Entwicklerkonferenz in den USA Was Apple uns zeigen muss

Ein neues iPhone? Ein Fernseher? Retina-Notebooks? An diesem Abend beginnt Apples erste Entwicklerkonferenz nach dem Tod von Steve Jobs. Fans erwarten bahnbrechende neue Hardware, Pragmatiker eher Software. Beides könnte stimmen.

Einladung zur Apple-Konferenz (Screenshot): Fans des iPhones müssen sich gedulden

Einladung zur Apple-Konferenz (Screenshot): Fans des iPhones müssen sich gedulden

Aus San Francisco berichtet


Am Montagabend deutscher Zeit wird in San Francisco Apples jährliche Entwicklerkonferenz, die WWDC (World Wide Developer Conference), eröffnet. Im Sommer 2010 hatte Steve Jobs bei dieser Veranstaltung das iPhone 4 vorgestellt, ein Jahr später iCloud und Musicmatch. Darum, was auf der diesjährigen WWDC gezeigt wird, ranken sich Gerüchte, die Apple wie immer nicht kommentiert. Nicht einmal, ob Jobs-Nachfolger Tim Cook selbst die Eröffnungsrede halten wird, wurde offiziell erklärt. Und doch kann man einen Blick in die Kristallkugel wagen und vorhersagen, was der Konzern an Neuheiten präsentieren wird - zumindest ungefähr.

Fans des iPhones werden enttäuscht. Sie müssen sich noch eine Weile gedulden, bevor sie eine neue Version des Apple-Mobiltelefons in den Händen halten können. Apple ist ein Unternehmen, das Neuvorstellungen seiner Geräte strategisch über das Jahr verteilt, damit sich die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit immer auf jeweils ein Produkt konzentrieren kann. Und dafür ist das iPhone nicht reif, sein jährlicher Zyklus ist noch nicht erreicht.

Der vermutlich iPhone 5 genannte Nachfolger des iPhone 4S wird erst in einigen Monaten - wahrscheinlich im September - auf den Markt kommen. Es wird ein wenig größer sein als das aktuelle Modell, aber lange nicht so groß wie aktuelle Highend-Android-Handys. Während etwa Samsungs Galaxy S III einen 4,8-Zoll-Bildschirm hat, wird Apple sich aus Ergonomie-Gründen eher auf rund vier Zoll beschränken. Die Auflösung des Displays wird trotzdem klar über der des iPhone 4S liegen. Um weiter die Bezeichnung Retina-Display rechtfertigen zu können, müsste ein 4,1-Zoll-iPhone 1136 x 640 Pixel anzeigen.

iOS 6 und OS X 10.8

Vor allem aber wird es ab Werk mit iOS 6 bestückt, der nächsten Version des Mobil-Betriebssystems, das Apple in San Francisco erstmals zeigen wird. Es wird neben vielen technischen und optischen Kleinigkeiten angeblich ein neues Kartenprogramm und eine bessere Facebook-Integration enthalten. Auch hier gilt: Der Konzern Apple ist ein Gewohnheitstier. Am Montagabend wird es eine Vorschau auf die neue Software geben. Neue Funktionen und Fähigkeiten werden gezeigt und es wird eine Vorabversion für Entwickler veröffentlicht werden. Die finale Version dürfte Anfang September, zusammen mit dem neuen iPhone, auf den Markt kommen und als Update auch für das iPhones 4 und 4S sowie möglicherweise das 3GS angeboten werden.

Ebenso sicher wird auch das OS-X-Update 10.8, "Mountain Lion", gezeigt. Darüber, was diese Software Neues können soll, hat Apple bereits ausführlich informiert. Es ist um viele Funktionen aus dem iOS erweitert und enger mit Apples Datendienst iCloud verzahnt worden. So sollen beispielsweise Adressbücher und E-Mails besser zwischen Notebook, Tablet und Smartphone synchronisiert werden. Der goldene Zaun, mit dem Apple seine Kunden umgibt, wird also etwas glänzender - und etwas dichter.

Mehr iPad am Mac

Das neue Programm "Nachrichten" verbindet Apples Computer enger mit iPhones und iPads. Es ist eine erweiterte Version von iChat, mit der man auch Apples Kurznachrichtendienst iMessage nutzen kann. Vor allem - auch das verzahnt die Geräte enger - lassen sich Unterhaltungen damit auf einem Apple-Gerät beginnen und auf einem anderen fortführen.

Ebenfalls vom iOS adaptiert sind die neue Erinnerungsfunktion, der Notizblock und die Mitteilungszentrale. Twitter wurde tiefer im Betriebssystem verankert und auch der Online-Spielertreff GameCenter wurde von den iOS-Geräten auf die Macs portiert. Zudem gibt es neue Sicherheitsfunktionen, bessere Möglichkeiten, den Bildschirminhalt auf einem TV im Wohnzimmer zu zeigen, und vor allem: etliche Anpassungen für chinesische Mac-Nutzer.

Apple umwirbt China

Um den chinesischen Markt buhlen alle PC-Hersteller. Er ist riesengroß, wächst gewaltig und verspricht ebensolche Profite. Aber auch große Probleme, wie Apple an seinen Querelen um die Markenrechte an dem Begriff iPad in China erfahren hat. Erst vor wenigen Wochen reiste Apple-Chef Tim Cook ganz offiziell nach Peking.

Anzunehmen ist, dass er dort Verträge mit chinesischen Internetfirmen zum Abschluss gebracht hat. In OS X 10.8 sollen unter anderem die chinesische Videoplattform Youku, der Microblogging-Dienst Weibo und die Suchmaschine Baidu integriert sein. Und hier schließt sich der Kreis, denn Baidu und weitere chinesische Angebote dürften auch Bestandteile von iOS 6 werden.

Das wird Google schmerzen, da der Internetkonzern in China nicht recht Fuß fassen kann. Aber von Google versucht Apple sich ohnehin zu lösen. Dass der Kartendienst Maps im iOS und wohl auch auf Macs durch Apple-eigene Karten ersetzt werden soll, ist dem "Wall Street Journal" zufolge beschlossene Sache.

Neue Macbooks, Mac Pros und iMacs

Apple hat bisher nicht darüber gesprochen, dass OS X 10.8 die Software-Grundlage für eine ganze Reihe neuer Macs bilden könnte. In den Tagen vor den WWDC sind im Web angeblich neue Teilenummern für mehr als ein Dutzend Macs aufgetaucht. Darunter neue iMacs, neue Mac Pros und neue MacBook-Air-Modelle. Sollten diese Listen echt sein, wird der Konzern fast sein gesamtes Computer-Line-up erneuern, was zum Teil bitter nötig ist. Die professionellen Mac Pros wurden seit zwei Jahren nicht aktualisiert, bei den Notebooks ziehen die Ultrabooks den MacBooks mittlerweile technisch davon.

Denn Intel liefert bereits eine neue Prozessorgeneration, Codename "Ivy Bridge", aus. Diese Chips dürften auch in sämtlichen neuen Apple-Notebooks stecken. Sie sind die Voraussetzung dafür, dass Apple wieder einen Vorsprung gegenüber den erfolgreichen Ultrabooks herausarbeiten kann.

Was so ein neues MacBook technisch zu bieten haben könnte, soll ein Foto zeigen, das im Web kursiert. Darauf zu sehen sind die angeblichen technischen Daten eines neuen 15-Zoll-MacBooks. Das ist demnach mit 16 GB Arbeitsspeicher, einer 2-GB-Grafikkarte, einem SDXC-Speicherkartenleser und - erstmals bei Apple - USB 3.0 bestückt, enthält aber kein optisches Laufwerk. Dafür wird auf dem Foto die Bildschirmauflösung mit 2560 x 1600 Pixel angegeben. Ein solches Display wäre tatsächlich ein Novum, das im Konkurrenzkampf mit den Ultrabooks ähnlich entscheidend sein könnte wie das Retina-Display des iPad bei Apples Kampf gegen Android-Tablets.

Ein bisschen Fernsehen

Dass Apple angesichts einer solchen Menge neuer Produkte auch noch mit einem eigenen Fernseher in eine für den Konzern neue Kategorie einsteigen wird, ist unwahrscheinlich. Das Unternehmen wird versuchen, den Hype, den die Ankündigungen vom Montagabend zweifellos auslösen werden, ganz auf die neuen Rechner und deren Software zu konzentrieren.

Dass dabei auch der Begriff Apple TV fallen wird, ist nicht unwahrscheinlich. Dann aber wohl eher im Zusammenhang mit einem Software-Update für die TV-Box des kalifornischen Konzerns. Dass ein solches Update, das die Settop-Box beispielsweise um Spiele und andere Apps erweitern soll, den Weg für einen echten Apple-Fernseher ebnen könnte, steht auf einem anderen Blatt.



insgesamt 46 Beiträge
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JohnMcGully 11.06.2012
1.
Oh nein, ein Apple-Artikel. Dann werden wir mal schnell die Worthülsen aufzählen: - Apple ist überteuert - Apple kann nur Marketing - Apple lässt menschenunwürdig produzieren - Apple-User sind alle doof, haben keine Ahnung von IT und lassen sich verapplen - Apple verbaut auch nur Standard-Komponenten (was auch sonst?) - Apple ist der größte Umweltsünder - Apple will die Weltherrschaft - Apple ist ein Feind der Freiheit - Apple muss zerschlagen werden - SpOn ist das Apple-Zentralorgan - ..... Ich hoffe ich habe nichts wesentliches vergessen. Dann kann man ja jetzt wieder über Inhalte sprechen. Ich glaube, dass die Fans enttäuscht werden. Sie stecken zu viele Erwartungen in diese Veranstaltung und das wird durch die Presse noch gepusht. Ich gehe davon aus, dass die Betriebssysteme im Vordergrund stehen werden denn das ist das was die Entwickler-Community interessiert. Die Mac(Book)-Updates werden dann schon ein Nebenthema sein. Das ist denn aber auch und reicht auch. Von daher erwarte ich keine wirklich heißen Neuigkeiten die über die Grenzen der Apple-User-Community hinaus wichtig wären.
wakaba 11.06.2012
2. optional
Sync und Facebookintegration. Gibts bei Windowsphone in sehr guter Qualität schon lange. Die Nokia Karten und Apps sind genial. Wieder muss sich Apple bei anderen bedienen. Das Interface bei WP ist einfach besser, flüssiger und unverschachtelter als bei Apple. Cupertino hechelt mittlerweile nur noch hinterher.
chinataxi 11.06.2012
3. nicht nur das
"Sync und Facebookintegration. Gibts bei Windowsphone in sehr guter Qualität schon lange. Die Nokia Karten und Apps sind genial. Wieder muss sich Apple bei anderen bedienen. Das Interface bei WP ist einfach besser, flüssiger und unverschachtelter als bei Apple. Cupertino hechelt mittlerweile nur noch hinterher." der unterschied: bei microsoft folgen diese features einem klarem konzept, bei apple wird das schell und hektisch IRGENDWO drangenäht. z.b. der kamera button > lautstärkeregler und hektisch im slide to unlock windows phone hat ein anderes konzept da steckt apple in der sackgasse. windows phone: wächter sitzt vor monitoren und hat alles im blick. ios: wächter stiefelt durch die gänge udn räume und muss überall zu fuß schauen.
johnbatz 11.06.2012
4. Noch dünner!
Dünneres iPhone, dünnerer iPad, dünnerer Fernseher, dünnerer Inhalt und dünnerer Vortrag. Letzte Woche hat mein Mac nach einem Programmabsturz neu gebootet. Derlei Blackscreens kenne ich zuletzt von Windows 98. Was Apple zeigen muss, ist dass in naher Zukunft die angebliche Sicherheitspolitik in dem ganzen iMacMüll nicht nur leere Versprechungen sind, denn es sieht ganz danach aus, als wäre das ganze MacGedöns einfach nur Haufen ein bunt angemalter Softwaremüll der demnächst in von einem Viranbefall ins den nächsten trudelt und dessen hilflose Anwender dann mit ihren beischeidenen IT Kenntnissen im Regen stehen und versuchen werden, die Probleme zu lösen indem sie Geldscheine in den DVD-Laufwerkschlitz schieben.
JohnMcGully 11.06.2012
5.
Zitat von chinataxi"Sync und Facebookintegration. Gibts bei Windowsphone in sehr guter Qualität schon lange. Die Nokia Karten und Apps sind genial. Wieder muss sich Apple bei anderen bedienen. Das Interface bei WP ist einfach besser, flüssiger und unverschachtelter als bei Apple. Cupertino hechelt mittlerweile nur noch hinterher." der unterschied: bei microsoft folgen diese features einem klarem konzept, bei apple wird das schell und hektisch IRGENDWO drangenäht. z.b. der kamera button > lautstärkeregler und hektisch im slide to unlock windows phone hat ein anderes konzept da steckt apple in der sackgasse. windows phone: wächter sitzt vor monitoren und hat alles im blick. ios: wächter stiefelt durch die gänge udn räume und muss überall zu fuß schauen.
Wieso muss eigentlich bei Apple immer eine Werbeorgie der Gegner starten? Ich sehe es ja auch so, dass iOS hinterherhinkt. Aber muss man deswegen gleich wieder Werbung für WP und Nokia machen? Mir gefällt Android besser aber das ist eigentlich nicht das Thema des Artikels.
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