkmodul und Sportarmband hingegen werden schon 899 Euro fällig, mit Armbändern aus Leder oder Stahl noch mehr.

In diesem Umfeld wirkt die Ultra mit ihrem vom Armband unabhängigen Einheitspreis nicht überteuert. Umso mehr, als sie immer mit Titangehäuse und LTE-Modul geliefert wird, außerdem einen deutlich besseren Bildschirm und eine substanziell längere Akkulaufzeit hat als andere Apple-Uhren. Der Preis und der neue Look dürften sogar dafür sorgen, dass die Ultra nicht nur zum Gadget der Wahl für technikaffine Extrem- und Ausdauersportler wird, sondern auch zu einem Statussymbol. Die neuen Armbänder, die Apple zur Ultra anbietet, werden jedenfalls schon jetzt eifrig von Drittanbietern kopiert.

Hintergrund: Produkttests im Netzwelt-Ressort

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