Bildbearbeitung So zaubert Photoshop Pin-ups im fünfziger-Jahre-Stil

Nierentische, weiche Gesichtszüge, halbgrafischer Look: So sahen in den fünfziger Jahren Pin-ups aus. Der Grafiker Robert Klosko belebt diesen Stil wieder - mit Originalmöbeln, seinem Model Sophie und ein paar Photoshop-Kniffen. Im Fachmagazin "Docma" verrät Klosko seine Tricks.

Von Christoph Künne


Robert Klosko ist ein Vollblut-Kreativer. Einer, der schon von Kindesbeinen an im Labor stand und heute sein Geld als Inhaber einer Werbeagentur verdient. Nachdem er sein Kunststudium im Polen abgebrochen hatte, um nach Deutschland zu emigrieren, absolvierte er hier eine Ausbildung zum Grafikdesigner und arbeitete als Grafiker und Art-Direktor bei verschiedenen Münchner Werbeagenturen.

Robert Klosko

Seine Liebe zur Fotografie flammte wieder auf, als er in der Funktion des Art-Direktors auf Kundenseite häufig an Foto-Shootings teilnahm. Hier konnte er sein inzwischen angestaubtes Vorwissen, quasi nebenbei und aus erster Hand, beim Blick über die Schulter der Großen ihrer Branche aufstocken.

Obwohl durch die tägliche Grafikerarbeit mit den Kreativprogrammen bestens vertraut, entdeckte er Photoshop für sich erst relativ spät. Bis Ende der Neunziger waren die verfügbaren Computersysteme noch nicht unbedingt dazu ausgelegt, große Druckdateien in Echtzeit zu verarbeiten, und die damit verbundene Warterei bremste Kloskos Begeisterung. So lange jedenfalls, bis er sich eine digitale Spiegelreflexkamera anschaffte und nicht mehr auf hochauflösend gescannte Fotos zurückgreifen musste. Mit dem neuentdeckten Spaß an der Fotografie gingen weitere Entwicklungen einher: Klosko erwarb eine Blitzanlage, belegte Kurse zum Thema Modelfotografie und engagierte sich in der Fotocommunity. Dort erhielt er viel Feedback zu seinen Arbeiten, was ihn nicht nur anspornte, sondern ihm auch zu einer großen Zahl an Angeboten von Models verhalf, die sich nach dem TFP-Modell (Time for Print) in seinem Stil fotografieren lassen wollten.

Unter den Bewerbungen entdeckte Klosko auch Sophie, das hier gezeigte Model, und hatte sofort eine Bildserie vor Augen, deren Grundidee ihn schon lange faszinierte: Er wollte die Pin-up-Illustrationen des peruanischen Künstlers Alberto Vargas aus den fünfziger Jahren als Fotografien neu interpretieren. Sophie passte sowohl mit ihrer üppigen Figur wie auch mit ihren weich-rundlichen Gesichtszügen perfekt zu den Schönheitsidealen der damaligen Zeit.

Es fehlten nur noch die richtigen Accessoires, um die Inszenierung zu perfektionieren. Das Model selbst verfügte über einige Kleidungs- und Schmuckstücke, die sich für das Vorhaben eigneten. Den Rest steuerte ein Freund Kloskos bei. Dieser widmet sich seit 20 Jahren dem Sammeln von allem, was aus den fünfziger Jahren übrig geblieben ist. Er stellte einen zeitgenössischen Nierentisch, einen Plattenspieler, ein Transistorradio, einen Sonnenschirm und ein Kaffeeservice zur Verfügung. Alles Dinge, die damals sowohl für Luxus als auch für das Moderne schlechthin standen.

Für die Aufnahmen musste Klosko nur noch seine Lampen seitlich neben dem Model aufstellen, um damit die Konturen plastischer herauszuarbeiten, und es konnte losgehen.

Was mit so einem Bild nach der Aufnahme in Photoshop gemacht werden muss, damit dieser typische halbgrafische Pin-up-Look entsteht, erklärt Robert Klosko selbst.



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