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10. April 2013, 11:47 Uhr

Bastelprojekt

Mit dieser Gitarre kann man E-Mails spielen

Weil er mehr Gitarre üben wollte, hat der Amerikaner David Neevel sein Musikinstrument zur Behelfstastatur umgebaut. Das Experiment ist gelungen, sein Praxiswert fraglich.

Lange plagte den Amerikaner David Neevel ein grundsätzliches Problem: Weil er bei seiner Arbeit in einer Werbeagentur den ganzen Tag am Computer sitzt, hatte er zu wenig Zeit, um Gitarre zu üben. Doch Neevel ist passionierter Bastler. Seit Jahren habe er mit dem Gedanken gespielt, eine Gitarre mit einem Computer zu verbinden, so dass er sie anstelle der Tastatur benutzen kann, schreibt er im Blog seines Arbeitgebers. Dem ist er dankbar, weil er es ihm ermöglicht hat, seine Idee während der Arbeitszeit umzusetzen.

Was dabei herausgekommen ist, zeigt Neevel in einem YouTube-Video. Als Open-Source-Projekt bezeichnet er das Resultat. Jeder darf es nachbauen, wenn er es kann. Denn so richtig simpel ist es nicht, was sich der Werber aus Portland im US-Bundesststaat Oregon ausgedacht hat.

Zunächst braucht man eine Gitarre, vorzugsweise eine elektrische. Neevel benutzt eine gebraucht gekaufte Gibson Flying V. Die Gitarre hat er mit einem Roland-Gitarrensynthesizer bestückt, der die Töne des Musikinstruments in Midi-Signale (Musical Instrument Digital Interface) umwandelt, also digitalisiert. Erst danach wird es richtig kompliziert.


Zuerst wandelt ein Prozessor die Midi-Signale so um, dass sie von einem Arduino-Board, einer Art Mini-Computer, verarbeitet werden können. Im Zusammenspiel mit einer weiteren Platine, auf der eine Vielzahl von Relais zusammenarbeiten, erzeugt diese Dreifachkombination aus den gespielten Noten dieselben elektronischen Impulse, die eine Tastatur erzeugen würde. Mit diesen Daten wiederum speist der Bastler dann eine Platine, die er offenbar aus einer echten Tastatur ausgebaut und per USB an sein Notebook angeschlossen hat.

Das Ergebnis der ganzen Bastelei? Es funktioniert, Neevel kann mit seiner Gitarre Texte in den Computer einspielen. Aber nur, wenn er sich erinnert, welcher Note auf dem Griffbrett er welchem Buchstaben zugeordnet hat. Und daran hakt es noch ein wenig, wie man in seinem Video sieht. Per Gitarre zu schreiben ist ungefähr so schnell, wie mit einem Finger auf einer fremden Tastatur zu tippen.

So richtig praktisch ist es also nicht, was Bastler Neevel sich ausgedacht hat - und es hört sich auch nicht gut an. Aber Spaß scheint der tiefenentspannte Schnauzbartträger beim Bau gehabt zu haben. Und er hat Hoffnung. Die Hoffnung, dass sich nun Achtziger-Jahre-Gitarrenvirtuose Eddie van Halen bei ihm meldet, um zu zeigen, was ein Profi mit der E-Mail-Gitarre anstellen kann.

mak

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