Ballmers letzter CES-Auftritt Sag zum Abschied leise Windows

Zum letzten Mal hielt Microsoft-Chef Steve Ballmer die Eröffnungsrede bei der Consumer Electronics Show in Las Vegas - und blieb auf der Bühne zum ersten Mal völlig cool. Sensationen hatte er nicht zu berichten, konnte aber dennoch drei wichtige Ankündigungen machen.
Microsoft-Chef Ballmer auf der CES: "Windows, Windows, Windows"

Microsoft-Chef Ballmer auf der CES: "Windows, Windows, Windows"

Foto: RICK WILKING/ REUTERS

TV-Moderator Ryan Seacrest hat offenbar eine beruhigende Wirkung, zumindest auf Microsoft-Chef Steve Ballmer. Der Konzernlenker, der dafür bekannt ist, bei seinen Vorträgen rastlos über die Bühne zu laufen, dabei heftig ins Schwitzen zu geraten und lauthals Microsoft-Parolen ins Publikum zu brüllen, war kaum wiederzuerkennen. Für seine letzte CES-Eröffnungsrede gab Ballmer sich Mühe, der Veranstaltung mit mehreren tausend Zuschauern einen neuen Anstrich zu geben. Er und Seacrest plauderten auf der Bühne gemütlich über neue Entwicklungen und Produkte. Das hätte auch peinlich werden können. Aber Ballmers letzte Show war locker vorgetragen, offenbar meist ohne einstudierte Fragen und Antworten.

Dabei ist es das letzte Mal, dass Ballmer in Las Vegas die Eröffnungsrede zur CES hält. Traditionell war diese Ehre dem Windows-Konzern vorbehalten. Die letzte ist Ballmers vierte Keynote. Zuvor hatte sein Vorgänger, Microsoft-Gründer Bill Gates, diese Aufgabe seit 1994 bestritten. Das Highlight von dessen Abschiedsvorstellung im Januar 2008 war der Gastauftritt des "Guns N' Roses"-Gitarristen Slash gewesen, mit dem sich Gates ein Gitarrenduell lieferte: Slash mit seiner Gibson, Bill Gates mit einem "Guitar-Hero"-Controller.

Von solchen Show-Einlagen war bei Ballmer nun nichts zu sehen. Ebenso wenig wie berühmte Stargäste hatte er allerdings große Neuigkeiten nach Las Vegas mitgebracht. Die wichtigste: Die von der Spielkonsole Xbox 360 bekannte Gestensteuerung Kinect kommt jetzt ganz offiziell auf den PC. Bisher hatten das nur Hacker geschafft. Gut hundert Firmen arbeiten demnach an PC-Software, die die Möglichkeiten des Fuchtelsystems ausnutzt.

Der Stellenwert, den Kinect bei Microsoft einnimmt, lässt sich an einer Äußerung Ballmers ablesen, der sagte: "Man kann sich kaum vorstellen, wie Kinect beispielsweise das Gesundheitswesen und den Bildungsbereich verändern wird." Kinect auf der Xbox war nur der Anfang, jetzt soll die erfolgreiche Gestensteuerung in etliche andere Bereiche übertragen werden.

Gespräche mit der Xbox

Und sie wird erweitert. Vor einigen Wochen kam zur Gestensteuerung die Sprachsteuerung "Voice Control with Kinect" hinzu. Wie die funktioniert, zeigte ein Microsoft-Mitarbeiter ausführlich und erfolgreich. Die Ansprache ist zwar nicht so natürlich wie Apples Siri, man sagt etwa: "Xbox suche Harry Potter Teil 2". Aber die Trefferquote ist erstaunlich hoch. Auf der Bühne funktionierte alles, das System leistete sich keine Fehler. Ebenso problemlos lief die Steuerung der Xbox per Smartphone - solange es ein Windows-Handy ist.

Und so wurde auch Microsofts Windows-Phone-Software viel Raum gegeben. Neues war dabei nicht zu sehen, doch war es eine gute Gelegenheit, um das Smartphone Lumia 900 zu zeigen, eine Variante von Nokias Lumia 800, die speziell für den US-Markt entwickelt wurde. Problemlos lief dessen Präsentation allerdings nicht. Der Versuch zwei Worte ins Handy zu diktieren schlug fehl, als das Vorführgerät einfror, musste Ersatz geholt werden. Szenenapplaus gab es dabei stets nur aus eine Ecke des Saales. Dort sollen Mitarbeiter aus Microsofts Handy-Abteilung gesessen haben.

Windows auf einem ARM-Tablet

Besser lief da die Vorführung des interaktiven Fernsehens, wie Microsoft es sich vorstellt. Als Basis dient die Xbox 360, die in den USA jetzt auch Live-TV via Internet empfangen kann. Am Beispiel einer Sesamstraßen-Sendung wurde gezeigt, wie man ins laufende Programm eine Art Videospiel integrieren kann, bei dem die Sendung auf Nutzereingaben reagiert. Hier agierte ein Kind mit Sesamstraße-Charakteren, musste fiktive Kokosnüsse aufsammeln und in den TV-Apparat werfen. In einem anderen Beispiel wurden Live-Bilder der Zuschauer ins Programm eingeblendet, so dass das Publikum mit der TV-Kulisse interagieren konnte. Auch hier steckt Kinect-Technologie dahinter.

Das Thema des Jahres ist und bleibt für Ballmer indes Windows 8. "Windows 8 wird das Beste vom PC mit dem Besten vom Tablet verbinden", schallte es von der Bühne. Und: Nichts sei für Microsoft so wichtig wie Windows.

Die Präsentation des künftigen PC-Betriebssystems übernahm dann aber Marketingchefin Tami Reller. Wirklich neues hatte auch sie nicht zu berichten, rekapitulierte vieles von dem, was man längst wusste. Etwa, dass die Software per Touchscreen bedienbar ist, ohne Desktop funktioniert und Informationen über anstehende Termine und neue E-Mails auf seinem Ruhebildschirm anzeigt. Bemerkenswert war dabei nur, dass Reller ihre Beispiele auf einem Tablet mit einem ARM- statt Intel-Prozessor zeigte. Genau diese Fähigkeit, auch auf Nicht-Intel-Hardware zu laufen, soll Windows 8 kräftig Schub verleihen, ihm einen Weg in den Tablet-Markt ebnen.

Was wirklich wichtig ist

Für den Erfolg ebenso wichtig wird der Windows Store sein, Microsofts Gegenstück zu Apples App Store. Der scheint mittlerweile gut gefüllt zu sein und soll Mitte Februar eröffnet werden. Was Microsoft dem Rivalen dabei voraus hat: Firmen können den Store nutzen, um Apps und Updates an Angestellte zu verteilen. Wie das im Einzelnen funktioniert, wurde zwar nicht erklärt. Dafür wurde bekanntgegeben, dass Windows 8 Ende Februar den nächsten großen Entwicklungsschritt machen werde. Was das bedeutet, ob damit die erste Betaversion oder doch nur eine zweite Entwicklerversion gemeint ist, wollten die Microsoft-Manager nicht erklären, vermieden alle Äußerungen in dieser Richtung. Was auch immer es sein wird, es dürfte Microsofts Cebit-Highlight werden.

Zum Schluss jedenfalls, nach einer Keynote ohne echte Höhepunkte, ohne die neue Xbox-Spielkonsole - von der gerüchteweise zu hören war - und ohne die Windows-8-Betaversion, die viele erhofft hatten, gelangte Steve Ballmer doch noch kurz zu alter Form zurück und stellte zum Ende unmissverständlich, aber ungewöhnlich leise klar, was für ihn das Wichtigste an 2012 sein wird: "Windows, Windows, Windows."

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