Augmented Reality Meine Brille zeigt etwas, das du nicht siehst

Umkleiden auf dem Bildschirm, Möbelrücken auf dem iPad und eine "Robocop"-Brille für Sportler: Entwickler finden neue Anwendungsmöglichkeiten für die durch Computergrafiken erweiterte Realität. Ein Überblick der verblüffendsten Neuentwicklungen.

Vor ein paar Jahren war Augemented Reality noch Science-Fiction, heute verschmelzen Spielkonsolen im Wohnzimmer Computergrafik und Videobilder zur erweiterten Realität: Mit Kamera-Zubehör bauen Konsolen wie die Sony Playstation 3 und die Microsoft XBox das Wohnzimmer in die Spielewelt mit ein. Auf dem Nintendo 3DS bewegen sich die Pixelmonster sogar dreidimensional über die Schreibtische.

Smartphones sind ideale Schnittstellen zur erweiterten Realität - die Geräte sind nahezu alle mit einer Kamera ausgestattet, im Inneren arbeiten schnelle Prozessoren, die rasch ein Pixelobjekt in die Umgebung einbetten können. Aber Entwickler haben noch ein paar andere Ideen: "Robocop"-Brillen zum Beispiel, oder Fernsehschirme als Umkleidekabine.

Hier vier Anwendungen, die zeigen, wie Augmented Reality unseren Blick auf die Welt verändert:

Das Navi warnt bei roten Ampeln

Im Straßenverkehr soll Augmented Reality künftig für mehr Übersicht sorgen. Der Elektronik-Hersteller Pioneer hat ein Navigationsgerät angekündigt, das ein Echtzeitvideo in die Straßenführung einbezieht. Eine Kamera an der Windschutzscheibe filmt die Straße, Fahrzeuge und alles, was sich sonst noch vor dem Fahrzeug abspielt. Ein Bilderkennungssystem im Navigationsgerät wertet das Video aus, erfasst den Straßenverlauf, markiert andere Fahrzeuge und erkennt selbst Ampelanlagen. Das Navi misst den Abstand zum Vordermann und warnt den Fahrer, wenn er zu dicht auffährt. Springt das Ampelsignal auf rot, schlägt das Gerät ebenfalls Alarm.

Bereits Ende Mai soll das Navi erscheinen. Klein und handlich ist die Orientierungshilfe allerdings nicht. Das Gerät mit dem 7-Zoll-Display sieht eher aus wie ein bulliger Laptop. Dafür eignet es sich auch als Multimedia-Anlage: Ein DVD-Laufwerk soll eingebaut sein sowie ein Kartenleser für USB- und SD-Karten. Ob das Navi auch in Deutschland erscheinen wird, ist unklar. Der Hersteller hat das Produkt bisher nur für den japanischen Markt angekündigt.

Spielfilme auf dem Brillenglas

Man kennt diese Ansicht aus Science-Fiction-Filmen wie "Terminator" und "Robocop": Personen und Gebäude werden im digitalen Visier erfasst, am Rande des Blickfelds werden Informationen eingeblendet. Ist das realistisch? Und ob, sagen die Forscher des Fraunhofer-Instituts für Photonische Mikrosysteme. Auf einer Messe in den USA haben die Entwickler in dieser Woche ihre neue Entwicklung vorgestellt: Ein transparentes Minidisplay.

Der Mikrobildschirm ist etwa so groß wie eine Briefmarke, wenige Millimeter dünn und wird direkt vor dem Auge getragen. Der Anwender sieht durch das Display hindurch, während LEDs zusätzliche Informationen auf das Auge projizieren. "Einfarbig, vollfarbig, im Prinzip kann man sich alles vorstellen", sagt ein Sprecher des Instituts. Mit einer Auflösung bis zu 640 mal 480 Pixel zeigt der Bildschirm selbst Videofilme an.

Sollte sich ein Unternehmen für das Display interessieren, könnte das Produkt laut Institut in ein bis zwei Jahren marktreif sein. Dann könnten Sportler das Display in einem Brillengestell verwenden, sich beim Joggen ihre Laufzeiten anzeigen lassen, Chirurgen hätten während einer Operation die Vitalwerte im Blick. Auch könnte das System bei der Fahrzeugfertigung eingesetzt werden. Die Kamera würde dann einem neuen Mitarbeiter die Bewegungsabläufe und Handgriffe erklären und das passende Werkzeug einblenden.

Steuern lässt sich das Mikrodisplay mit den Augen. In das Display ist eine Kameramatrix eingewoben, die ähnlich funktioniert wie der Bildsensor in einer Digitalkamera. Die Kamerapixel verfolgen die Augenbewegungen des Anwenders. Blickt er auf eine bestimmte Stelle im Display, wechselt die Anzeige.

Virtuelles Möbelrücken

Auf dem Mobiltelefon- und Tablet-Markt haben sich vor allem drei Anwendungen bei der Darstellung von AR etabliert. Die App Wikitude hat sich hauptsächlich auf touristische Informationen spezialisiert, zeigt Restaurants an und blendet Textinformationen zu historischen Gebäuden ein. Der Softwareunternehmen Layar aus den Niederlanden baut darüber hinaus mit seiner Software auf kleine Minispiele, lässt Ufos über die gefilmten Hausdächer flitzen.

Ein Konkurrent der beiden AR-Anbieter ist das Münchener Unternehmen Metaio, das vor allem die Werbeindustrie für seine Plattform Junaio gewinnen will. Ein Demovideo des Softwareentwicklers zeigt, was auf Tablet-Computern alles möglich ist. Künftig sollen Kunden in der Lage sein, die Reifen ihres Autos abzufilmen und parallel auf dem Bildschirm neue Alufelgen zu montieren. Soll ein neuer TV-Receiver angeschlossen werden, könnte eine virtuelle Bedienungsanleitung den Anwender bei der Montage unterstützen. Sobald der Kunde das Gerät mit der Kamera fixiert, fliegen animierte Antennen- und Stromkabel durch das Bild und zeigen, wo das Kabel angestöpselt werden muss.

Auch sollen die Apps dem Käufer dabei helfen, sich für das richtige Produkt zu entscheiden. Sollen beispielsweise neue Gartenmöbel auf der Terrasse aufgestellt werden, dann könnte eine App die Tische und Stühle bereits im Vorfeld auf dem abgefilmten Rasenstück plazieren. Per Fingerwisch werden die Möbel dann an eine andere Stelle verschoben.

Dass dies durchaus realistische Anwendungen sind, zeigt eine iPhone-App der Firma Panasonic. Damit kann der Kunde in der Wohnung ausprobieren, ob der neue Flachbildschirm ins Regal passt. Dafür muss eine Markierung ausgedruckt werden und an der Stelle abgelegt werden, wo später das Fernsehgerät stehen soll. Das iPhone erkennt anhand des Ausdrucks die räumliche Position und zeigt ein 3D-Modell des Fernsehers im Regal an. Auch dann, wenn der Anwender sich mit dem Smartphone bewegt und die markierte Stelle aus einem anderen Blickwinkel filmt.

Umkleidekabine der Zukunft

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Kleider anprobieren im Sekundentakt, in einem Modegeschäft in Russland ist das möglich - ohne sich dabei wirklich umzuziehen. Die russischen Entwickler von AR Door haben in einem Modeladen in Moskau eine virtuelle Umkleidekabine aufgebaut. Die Kunden stellen sich dort vor eine mannshohe Säule mit eingebautem Display. Sie sehen sich dabei selbst auf dem Bildschirm, eingekleidet mit den Modestücken, die auch in den Regalen liegen. Drehen sich die Kunden, dreht sich das Kleidungsstück mit. So sehen die Besucher, ob das Kleid auch auf der Rückseite richtig sitzt.

Der Kabinen-Prototyp wechselt das anprobierte Kleidungsstück, sobald der Kunde seine rechte Hand nach oben bewegt und einen virtuellen Knopf betätigt. Das Gerät projiziert die Klamotten zwar ein wenig starr auf die Körper der Kunden, doch zumindest einen ersten Eindruck, ob das Kleidungsstück wirklich in Frage kommt, vermittelt der Kasten. Die Entwickler haben in den Bekleidungsautomaten eine Kinect-Kamera der Microsoft XBox eingebaut, die den Körper der Kunden scannt. Ein Computer errechnet daraus ein 3D-Modell und legt ein virtuelles Kleidungsstück darüber.

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