Astro Amazon kündigt Heimroboter an

Nach Tesla will nun auch der Online-Handelskonzern Roboter in die Haushalte seiner Kunden bringen. Die Unterschiede sind allerdings gewaltig.
Astro: Amazons ersten Roboter für zu Hause

Astro: Amazons ersten Roboter für zu Hause

Foto: --- / dpa

Im Rahmen eines Online-Events hat Amazon am Dienstagabend seinen ersten Heimroboter vorgestellt, Astro. Das Gerät, das wirkt, als hätte jemand ein Tablet auf einen Saugroboter geklemmt, soll auf unterschiedliche Weise Aufgaben im Haushalt übernehmen.

Zunächst einmal soll Astro im Haus Patrouille fahren, wenn die Bewohner nicht zu Hause sind. Dabei kann er seinen Besitzern Livebilder senden und soll das Geräusch von splitterndem Glas sowie Alarmsignale von Rauchmeldern erkennen können. Eine andere Anwendung sieht der Konzern darin, das Gerät zu nutzen, um Kontakt mit älteren Verwandten zu halten. Eine Besonderheit ist die Kamera, die hinter und oberhalb des Displays sitzt. Sie kann von dem Roboter wie ein Periskop ausgefahren werden, um über Hindernisse hinwegzuschauen.

Und schlussendlich soll er auch dazu dienen, überall im Haus auf Amazons Alexa-Dienste zugreifen zu können. Man soll ihm aber auch Grenzen setzen, Sperrzonen definieren können, in die er nicht hineinrollen darf, ganz wie man es bei modernen Saugrobotern tut. Ähnlich wie bei Echo-Lautsprechern und Displays lassen sich auf Knopfdruck die Mikrofone und Kameras des Roboters sowie seine Motoren deaktivieren.

Das erinnert ein wenig an »Optimus Prime«, den Roboter, den Elon Musk vor Kurzem als künftiges Tesla-Produkt angekündigt hat. Dessen Sicherheitsvorrichtung besteht allerdings darin, seine Geschwindigkeit zu begrenzen, sodass Menschen im Zweifel vor ihm weglaufen können. Darüber hinaus soll der Tesla-Roboter menschenähnlich sein, was man von Amazons Astro sicher nicht sagen kann.

Dafür ist Astro schon jetzt ein echtes Produkt. Amazon-Manager Dave Limp sagte, sein Unternehmen sei überzeugt, »dass in fünf bis zehn Jahren jeder Haushalt mindestens einen Roboter haben wird«.

Bestellen kann man den Astro bisher allerdings noch nicht. Stattdessen können sich Interessenten bewerben, eine Einladung zum Kauf eines der ersten Modelle zu bekommen. Der Preis beträgt dann 1000 Dollar, die Auslieferung wird für »später in diesem Jahr« in Aussicht gestellt. Der Normalpreis soll 1500 Dollar betragen. Vorerst werden die Amazon-Roboter nur in den USA ausgeliefert.

Ein smarter Küchenfernseher

Der neue Echo Show: personalisierte Digital-Post-its

Der neue Echo Show: personalisierte Digital-Post-its

Foto: Amazon

Dass es bei Amazon auch billiger geht, zeigt ein anderes Produkt, das am Dienstag vorgestellt wurde, der Echo Show 15. Dabei handelt es sich um eine Art Riesentablet, das man sich an die Wand hängen oder auf einen Ständer stellen kann. Zum Mitnehmen eignet sich das Gerät allerdings nicht, außer man hat ein sehr, sehr langes Verlängerungskabel. Denn ohne Steckdose läuft beim Echo Show 15 gar nichts.

Dafür bekommt man einen sehr großen Bildschirm. Wie der Name des Gadgets andeutet, hat der eine Diagonale von 15,6 Zoll, ist also eher auf dem Niveau von großen Notebooks als auf dem von Tablets. Die Auflösung beträgt allerdings nur Full HD. Für Foto- oder Videobearbeitung wäre das zu wenig, für die von Amazon skizzierten Anwendungen sollte das aber ausreichen.

Wer es so lieber mag, kann den neuen Echo Show auch hochkant aufhängen – solange eine Steckdose in der Nähe ist

Wer es so lieber mag, kann den neuen Echo Show auch hochkant aufhängen – solange eine Steckdose in der Nähe ist

Foto: Amazon

Vor allem solle man das Gerät nutzen, um »den Familienalltag zu organisieren, verbunden zu bleiben und unterhalten zu werden«, meint das Unternehmen. So könne man anderen Familienmitgliedern Nachrichten hinterlassen, indem man digitale Haftnotizen auf dem Bildschirm des Echo Show 15 hinterlässt. Ebenso kann man personalisierte Mitteilungen hinterlassen oder senden, die nur die oder der Angesprochene zu lesen bekommt.

Um das zu ermöglichen, verwendet das Gerät eine neue Funktion, die Amazon als »Visuelle ID« bezeichnet. Im Grunde handelt es sich um eine Gesichtserkennung. Sobald man eine solche ID angelegt hat, werde man von Alexa erkannt und mit einem personalisierten Startbildschirm empfangen, auf dem »Erinnerungen, Kalenderereignisse, zuletzt gespielte Musik oder Haftnotizen von anderen Bewohnern oder Gästen« angezeigt werden.

Wohl wissend, dass sich nicht jede Nutzerin und nicht jeder Nutzer biometrisch von Alexa erfassen lassen mag, bietet Amazon die »Visuelle ID« nur als Option an, nicht als Pflicht. Einmal eingerichtet, soll sie sich jederzeit löschen lassen.

Außer für die familieninterne Kombination soll sich der Echo Show 15 auch als digitales Kochbuch mit Anbindung an Chefkoch.de und Kitchenstories anbieten. In Kombination mit der eingebauten 5-Megapixel-Kamera lässt er sich auch für Videochats verwenden und in Kombination mit Apps von Anbietern wie Netflix und Amazon Prime Video auch als Küchenfernseher. Wenn man ihn nicht aktiv benutzt, kann er im Vollbildmodus als digitaler Bilderrahmen fungieren, der eigene Fotos oder von Amazon bereitgestellte Bilder anzeigt.

Wann man das ausprobieren kann, ist vorläufig allerdings noch offen. Zwar können sich Kaufinteressenten bei Amazon registrieren, doch ein Datum für die Markteinführung nannte das Unternehmen nicht.

Ein digitales Chat-Spielbrett

Weit kleiner als der Echo Show 15 ist ein Amazon Glow genanntes Gadget, das am Dienstagabend gezeigt wurde und in erster Linie Kinder zur Zielgruppe hat. Es hat einen 8 Zoll großen aufrechten Bildschirm, auf dem man seinen Gesprächspartner sieht. Das Besondere ist aber ein integrierter Projektor, der ein 19 Zoll großes Bild auf die Fläche vor dem Gerät projiziert. So sollen Kinder beispielsweise mit entfernten Familienmitgliedern spielen oder malen können.

Amazon Glow: Chatten und Spielen zugleich

Amazon Glow: Chatten und Spielen zugleich

Foto: Amazon

Viele Spiele dürfte es anfangs jedoch nicht geben. Amazon will die nötigen Informationen für Programmierer in Kürze bereitstellen, sodass diese beginnen können, eigene Apps für das Gerät zu entwickeln. Doch bestellbar ist Amazon Glow derzeit ohnehin noch nicht. Vorerst können sich nur US-Kunden bei Amazon um eine Einladung bewerben, das Gerät für 250 Dollar kaufen zu dürfen.

Eine digitale Türklingel

Neben dem Echo Show zeigte Amazon noch eine neue vernetzte Türklingel, die Blink Video Doorbell. Ähnlich wie Googles Nest Doorbell, soll sie eine herkömmliche Türklingel ersetzen, statt nur zu klingeln aber auch Videobilder der Person, die vor der Tür steht, senden können und eine Kommunikation mit der oder dem Klingelnden ermöglichen.

Digitales Klingeling-Ding: Blink Video Doorbell

Digitales Klingeling-Ding: Blink Video Doorbell

Foto: Amazon

Dabei kann die digitale Klingel entweder per Batterie betrieben oder an die bestehenden Klingeldrähte angeschlossen werden. Bei der zweiten Variante löst sie die bereits im Haus installierte Klingel aus, statt nur Nachrichten an verbunden Geräte und Apps zu senden, wenn jemand den Klingelknopf drückt. Den Preis gibt Amazon mit 59,99 Euro an.

Modernes Mesh-WLAN

Mehr Geld ausgeben muss, wer sein kabelloses Heimnetzwerk mit Amazon-Hardware auf Wifi 6 aufrüsten will. In den USA bietet der Konzern dafür schon seit einiger Zeit den Eero Pro 6 an, einen Mesh-fähigen WLAN-Router mit zwei Ethernet-Buchsen und einem integrierten Zigbee-Hub. Über Letzteren lassen sich viele Smarthome-Geräte ins Netzwerk einbinden, ohne dass man dafür deren eigene Hubs an seinen Router anschließen muss.

Eero Pro 6: Amazon verspricht bis zu 190 Quadratmeter Abdeckung

Eero Pro 6: Amazon verspricht bis zu 190 Quadratmeter Abdeckung

Foto: Amazon

Vor allem aber lassen sich mehrere Eero Pro 6 zu einem sogenannten Mesh zusammenschließen. Das ist ein modernes WLAN, in dem alle Router schnell miteinander vernetzt sind, um die abgedeckte Fläche zu vergrößern, den angeschlossenen Geräten gegenüber aber wie ein einziger Router erscheinen. Amazon gibt die von einem einzelnen Eero Pro 6 abgedeckte Fläche mit stattlichen 190 Quadratmetern an. Mit einem Dreierpack sollen sogar bis zu 560 Quadratmeter mit WLAN versorgt werden können, was es zu überprüfen gilt.

Als Einzelgerät soll ein Eero Pro 6 249 Euro kosten, im Dreierpack 639 Euro.

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