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Gekaperte Fritzboxen: Geheimnisvolle Telefonate

Horrende Telefonrechnungen Unbekannte kapern Fritzbox-Router

Die Fritzboxen von AVM sind in Deutschland weit verbreitet. Nun häufen sich Meldungen über Angriffe auf den Router. Fritzbox-Besitzer berichten von rätselhaften Anrufen auf die Falkland-Inseln - und horrenden Rechnungen.

Hamburg - Als Fabian Steppat am vergangenen Montag via Smartphone-App kontrollierte, ob bei ihm zu Hause jemand angerufen hatte, staunte er nicht schlecht. Von seinem Festnetztelefon aus war kräftig, geradezu manisch telefoniert worden: "Um 4.23 morgens ging der erste Anruf raus", sagt Steppat, danach folgten Hunderte weitere, alle drei Minuten. Viele der Anrufe dauerten nur eine Sekunde. Angerufen wurde jeweils ein Anschluss, der seiner Vorwahl nach auf den Falkland-Inseln liegt. Irgendjemand hatte von Steppats Anschluss aus telefoniert, und zwar für viel Geld.

Steppat, der Elektrotechnik studiert und sich für seinen Rechner und das Drumherum interessiert, rief die Benutzeroberfläche seines Internetrouters auf, einer Fritzbox von AVM, über die auch sein Telefonanschluss läuft. Dort fand er den Übeltäter: Auf dem Router hatte jemand zwei virtuelle IP-Telefone eingerichtet (siehe Fotostrecke). Von ihnen gingen die Anrufe aus.

4200 Euro in 30 Minuten

Steppat kontaktierte seinen Provider Unitymedia und stellte fest, dass er offenbar nicht der Einzige mit diesem Problem war. Unitymedia KabelBW teilte auf Anfrage von SPIEGEL ONLINE mit, dass "über das Wochenende bei einer begrenzten Anzahl von Unitymedia-Kunden über die Fritzbox automatisiert Telefonate ins Ausland geführt" worden seien.

In Foren findet man auch Kunden anderer Provider, die über ähnliche Probleme klagen. "Der Westen"  berichtete vergangene Woche von einem Fall, in dem offenbar die Fritzbox eines 1&1-Kunden geentert worden war. Eine Telefonrechnung in Höhe von 4200 Euro soll dort in einer halben Stunde zusammengekommen sein. Urban Bastert vom Fritzbox-Hersteller AVM bestätigt: "Im Moment kann ich es nicht auf einen Anbieter einschränken." Insgesamt handele sich aber nur um einige Dutzend Fälle.

Bei Steppats Provider Unitymedia verhielt man sich kulant: "Die haben mir anstandslos gesagt, dass sie die Kosten übernehmen", sagt Steppat. Andere Provider zeigten sich diversen Berichten zufolge weniger kooperativ. Unitymedia erklärt, man gehe davon aus, dass hier "Kriminelle Anrufe zu Destinationen veranlasst haben, an deren Umsätzen sie vor Ort mitverdienen".

IP-Adresse, Benutzername, Kennwort - woher kam all das?

Das Motiv ist also klar, völlig unklar dagegen ist bislang die Methode. Der Fritzbox-Hersteller AVM hat auf seiner Website einen Sicherheitshinweis  und eine Anleitung für möglicherweise Betroffene  veröffentlicht. Sämtliche auf dem Router eingerichteten IP-Telefone sollten unbedingt gelöscht, Kennwörter sollen geändert und der Fernzugriff über https oder den Dienst MyFritz deaktiviert werden, wenn er nicht wirklich genutzt werde.

Rätselhaft wird es dort, wo AVM erklärt, was über den Angriffsweg bekannt ist: Der Angreifer brauche "die genaue Kombination" aus E-Mail-Adresse oder Fritzbox-Benutzername, IP-Adresse des Routers und den Kennwörtern für Fernzugang und Fritzbox-Oberfläche. Möglicherweise bestehe ein Zusammenhang zu dem kürzlich vom Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) öffentlich gemachten Diebstahl von 16 Millionen illegal kopierten digitalen Identitäten.

Fabian Steppat sagt, er habe seine E-Mail-Adresse auf der vom BSI dafür zur Verfügung gestellten Website überprüft und keine Benachrichtigung erhalten. Er geht deshalb nicht davon aus, betroffen zu sein. Außerdem, sagt Steppat, "ist das Passwort meiner Fritzbox 15 Stellen lang und nicht das gleiche wie das meines E-Mail-Accounts". Auch ein Virenscan mit zwei unterschiedlichen Programmen auf seinem Rechner förderte keine Spähsoftware zutage, die hätte erklären können, wie jemand an die Zugangsdaten kommen konnte.

Auch bei AVM ist man im Augenblick ratlos: "Die Kollegen in der Entwicklung können nicht nachvollziehen, woher diese Daten kommen, wir sehen aber auch keine Sicherheitslücke", sagt Bastert. Klar sei jedenfalls, dass die Angreifer tatsächlich über die genannten Zugangsdaten verfügten: "Es gibt immer genau eine gezielte Einwahl, keine Fehlversuche." Bastert hofft, dass das Problem weiterhin im Rahmen bleibt: "Die relativ geringe Zahl zeigt, dass ein gewisser Aufwand betrieben worden sein muss." Bleibt die Frage welcher - und von wem. Ein Angriff auf lokale W-Lan-Netze scheint unwahrscheinlich, denn die bisherigen Fälle sind offenbar über ganz Deutschland verstreut.

Steppat jedenfalls ist der Gedanke äußerst unangenehm, dass jemand ohne sein Wissen und auf ungeklärte Weise in seinen Router eindringen konnte: "Wenn man sich überlegt, was da alles angeschlossen sein kann, Rechner, Netzwerkfestplatten - das finde ich beunruhigend."

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