Apples Magic Keyboard im Test Darf es ein bisschen mehr sein?

Bis zu 400 Euro kostet Apples neue Anstecktastatur für die iPads der Pro-Serie. Das Tablet wird damit fast zum Notebook - was die Funktionen angeht, leider aber auch das Gewicht.
Sehr robust und sehr teuer: Apples Magic Keyboard im Praxiseinsatz

Sehr robust und sehr teuer: Apples Magic Keyboard im Praxiseinsatz

Foto: Matthias Kremp/ DER SPIEGEL

Apple zeigt mal wieder Selbstbewusstsein: Für das neue Magic Keyboard, eine externe Tastatur für die iPads der Pro-Serie, verlangt das Unternehmen in der 11-Zoll-Version 339 Euro, in der von mir getesteten 12,9-Zoll-Version sogar 399 Euro. Im Gegenzug bekommt man eine robuste Hülle inklusive Tastatur, Trackpad und einem ungewöhnlichen Scharnier. Man könnte sich aber auch für 20 Euro weniger ein komplettes iPad kaufen, denn das gibt es ab 379 Euro.

Wer sich für das Magic Keyboard entscheidet, tippt auf einer Tastatur, die auf derselben Technik basiert wie die Tastaturen im 16-Zoll-MacBook-Pro und im neuen MacBook Air. Die Tasten haben einen klar spürbaren Druckpunkt und einen gut definierten Anschlag. Damit habe ich mich auf Anhieb wohlgefühlt, als ich unter anderem diesen Text darauf geschrieben habe.

Zumindest abends ist mir dabei die Tastaturbeleuchtung positiv aufgefallen. Es wird zwar noch eine Weile dauern, bis ich wieder in abgedunkelten Hallen an Pressekonferenzen teilnehme oder auf nächtlichen Flügen Texte tippe, dann jedoch könnte dieses Feature nützlich werden.

Arbeiten ohne anfassen

Vollkommen ungewohnt für iPad-Nutzer ist das integrierte Trackpad. Sinn ergibt es allerdings schon, weil Apple seinem iPad-Betriebssystem mit dem Update auf Version 13.4 einige Trackpad-Funktionen beigebracht hat. Mit denen kann man das Apple-Tablet bedienen, ohne es zu berühren. So absurd das für einen Touchscreen-Computer scheinen mag, manche Dinge gehen damit einfach schneller. Meist solche, die man mit dem Begriff "Arbeit" verbindet. Eine Übersicht der in iPad OS 13.4 verfügbaren Trackpad-Gesten finden Sie hier .

Gerade durch das Trackpad fühlt sich das iPad Pro in Kombination mit dem Magic Keyboard schon sehr wie ein Notebook an. Die wichtigsten Gesten sind schnell gelernt:

  • Ein Wisch mit drei Fingern nach oben öffnet die Multitasking-Ansicht.

  • Mit denselben Fingern nach links oder rechts wischt man sich von einer geöffneten App zur nächsten.

  • Und um das Dock aufzurufen, in dem häufig benutzte Apps bereitstehen, wischt man mit etwas Schwung nach unten.

Diese und anderen Gesten funktionieren auch in vielen Apple-Apps, wie etwa dem Schreibprogramm Pages. Auch einige weitere Softwareentwickler haben ihre Apps bereits an Apples Trackpad-Technik angepasst, zugleich gibt es aber auch noch etliche nicht darauf abgestimmte Programme. So muss man bei der Arbeit mit verschiedenen Apps immer wieder umdenken, was man jetzt mit dem Trackpad machen kann und wann man doch wieder auf die gewohnte Touchscreen-Steuerung zurückgreifen muss. Apple kann man das nicht direkt anlasten, nervig ist es trotzdem.

Ein bisschen Kraft muss sein

Unkompliziert ist dagegen das Verbinden von iPad und Magic Keyboard. Wie bei Apples iPad-Tastaturen und -Cases üblich, wird das iPad von kleinen Magneten am Deckel der Tastatur festgehalten. Die sind derart stark, dass man durchaus ein wenig Kraft braucht, um es davon wieder zu lösen. Kreditkarten oder andere Gegenstände, die empfindlich auf Magnetfelder reagieren, sollte man von ihnen lieber fernhalten.

So wie man das iPad besser mit beiden Händen hält, wenn man es auf das Magic Keyboard steckt oder abnimmt, muss man auch beide Hände benutzen, wenn man den Winkel verändern möchten, in dem einem das iPad auf der Tastatur zugeneigt ist - denn auch das Scharnier erfordert etwas Kraft. Dafür hält es das iPad auch bis zu einem Winkel von rund 45 Grad noch stabil fest.

Praktisch nutzbar ist der Bereich zwischen 80 und 130 Grad. Die oberste Position habe ich als am angenehmsten empfunden. Dabei zeigte sich ein Vorteil gegenüber anderen iPad-Tastaturen: Durch die spezielle Konstruktion, die das iPad schweben zu lassen scheint, ist der Bildschirm ein paar Zentimeter höher, was auf Dauer angenehmer ist.

Das Scharnier ist so robust, dass es das iPad Pro in beinahe beliebigen Winkeln festhält

Das Scharnier ist so robust, dass es das iPad Pro in beinahe beliebigen Winkeln festhält

Foto: Matthias Kremp/ DER SPIEGEL

Nicht so angenehm ist dagegen das Gewicht des Magic Keyboard. Meine alte Briefwaage zeigt bei der getesteten 12,9-Zoll-Version rund 700 Gramm an. Damit ist die Tastatur etwa 60 Gramm schwerer als das iPad selbst und das Paket aus beiden wiegt mehr als ein MacBook Air. Da will es gut überlegt sein, zu welchen Gelegenheiten man so ein Magic Keyboard wirklich mitnehmen will.

Fazit

So ganz einfach ist es nicht, über Apples neue iPad-Tastatur ein eindeutiges Urteil zu fällen. In dem, was sie macht, ist sie hervorragend: Tasten und Trackpad funktionieren bestens, die Hülle drumherum schützt das teure Tablet wie ein Panzer und hält es bei der Arbeit stabil aufrecht.

All das kommt aber nicht nur zu einem finanziell hohen Preis. Mit dem Magic Keyboard wird das eigentlich so elegante und leichte iPad Pro zu einem ganz schön schweren Brocken. Die Kombination zu schleppen lohnt sich nur, wenn man das Gerät wirklich als Notebook-Ersatz verwenden will. Ob es einem das wert ist, ist im Wortsinne Abwägungssache.

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