Fotostrecke

Neue Technik aus den USA: So soll das superschnelle Funknetz funktionieren

Foto: Artemis

Artemis pCell US-Millionär will Mobilfunk revolutionieren

Smartphone- und Tabletnutzer sollen unterwegs endlich schneller surfen können, dafür will ein amerikanischer Firmengründer sorgen. Seine Erfindung soll jedem Anwender eine eigene Funkzelle bereitstellen. Doch die Technologie ist kompliziert, es gibt viele Zweifler.

Steve Perlman ist kein Mann von Bescheidenheit. Nicht weniger als "die Neuerfindung drahtloser Technologie" verspricht der Amerikaner in einer Pressemitteilung seiner Firma Artemis. Mit einer neuen Technik namens pCell will er den Mobilfunk revolutionieren. Überlastete Netze sollen damit bald Vergangenheit sein: Jeder Smartphone-Nutzer soll immer eine Verbindung bekommen und immer mit voller Geschwindigkeit online gehen können.

Dass Perlman mit solchen Behauptungen ernst genommen wird, liegt daran, dass er im Silicon Valley kein unbeschriebenes Blatt ist. Bei Apple war er maßgeblich an der Entwicklung der Multimedia-Technologie Quicktime beteiligt, seine Firma WebTV Networks verkaufte er für mehrere hundert Millionen Dollar an Microsoft. 2007 gründete er OnLive, einen Online-on-demand-Videospieldienst. Der wurde zwar kein wirtschaftlicher Erfolg, arm wurde Perlman dadurch aber nicht. Allein seine rund hundert Patente dürften für ein ansehnliches Plus auf seinem Bankkonto sorgen.

So wundert es nicht, dass Perlman sein neues Unternehmen und die Entwicklung der pCell-Technik komplett aus eigenen Mitteln finanzieren konnte. Etwas anderes blieb ihm allerdings auch nicht übrig, denn Risikokapitalgeber konnte er nicht gewinnen. Offenbar waren seine Versprechen den sonst sehr mutigen Geldgebern aus Kalifornien doch zu blumig.

Jedem seine eigene Funkzelle

Bisherige Funknetze seien an ihre Grenze gekommen, schreibt Artemis Networks in einer Pressemitteilung. Auch durch die Nutzung von mehr Frequenzen, die Verkleinerung der Funkzellen und neue Techniken könnten sie dem rasant zunehmenden Bedarf der Smartphone-User nicht mehr gerecht werden.

Perlmans Lösung für dieses Problem besteht darin, die Nutzer zu isolieren. Statt mit einem Funkmast verbinden sich Mobilgeräte in pCell-Netzen mit mehreren Funkstationen gleichzeitig. Auf diese Weise - und mit aufwendigen Berechnungen im Hintergrund - soll es möglich sein, um jedes Gerät herum eine winzige Funkzelle zu erzeugen, die nur dieses eine Gerät nutzt, die sogenannte pCell oder auch Personal Cell.

Galaxy S4 und iPhone 5s können es schon

Knifflig ist es dabei offenbar, diese winzige Zelle mit einem Gerät mitlaufen zu lassen, das sich mit seinem Anwender bewegt. Außerdem muss der Datenstrom, den die Nutzer erzeugen, so separiert werden können, dass sich jedes Datenpaket dem richtigen Gerät zuordnen lässt. Eine aufwendige Aufgabe, für die in jeder Stadt, in der pCell genutzt werden soll, ein Rechenzentrum errichtet werden müsste.

Für die Anwender soll es dagegen sehr einfach sein, von den Möglichkeiten der pCell-Technik zu profitieren. Jedes Gerät, das LTE beherrscht, sei dazu in der Lage, verspricht Artemis Networks und nennt populäre Smartphones wie das Galaxy S4 und die aktuellen iPhones als Beispiele. Innerhalb einer pCell sollen diese Geräte stets mit der vollen LTE-Geschwindigkeit surfen können. Ein potentielles Problem ist demnach auch schon gelöst: Der Wechsel zwischen pCell-Netzen und normalen LTE-Netzen soll vollautomatisch vonstatten gehen.

Selbst den Providern verspricht Perlman eine leichte Aufrüstung ihrer Netze. Zum einen könne man die kleinen Basisstationen nahezu an beliebigen Orten montieren - auch innerhalb von Gebäuden -, zum anderen seien die Kosten vergleichsweise gering. Derzeit wird pCell von Artemis Networks mit verschiedenen Partnern in San Francisco getestet, zum Jahresende soll eine erste kommerzielle Installation in Betrieb genommen werden. Wo die entstehen soll, verrät die Firma allerdings nicht. Ab 2015 sei man dann bereit, in weitere Märkte zu expandieren.

Vergleich mit der Mondlandung

Ob es allerdings tatsächlich so weit kommen wird, bleibt abzuwarten. Bislang muss sich Steve Perlman Kritik gefallen lassen, dass er die Technik zwar eindrucksvoll demonstrieren kann (etwa im Präsentationsvideo ), das aber nur im Labormaßstab tut. So lange es kein großes Testnetz gibt, an dem man die Alltagstauglichkeit der neuen Technik überprüfen kann, wird diese Kritik nicht verstummen.

Mindestens einen prominenten Unterstützer hat Perlman dennoch auf seiner Seite: John Sculley, Ex-Apple-Chef und Gründer des US-Mobilfunkanbieters Metro PCS, vergleicht die pCell-Technik mit der ersten Mondlandung. Sie sei "einer der seltenen Momente, wenn etwas, das zuvor unmöglich schien, durch Wissenschaft Realität wird. Das erste Mal, dass ich so etwas sah, war 1982, als mir Steve Jobs einen Prototyp des ersten echten Multimedia-Heimcomputers zeigte: den Mac."