Apple Watch zerlegt Viel ist da nicht drin

Die Apple Watch wurde gerade an die ersten Vorbesteller ausgeliefert, da hat das Team von iFixit die Smartwatch schon auseinandergenommen. Dabei gewannen die Profibastler eine ernüchternde Erkenntnis.

iFixit

Wenn es um neue Apple-Gadgets geht, ist den Experten von iFixit kein Weg zu weit. Zur Markteinführung der Apple Watch haben sie sich erneut auf den Weg nach Australien gemacht. Aufgrund der Nähe zur Datumsgrenze ließ sich die Smartwatch dort deutlich früher in den Läden abholen, als in Europa oder den USA.

Im Melbourner iFixit-Büro begann das Team nach dem Kauf sofort damit, die nagelneue Smartwatch auseinanderzunehmen - dabei stieß es auf einige Stolperfallen. Sein Vorankommen dokumentierte das Team unter dem Titel Apple Watch Teardown quasi in Echtzeit.

Dabei zeigten sich zunächst die üblichen Probleme, die viele neue Gadgets mit sich bringen. Um das Gerät überhaupt öffnen zu können, haben die Bastler das Display zunächst mit einer Art Heizkissen angewärmt und dann vorsichtig mit einem Teppichmesser vom Gehäuse gelöst. Schon hier fangen die Schwierigkeiten an, da mehrere winzige Kabel am Bildschirm hängen.

Das ist die Apple Watch

Apple Watch: Schon die Mittelklasse-Version kann ziemlich teuer werden. Diese Variante mit Edelstahlgehäuse und dem Edelstahlarmband Link kostet rund 1150 Euro.

Das Gliederarmband ist sehr hochwertig verarbeitet und besteht aus mehr als 100 Einzelteilen. Viele davon sind wohl notwendig für die spezielle Mechanik, die es so einfach macht, das Armband ohne Werkzeug zu kürzen.

Günstiger als das Stahlarmband ist das Sportarmband. Wer sich für das Modell aus Kunststoff entscheidet, kann 450 Euro sparen.

Damit der überstehende Teil des Sportarmbands nicht herumschlackern kann, wird er beim Schließen unter den gegenüberliegenden Teil des Armbands geschoben.

Auf der Rückseite der Apple Watch findet man die Sensoren des optischen Pulsmessers.

Die installierten Apps werden wie eine Wolke dargestellt, die man mit dem Finger verschieben kann.

Alles kommt durch: Meldungen, die in der Mitteilungszentrale des iPhones ankommen, erscheinen auch auf der Apple Watch.

Ein Dutzend Kontakte passt auf die kreisförmige "Freunde"-Übersicht, die sich mit einem Druck auf die Seitentaste jederzeit schnell aufrufen lässt.

Freunden, die auch eine Apple Watch besitzen, kann man seinen Pulsschlag schicken, indem man mit zwei Fingern auf das Display drückt. Dem Empfänger wird der Puls dann mithilfe der Taptic Engine spürbar gemacht. Eine nette Idee, aber letztlich nur eine Spielerei.

Ein bisschen Computerei gibt es auch bei der Apple Watch. Im Menü Einstellungen lassen sich grundlegende Parameter festlegen. Besonders viel gibt es hier aber nicht einzustellen.

Lange Leitung: Das Ladekabel der Apple Watch ist mit zwei Metern erheblich länger als beispielsweise die Ladekabel von iPhones und iPads.

Kontakt ohne Kontakte: Das Ladekabel wird magnetisch am Gehäuse gehalten, eine Buchse gibt es nicht, der Strom wird schnurlos per Induktion übertragen.

Ist der Kontakt zum Ladekabel hergestellt, leuchtet für wenige Sekunden diese Meldung auf, danach schaltet sich das Display wieder ab. Der Ladevorgang dauerte im Test, je nach Entladezustand des Akkus, meist weniger als eine Stunde.

Apple liefert zehn verschiedliche Zifferblätter mit, die man farblich und hinsichtlich der angezeigten Daten anpassen kann. Dies sind drei Beispiele.

Darunter fällt sofort der Akku ins Blickfeld. Mit einer Kapazität von 205 mAh soll er weit weniger stark ausgelegt sein als etwa der Akku der Motorola Moto 360. Den Kapazitätsunterschied wird Apple mit sparsamerer Elektronik und Software ausgleichen müssen. In unserem Test konnten wir keine Akku-Schwäche feststellen. Die von Apple versprochenen 18 Stunden Laufzeit sind durchaus realistisch.

Nach einiger Bastelei und mehreren extrem winzigen Tri-Wing-Schrauben kommt die sogenannte Taptic-Engine zum Vorschein. Sie ist das elektromechanische Bauteil, das die Vibrationen erzeugt, mit der die Apple Watch beispielsweise über neue Nachrichten, Termine und sogar Navigationsanweisungen informiert. Das Ganze erinnert an ein Anstupsen mit dem Finger.

Auffällig, aber sinnvoll ist, dass die Taptic Engine direkt über dem Lautsprecher angeordnet ist. Der Grund: Die unterschiedlichen Vibrationen werden meist von dazu passenden Tönen begleitet.

Erst etliche winzige Bauteile und noch winzigere Schrauben später haben die Bastler das Herz der Apple Watch erreicht, den S1-Chip. In dem flachen Halbleiter ist fast die gesamte Computertechnik der Smartwatch konzentriert. Anschauen kann man sich das freilich nicht, der S1 ist komplett in Kunstharz eingeschlossen, um gegen Umwelteinflüsse geschützt zu sein.

An seiner Unterseite jedoch hängen wieder etliche Flachbandkabel und Kontakte, von denen manche fest verlötet sind, sich also nicht zerstörungsfrei lösen lassen.

Das sind die ersten Apps der Apple Watch

Meldungen, die in der Mitteilungszentrale auf dem iPhone erscheinen, können in derselben Form auch auf dem Display der Apple Watch angezeigt werden.

Auf Reisen hat sich Apples Passbook-App als nützlich erwiesen. Hier lassen sich beispielsweise Hotelreservierungen und Flugtickets digital ablegen.

Auf dem Flughafen kann man mithilfe der Passbook-App beispielsweise seine digitalen Flugtickets vorzeigen. Auch der QR-Code, der vor dem Einsteigen gescannt wird, wird auf dem Bildschirm angezeigt. So kann das Handy in der Tasche bleiben.

Mit einen System von Ringen soll die Aktivitäten-App visualisieren, wie viele Kalorien man am jeweiligen Tag schon verbraucht hat, wie viel man trainiert hat und wie viel Zeit man im Stehen verbracht hat. Wer lieber konkrete Daten mag, kann sich auch die anzeigen lassen.

Von sich aus erkennt die Apple Watch nicht, welcher sportlichen Betätigung man sich gerade widmet. Stattdessen muss man aus einer Liste auswählen, was zu tun man sich vorgenommen hat.

Die Fitnessdaten werden überwiegend grafisch dargestellt. Der Vorteil dabei: Man bekommt auf einen Blick einen schnellen Eindruck davon, was das Gerät aufgezeichnet hat.

Wie viel Wetter darf es denn sein? Für die Darstellung aktueller und prognostizierter Wetterdaten gibt es auf der Apple Watch verschiedene Möglichkeiten.

Auch als Musikplayer ist die Apple Watch geeignet. Wahlweise kann man dabei Songs in den internen Speicher des Geräts laden oder von der Uhr aus den Musikplayer des iPhones steuern.

Empfehlenswert ist es, lieber Musik aus dem Speicher der Uhr abszuspielen. Umfangreiche Musiksammlungen, wie man sie auf dem iPhone sammeln kann, lassen sich nicht gerade komfortabel auf dem kleinen Bildschirm durchsuchen.

In der Nachrichten-App werden SMS und iChat-Nachrichten angezeigt. Auf der Übersichtsseite werden stets drei Nachrichten, mit Absendername, Textbeginn und Empfangsdatum aufgelistet.

Mit einem kräftigen Fingerdruck, Apple nennt ihn Force Touch, ruft man weitere Optionen auf - etwa, um eine Nachricht zu beantworten.

Ein Chatverlauf wird auf der Apple Watch genau so dargestellt wie auf einem iPhone, nur kleiner.

Genau wie für Nachrichten gibt es auch bei E-Mails Optionen, die man per Force Touch aufruft.

Bis zu 500 Fotos lassen sich auf der Apple Watch speichern.

Weil es doch sehr unübersichtlich ist, die winzigen Fotominiaturen auf dem kleinen Display anzuschauen, lassen sich Fotos auch stufenlos vergrößern.

Eine der wenigen von Drittanbietern vor der Markteinführung bereitgestellten Apps kommt von Twitter.

Zeitmessen, bis in kleinste Einheiten: Auch verschiedene Stoppuhr-Varianten sind in der Apple Watch zu finden.

Die Watch-App von Expedia macht auf den ersten Blick einen guten Eindruck, stellt Reiseinformationen übersichtlich dar.

Auch eine Tripadvisor-App gibt es bereits. Sie kann beispielsweise helfen, in der Umgebung eine gutes Restaurant zu finden.

Die Apple-Maps-App scheint auf den ersten Blick eher schmückendes Beiwerk zu sein, schließlich lässt sich auf dem kleinen Bildschirm nur ein ebenso winziger Kartenausschnitt anzeigen. Trotzdem kann sie die Orientierung in fremden Städten erleichtern, da sie über eine Navigationsfunktion verfügt.

So bleiben am Ende der Prozedur zwei Erkenntnisse: Den Akku einer Apple Watch auszuwechseln, dürfte für einen entsprechend geschulten Techniker eine Arbeit von wenigen Minuten sein. Die Hoffnung, man könne die Apple Watch womöglich eines Tages auf neue Technik aufrüsten, kann man laut iFixit aber begraben. Die neue Apple Watch, die iFixit so fotogen zerlegt hat, ist am Ende nur noch teurer Schrott.

mak



insgesamt 94 Beiträge
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Seite 1
olaf_olafson 24.04.2015
1. Was zu erwähnen wäre:
Hier wurde die kleine Version (38mm) zerlegt. Darauf bezieht sich die Akku-Größe wie auch die Laufzeit von 18 Stunden bei durchschnittlichem Gebrauch. Die 42mm verfügt über einen größeren Akku und hält demnach auch länger. Zum Innenleben: Was hat man erwartet? Das alles bis auf Sensoren, Akku, Taptic-Engine und ein paar Kabel fest im S1 Chipsatz eingeschlossen ist, wusste man ja vorher.
rexsayer 24.04.2015
2. Eigentlich sollte sich die Apple Watch bei unsachgemäßem Öffnen selbst zerstören.
Sonst wird sie ja dich sofort kopiert. Von Leuten die schon vorher alles besser gewusst haben.
hschmitter 24.04.2015
3.
Zitat von olaf_olafsonHier wurde die kleine Version (38mm) zerlegt. Darauf bezieht sich die Akku-Größe wie auch die Laufzeit von 18 Stunden bei durchschnittlichem Gebrauch. Die 42mm verfügt über einen größeren Akku und hält demnach auch länger. Zum Innenleben: Was hat man erwartet? Das alles bis auf Sensoren, Akku, Taptic-Engine und ein paar Kabel fest im S1 Chipsatz eingeschlossen ist, wusste man ja vorher.
18 Stunden Laufzeit? Welch Abhängigkeit von Steckdosen. Wofür eigentlich?
rexsayer 24.04.2015
4. Statt Gliederarmand bräuchte die Apple Watch ein Akkuarmband !
Dann gäbe es Energie für mehrere Tage.
inovatech 24.04.2015
5. Qulitätsüberschrift
Whow... "Viel ist da nicht drin". In einer kleinen Uhr ist also nicht viel drin". Danke - jetzt weiß ich Bescheid !!!
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