Atelierbesuch Malen mit Kopf, Kamera und Photoshop

Auch wenn man sie nach allen Regeln der Photoshop-Kunst bearbeitet, taugen viele Porträts nur zur Erinnerung. Michael Baierl inszeniert die Menschen auf seinen Bildern daher lieber in zeitlosen Rollen.
Von Christoph Künne
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Portfolio: So inszeniert Michael Baierl Porträts

Foto: Michael Baierl

Fotograf

Er macht es sich nicht leicht und nimmt selten den geraden Weg. Michael Baierl, der heute ein florierendes Postproduktionsstudio im Münchner Umland betreibt, hat seine Passion erst nach langen Umwegen zum Broterwerb gemacht. Obwohl schon als Schüler ein begeisterter und seither immer in Begleitung einer Kamera unterwegs, startete er seine Karriere mit einem Lehramtsstudium. Weil er dem Beruf auf Dauer nicht viel abgewinnen konnte, wechselte er in die Welt der Callcenter und ließ sich von dort ins E-Business abwerben. Er gründete eine Firma und verkaufte sie wieder, wurde Marktforscher und ging in die USA. Erst vor wenigen Jahren kehrte der 35-jährige zu seinen Wurzeln zurück und machte Bilder zum Lebensinhalt.

Bearbeitungstechniken

Dabei beschritt er die Pfade, die sich in den Lebensläufen vieler Umsteiger und Quereinsteiger finden: Startpunkt war eine digitale Kamera. Der folgte die Auseinandersetzung mit Bildbearbeitungssoftware. Um ihre Mysterien zu ergründen, begann Baierl zu lesen, was auf dem Markt war, schloss sich mehreren Internetcommunitys rund ums Thema Fotografie und Photoshop an. Schon bald richtete er sich ein Studio ein. Erst im Wohnzimmer mit Baustrahler-Licht, dann in einem Loft mit richtigen Lampen und Profi-Equipment. Spätestens zu diesem Zeitpunkt hatte ihn die Leidenschaft gepackt. Er traf sich mit anderen Foto-Enthusiasten zu gemeinsamen Aufnahmeterminen und - was ihm noch wichtiger war - zum anschließenden Austausch von .

"Meine Auftraggeber wünschen Diskretion"

Zu dieser Zeit waren bereits einige Berufsfotografen auf seine Arbeiten aufmerksam geworden, fragten an, ob er nicht für sie die Postproduktion übernehmen könne. Er konnte. Was zunächst mit - wie er es nennt - "meditativen" Staubflecken- und Detailretuschen begann, entwickelte sich bald zu komplexen Beautyretuschen, Composings und aufwendigen Look-Entwicklungen.

Obwohl man viele seiner Arbeiten in und auf Magazinen bewundern kann, werden sie nicht mit ihm in Verbindung gebracht. "Fast alle meine Auftraggeber wünschen Diskretion", erklärt Baierl den Umstand, dass er im Interview kaum Fremdbearbeitungen zeigt.

Doch seine eigenen Bildern braucht er nicht zu verstecken. Er hat sich in den letzten Jahren vom Bilder sammelnden "Alles-Knipser" zu einem Porträtfotografen mit hohem Anspruch entwickelt. "Während meine Aufnahmen früher von den Möglichkeiten des Moments und meinen Launen beeinflusst waren, entstehen sie heute zunächst im Kopf und dann erst vor der Kamera und auf dem Rechner." Den Anfang machten Porträts einer befreundeten Tänzerin, die Baierl oft Abende lang im Wohnzimmer-Studio fotografierte. "Ich wollte Menschenbilder machen, weil es mich reizt etwas abzubilden, das ich anziehend finde, und später am Rechner die Schönheit zu unterstreichen, die ich gesehen habe."

Mit unkonventionellen Techniken zum Erfolg

Doch nach einiger Zeit, während der er sich tief in die Techniken der Beauty-Retusche einarbeitete, erkannte er, dass ihn der Mensch in einer Rolle mehr interessierte als der Mensch an sich. "Es war im Grunde eine logische Fortsetzung meiner bisherigen Arbeit. Ich merkte, wie die Bilder immer öfter in meinem Kopf entstanden und ich nur noch nach Modellen suchten musste, mit denen ich sie umsetzen konnte. Zunehmend häufiger setzen Alltagssituationen, Filme, Bücher oder auch die Arbeiten großer Fotografen bei mir im Kopf einen Mechanismus in Bewegung, der aus dem Gesehenen neue Bilder erschuf. Das konnten alte Damen in einem Restaurant am Nebentisch sein, die auf eine bestimmte Weise gestikulierten, oder die Beschreibung von Szenen in einem Roman."

Bildbearbeitungsbereich

In einem Workshop, der am 1. Januar hier im erscheint, erklärt Baierl an einem Beispiel, wie die technische Umsetzung in Photoshop erfolgt. Auch hier hat sich Baierl keinen geraden Weg ausgedacht, der mit drei Klicks zum Erfolg führt. Im Gegenteil. Aber die dabei eingesetzten unkonventionellen Techniken bieten dafür umso mehr Potential für die verschiedensten Motivsujets.

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