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Gizmodos iPhone 4G: Prototyp oder Fake?

Apples "verlorener" Prototyp Rätselraten um das Biergarten-iPhone

Apple ist ein iPhone-Prototyp abhanden gekommen - ausgerechnet dem Konzern, der aus jedem neuen Produkt ein Staatsgeheimnis macht. "Verloren" wurde er in einer deutschen Bar in Kalifornien. Der renommierte Techblog Gizmodo veröffentlichte die Story. Alles nur Zufall? Oder clever inszeniert?

Diese Geschichte ist eigentlich zu gut, um wahr zu sein: Eines von Apples bestgehüteten Geheimnissen, ein Prototyp des nächste iPhone, ist verlorengegangen und ausgerechnet dem Techblog Gizmodo zugespielt worden. Das machte mit der Meldung Schlagzeilen und bekam jetzt sogar von Apple die Bestätigung: Ja, das Ding ist echt. Per Brief an den Gizmodo-Chefredakteur forderte Apples Rechtsabteilung die Rückgabe des Handys :

"Wir haben festgestellt, dass Gizmodo derzeit in Besitz eines Geräts ist, das Apple gehört. Dieses Schreiben ist eine formelle Anfrage zur Rückgabe dieses Geräts an Apple. Bitte lassen Sie mich wissen, wo das Gerät abgeholt werden kann."

Das hört sich in der Tat so an, als würde Apple einen wichtigen Prototyp vermissen. Und es hört sich so an, als wäre die Geschichte, wie Gizmodo in den Besitz des merkwürdigen Handys kam  , wahr.

Gefunden wurde das Handy demnach in einem deutschen Biergarten, dem Gourmet Haus Staudt in Redwood City (Kalifornien), rund 35 Kilometer nordöstlich von Apples Hauptquartier in Cupertino. Sein Finder wusste zunächst nicht, was er da vor sich hatte, denn der Prototyp war als iPhone 3GS getarnt worden. So lange es noch funktionierte, stöberte er durch die installierten Apps, fand dabei auch Hinweise auf den Eigentümer, einen 27-jährigen Apple-Ingenieur namens Gray Powell , der beispielsweise über die Facebook-App eindeutig zu identifizieren war.

Tot wie ein Stein

Der allerdings hatte schließlich offenbar selbst gemerkt, dass er einen wertvollen Prototyp verloren hatte und das Gerät aus der Ferne gelöscht. Apples Online-Dienst Mobile Me bietet eine entsprechende Funktion, die es ermöglicht, ein entsprechendes Signal an gestohlene iPhones zu senden. Normalerweise aber lassen sich solche Geräte wieder in Betrieb nehmen, indem man sie einmal mit einem Computer verbindet und mit iTunes synchronisiert. So funktioniert das iPhone wieder, sämtliche Daten aber sind gelöscht. Das iPhone aus dem Haus Staudt hingegen verweigerte sich jeglichen Reanimationsversuchen, war tot wie ein Stein.

Der anonyme Finder allerdings hatte nun offenbar alle Hemmungen verloren, verwarf den Gedanken daran, das Handy seinem Eigentümer zurückzugeben. Stattdessen zerlegte er das Gerät, an dem ihm ein paar Eigentümlichkeiten, wie etwa eine zweite Kamera, aufgefallen waren. Und siehe da: Wie in einer Matroschka-Puppe fummelte er unter der äußeren Hülle ein Handy hervor, dass plötzlich ganz anders aussah, immer noch ein wenig nach iPhone, aber ohne die typischen Rundungen, stattdessen mit einem Aluminiumrahmen und einer ganz flachen Unterseite. Und mit einem Schriftzug auf der Rückseite, der ihm klar signalisierte: Dieses Telefon stammt aus keiner Serienproduktion. "XXGB" stand da unter der Bezeichnung iPhone, wo normalerweise die Speicherkapazität angegeben wird. Ebenso fehlten eine Modellnummer und die Zulassungsnummer der Funkzulassungsbehörde FCC.

"Alles für die Geschichte"

Spätestens jetzt ahnte er offensichtlich, was er da vor sich hatte. Seine Schlussfolgerung: Das Ding ist viel Geld wert. Für 5000 Dollar bot er das Fundstück verschiedenen Techblogs und Nachrichtenseiten an , bis Gizmodo zuschlug, ihn auszahlte und das funktionslose iPhone so ausgiebig fotografierte und filmte wie nur möglich. Kritik an diesem Scheckbuchjournalismus weist Gizmodo-Eigentümer Nick Denton offen zurück. " Alles für die Geschichte ", schreibt er via Twitter.

Dass andere nicht ganz so freigiebig sind, beweist Gizmodo-Konkurrent Engadget. Der hatte die Fotos des Fund-Handys lange vor Gizmodo auf der Seite, auch ohne das Gerät gekauft zu haben. Gizmodo  aber kann nun etliche Infos nachliefern, die man anhand des Prototypen und der Schilderungen des Finders zusammengetragen hat. So also ist der Prototyp:

  • drei Gramm schwerer als ein iPhone 3GS
  • hat einen 16 Prozent größeren Akku
  • eine Kamera für Videochats auf der Vorderseite
  • einen Kamerablitz
  • eine größere Linse für die Hauptkamera
  • ein zusätzliches Mikrofon, möglicherweise, um Nebengeräusche zu unterdrücken
  • verwendet, wie das iPad, Micro-Sim-Karten statt herkömmlicher Sim-Karten
  • verfügt über 80 GB Speicher, mehr als doppelt so viel wie das aktuelle Highend-Modell
  • bietet auf einem etwas kleineren Display eine deutlich höhere Auflösung als sein Vorgänger. Gizmodo vermutet 960 x 640 Pixel.

Ist das alles Zufall?

Das alles hört sich sehr plausibel an, auch wenn viele dieser Funktionen auch direkt einer Apple-Fan-Wunschliste entnommen sein könnten. Trotzdem dürften weiterhin Zweifel angebracht sein, ob das, was Gizmodo da zeigt, tatsächlich das ist, was Apple in einigen Wochen als neues iPhone vorstellen wird. Was wäre, wenn Apple das Gerät absichtlich verloren hat?

Der Techdigest  führt einige gute Gründe an, die Apple haben könnte, ein solches Gerät absichtlich zu verlieren. Der wohl stichhaltigste: Ablenkung. Schließlich könnte es sein, dass der Konzern ein solches Leck lanciert, um dann im Juni mit einem echten iPhone glänzen zu können, das ganz andere, überraschende Funktionen und Eigenschaften hat und nicht bloß ein technisches Upgrade ist, wie jener Prototyp, den Gizmodo da hat. Vor allem was das Design angeht, bleibt das zu hoffen. So wie das Gerät derzeit aussieht, könnte es auch von einer asiatischen Firma wie HTC oder LG stammen.

Für Gizmodo allerdings hat sich die Investition in das Fundstück ausgezahlt. Die Zugriffszahlen auf das Techblog sind seit der Veröffentlichung der iPhone-Fotos geradezu explodiert . Die Zahl der Zugriffe auf Gizmodo hat sich binnen einer Woche mehr als verzehnfacht. Der Webranking-Dienst Alexa führt die Seite derzeit auf der Nummer zwei der "heißesten Seiten". Und das dürfte sich für die Betreiber in Form erhöhter Werbeeinnahmen auszahlen.

Unklar ist allerdings das Schicksal von Gray Powell, der das vermeintliche iPhone 4G angeblich achtlos in einer Bar liegen ließ. Er habe wohl "unterschätzt, wie gut deutsches Bier ist", soll er in den Prototyp getippt haben, kurz bevor er ihn verlor. Noch, so scheint es, ist er bei Apple festangestellt. Sollte die Geschichte aber wahr sein und er geheime Hardware bei einem Saufgelage verschludert haben, dürften seine Tage bei Apple gezählt sein.

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