Heute Smarthome, morgen Elektroschrott Belkin zieht vernetzten Kameras den Stecker

Ende Mai werden die Wemo NetCams von Belkin nutzlos sein. Die Cloud-Server werden abgeschaltet. Der Hersteller verspricht Rückerstattungen - wenn auch nicht jedem.
NetCam-WLAN-Kamera: Bald nur noch ein Briefbeschwerer

NetCam-WLAN-Kamera: Bald nur noch ein Briefbeschwerer

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Belkin

Belkin macht alle Überwachungskameras vom Typ Wemo NetCam unbrauchbar. Der US-Hersteller kündigte an, dass der Betreiber der von Belkin genutzten Video-Service-Plattform am 29. Mai seinen Dienst abschalten wird. Einige, aber nicht alle Kunden können eine Rückerstattung beantragen.

Sobald die Server des externen Dienstleisters abgeschaltet sind, können Nutzerinnen und Nutzer ihre Kameras zwar noch mit dem heimischen WLAN verbinden, heißt es in der Mitteilung von Belkin . Sie können aber "weder den Video-Feed ansehen noch auf die Sicherheitsfunktionen Ihrer Wemo NetCam, wie zum Beispiel Bewegungs-Clips und Bewegungs-Benachrichtigungen, zugreifen". Sprich: Die Überwachungskamera ist dann keine mehr. Auch als Bewegungsmelder taugen die NetCams dann nicht weiter.

Wer seine NetCam nicht als Briefbeschwerer oder Türstopper verwenden will, kann sie an Belkin zurückschicken. Eine Rückerstattung gibt es aber nur, wenn man einen Kaufbeleg "von einem autorisierten Händler von Belkin- und Wemo-Produkten" beilegt, aus dem Preis und Kaufdatum hervorgehen. Das Kaufdatum muss zudem nach dem 1. April 2018 und damit innerhalb der zweijährigen Garantiezeit liegen.

Wer sein Geld zurückhaben will, muss das bis 30. Juli beantragen

Die Video-Service-Plattform, die abgeschaltet wird, heißt iSecurity+. NetCam-Nutzerinnen und -Nutzer mussten dafür ein Monats- oder Jahresabonnement abschließen. Auch hierfür bietet Belkin Rückerstattungen an - sofern das Abo nachweislich vor dem 29. Mai 2020 erworben wurde und nach diesem Stichtag noch mindestens sieben Tage gültig ist.

Entsprechende Anträge müssen bis zum 30. Juli 2020 verschickt werden. Wie hoch die Erstattung ausfällt, hängt im Fall von iSecurity+ von der verbleibenden Abodauer ab. Für die Geräte erstattet Belkin zumindest in Europa den vollen Kaufpreis.

Geräte, die älter sind als zwei Jahre, werden aber nicht zurückgenommen, und es gibt auch keine Teilerstattung des Anschaffungspreises. Auch der Kaufbeleg ist zwingend notwendig, andernfalls will Belkin nicht zahlen.

NetCams ließen sich früher manuell so konfigurieren, dass sie auch mit anderen Diensten verbunden werden konnten. Nach einem Firmware-Update war das aber nicht mehr möglich. Auf die Frage, warum Belkin die Firmware nicht noch einmal entsprechend anpassen will, teilte das Unternehmen dem SPIEGEL mit: "Wir haben jeden möglichen Workaround in Betracht gezogen, darunter auch die Rücknahme der Firmware-Änderung sowie den Wechsel zu anderen externen Dienstleistern. Aber keiner davon erfüllt unsere Sicherheits- und Usability-Anforderungen".

Der Fall erinnert an die Smart Hubs von Revolv – Steuerungszentralen für das Smarthome, deren Server 2016 abgeschaltet wurden , nachdem Google die Firma übernommen hatte. Auch damals wurden an sich funktionstüchtige Geräte schlicht nutzlos gemacht.

Zuletzt hatte Sonos seine Kundschaft mit der Ankündigung verärgert, ältere vernetzte Lautsprecher nicht mehr mit Softwareupdates zu versorgen. Der Hersteller änderte seine Pläne nach harscher Kritik der Kunden jedoch.

Hinweis: Dieser Artikel wurde aktualisiert. Neu ist die Angabe, dass iSecurity+ von einem externen Dienstleister betrieben wird sowie das Statement von Belkin.

pbe
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