Apples Umstieg auf eigene Prozessortechnik Die große Vereinigung

Apples Notebooks und Desktop-PCs sollen künftig von Prozessoren angetrieben werden, die denen in iPhones und iPads ähneln. Das könnte den Konzern und seine Produkte nachhaltig verändern.
Im Moment vielleicht der wichtigste Mann bei Apple: Johny Srouji, Chef der Chipentwicklung

Im Moment vielleicht der wichtigste Mann bei Apple: Johny Srouji, Chef der Chipentwicklung

Foto: Apple/ REUTERS

Seit Jahren fährt Apple mit den iDevices und den Macs zweigleisig. Regelmäßig kommt daher die Frage auf, wann MacBooks und iMacs wohl Touchscreens bekommen, wie sie bei Windows 10 längst üblich sind. Doch Apple wies das stets von sich, genauso wie es auch kein Trackpad für das iPad geben sollte. Und wie das bei Apple so ist, war es dann das beste und tollste Trackpad, als es plötzlich doch kam. Beim MacBook könnte es mit dem Touchscreen genauso ausgehen.

Dass Apple jetzt von Intel auf eigene Prozessoren umsteigen will, ebnet den Weg für eine endgültige Wiedervereinigung aller Apple-Plattformen. Dass der Konzern schnelle Prozessoren bauen kann, ist unstrittig. Das iPhone mit dem A13 und das iPad Pro mit dem A12Z sind längst auf Augenhöhe mit Intel-Macs. Bei komplexen Anwendungen, in denen viele Dinge gleichzeitig und parallel abgearbeitet werden können, erzielen sie durch die Bank bessere Ergebnisse.

Die beeindruckende Bildverarbeitung der Kameras, die Spracherkennung, kurz der ganze Bereich künstliche Intelligenz (KI) läuft dank der sogenannten Neural Engine, einem auf KI spezialisierten Bereich in Apples-Prozessoren, schneller als auf Intel-Prozessoren. Auch die Grafikausgabe ist beeindruckend. In dieser Hinsicht ist ein aktuelles iPad Pro tausendmal schneller als das erste iPad.

Schematische Darstellung eines Apple-Prozessors: Der Chip besteht aus vielen, für bestimmte Aufgaben optimierten Einheiten

Schematische Darstellung eines Apple-Prozessors: Der Chip besteht aus vielen, für bestimmte Aufgaben optimierten Einheiten

Foto: Apple/ YouTube

Beeindruckend ist, mit wie wenig Technik iPhone und iPad diese Leistungen erbringen. Nimmt man das Display aus dem Gerät, sieht man fast nur Akkus im Gehäuse, so klein sind die Hauptplatinen, die sich die Prozessoren mit Funkmodulen und Speicherchips teilen.

Wenn sich Apple nun anschickt, Laptops und Desktops mit dieser Technik zu bauen, sind völlig neue Designs denkbar. Etwa ein nur wenige Millimeter dicker iMac im Stile eines riesigen iPads. Mit SSD statt Festplatte und einer lüfterlosen und deshalb geräuschlosen Kühlung. Ein iPad Pro kommt ja auch nur ins Schwitzen, wenn man seinen Akku auflädt.

Möglich werden solche Designs, weil Apples eigene Prozessoren wenig Strom verbrauchen. "Performance pro Watt" ist die griffige Formel. Es gilt viel Computerleistung mit wenig Strom zu erzeugen. Das kommt nicht nur der Akkulaufzeit zugute, sondern auch dem Hitze-Management. Was wenig Strom verbraucht, wird auch nicht warm. Was nicht warm wird, braucht keinen nervenden Lüfter. Das ist bisher der Hauptengpass, der Notebooks, auch Apples MacBooks, ausbremst. Die Prozessoren in schlanken Ultrabooks verbraten 15 Watt, schnellere Laptops gar 45 Watt, beim Macbook Air sind es nur 10 Watt.

Eigene Prozessoren ermöglichen aber nicht nur dünne Hardware, sondern auch eine einheitliche Software-Landschaft. Auf einem Desktop-Computer kann dann die gleiche Software laufen wie auch auf einem iPhone oder einer Apple Watch. Das passiert nicht von heute auf morgen, Apple bereitet uns schon auf eine zweijährige Übergangsphase vor. Aber der Marsch hat bereits letztes Jahr begonnen. Immer mehr Mac-Software basiert auf iOS-Apps. Das ist auch bitter nötig, weil kaum noch jemand Mac-Software schreiben mag.

Kein Ende für Intel in Sicht

Für Apple ist das nicht der erste Wechsel der Prozessortechnik. Vor 15 Jahren wechselte die Firma vom PowerPC- auf Intel-Chips und nun eben von Intel auf "Apple Silicon". Es gibt bereits für 500 Dollar ein Entwicklerkit, einen Mac mini, mit einem iPad-Prozessor, den der Entwickler nur mieten, aber nicht kaufen kann. Es war zu erwarten, dass das kein Laptop wird, weil sich sonst jedermann auf Batterietests kapriziert hätte. Einen Namen haben die neuen Chips übrigens noch nicht. Der wird erst verkündet, wenn Apple den ersten Computer mit der neuen Hardware ankündigt. Im Moment wird dafür das Jahresende angepeilt.

Man kann davon ausgehen, dass der Konzern sein Angebot bei diesem Übergang von hinten aufrollen wird. Zuerst die weniger leistungsfähigen MacBooks, dann die iMacs und schließlich auch die Highend-Macs mit einem "Pro" im Namen. Mit den Intel Macs soll es trotz solcher Pläne bei Apple noch lange nicht vorbei sein. Das Unternehmen betont, dass noch einige neue Maschinen mit Intel-Chips in der Pipeline sind und man Intel-Hardware noch jahrelang unterstützen wolle.