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Blackberry-Smartphones: Vom E-Mail-Handy zum Android-Smartphone

Foto: © Mark Blinch / Reuters/ REUTERS

Ende der Smartphone-Entwicklung Bye-Berry

Blackberry will keine neuen Smartphones mehr entwickeln. Der Pionier überlässt den Markt Apple und Co. Ganz weg ist das Unternehmen aber nicht.

Am Ende hat es wohl einfach nicht mehr gereicht, der weltweite Marktanteil war auf 0,1 Prozent geschrumpft. Jetzt hat Blackberry-Chef John Chen in Kanada die Notbremse gezogen: "Wir planen, die komplette interne Hardware-Entwicklung zu beenden und diese Funktion an Partner auszulagern ." Damit verabschiedet sich nicht bloß irgendein unbedeutender Handyhersteller vom Smartphone-Markt, sondern einer, der Smartphones populär gemacht hat, lange bevor Apple sein iPhone präsentierte.

Als das kanadische Unternehmen noch unter dem Namen Research in Motion (RIM) firmierte, brachte es 1999 den Blackberry 850 auf den Markt und legte damit den Grundstein für seinen steilen Aufstieg. Mit dem 850 und seinen Nachfolgemodellen war es erstmals möglich, unterwegs mit dem Handy E-Mails abzufragen. Blackberrys wurden deshalb jahrelang auch als E-Mail-Handys bezeichnet.

Einer der Gründe für den Erfolg der Geräte war auch die typische Blackberry-Tastatur. Deren Layout und Qualität hatten zur Folge, dass regelmäßige Blackberry-Nutzer darauf sehr schnell Nachrichten schreiben konnten. Allemal schneller jedenfalls, als auf den damals auf Handys üblichen Zehnertastaturen.

Zu lange auf physische Tastatur gesetzt

Eben diese Tastatur und ihr Erfolg bei den Kunden war es auch, die die Blackberrys schließlich langsam aber sicher aus dem Markt kegelte. Als Apple-Chef Steve Jobs Anfang 2007 mit dem iPhone das erste Touchscreen-Smartphone präsentierte, konnten die Kanadier die Newcomer aus Kalifornien noch belächeln.

Ihr Marktanteil lag damals bei guten acht Prozent, stieg laut Statista  bis Anfang 2009 rasant auf einen Höchststand von 20,1 Prozent - um danach ebenso steil bis unter die Wahrnehmungsgrenze abzufallen. In demselben Maße, wie Smartphones populär wurden, verloren Blackberrys ihren Reiz. E-Mail konnten plötzlich alle und per Finger auf dem Touchscreen ließen sich iPhones wie Android-Smartphones gleichermaßen bequem bedienen. Nur die Blackberrys nicht.

Denn Blackberry fiel es schwer, sich von der physischen Tastatur zu trennen. Eine kleine Schar von Fans fand das toll, die meisten anderen oll. Touchscreens waren eben plötzlich hip. Wer keinen hatte, war draußen.

Steve Jobs präsentierte im Januar 2007 das iPhone

Steve Jobs präsentierte im Januar 2007 das iPhone

Foto: REUTERS

Doch statt sich dem neuen System ganz hinzugeben, versuchten Blackberrys Ingenieure verzweifelt, einen Hybrid aus Touchscreen und Tastatur zu entwickeln. Zuerst sollte das Ende 2008 der Storm schaffen, mit einem Bildschirm, der bei Druck nachgab und ein paar Millimeter ins Gehäuse versank. Letztlich wurde der Bildschirm damit zu einer riesigen Maustaste, dem Schreibgefühl half das nicht.

Zwei Jahre später versuchte man es mit einem neuen Konzept: Den Blackberry Torch bediente man über einen 3,2 Zoll kleinen Touchscreen, hinter den sich zum Schreiben eine Tastatur herausschieben ließ. Eigentlich eine charmante Idee, hätte die Konstruktion das Gerät nicht zu einem klobigen Klotz gemacht und wären Smartphone-Nutzer damals nicht schon größere Displays gewohnt gewesen.

Blackberry Torch (r.) und iPhone 4

Blackberry Torch (r.) und iPhone 4

Foto: Matthias Kremp

Bis zum Schluss ließ Blackberry nicht von der physischen Tastatur ab. Sogar unter das quadratische Display des Passport stopfte man noch drei Reihen Zifferntasten, die auf dem Bildschirm bei Bedarf von weiteren Reihen virtueller Tasten ergänzt wurden. Ein interessantes Konzept, gleichzeitig aber ein verwirrendes, weil man ständig zwischen Tastatur und Bildschirm wechseln musste.

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Blackberry Passport im Test: Das Quadrat-Smartphone

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Weil kaum jemand Apps für das eigene Blackberry OS entwickelte, ließen die Kanadier schließlich sogar von ihrem eigenen Betriebssystem ab, stellten schrittweise auf Android um, wohl der vielen Apps wegen, die Anwender heute erwarten. Der Priv war das erste Gerät einer neuen Generation, mit exzellenter Hardware, die von Samsungs Spitzenmodellen zu stammen schien.

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Mehr Privatsphäre: Blackberry Priv

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Und mit einem Android-System, das um Sicherheitsfunktionen zum Schutz der Privatsphäre ergänzt worden war. Schließlich war es auch die Sicherheit der Kommunikation, die vor allem berufliche Nutzer zum Blackberry hat greifen lassen.

Genau damit soll es nach dem Ende der Hardware-Entwicklung dann wohl auch weitergehen: mit Software. Die Geräte zu konstruieren, will man jetzt anderen überlassen. So wie einem Unternehmen aus Indonesien - dort ist Blackberry sehr erfolgreich. Dessen Android-Smartphones sollen mit Blackberry-Software bestückt werden.

Weg ist Blackberry also nicht, nur anfassen wird man die Produkte des kanadischen Unternehmens künftig nicht mehr können. Und statt mit Hardware Geld zu verdienen, wird sich das Unternehmen mit den Lizenzgebühren begnügen, die es von seinen Hardware-Partnern für die Nutzung seiner Software verlangt. Für Blackberry beginnt damit ein neues Kapitel seiner Firmengeschichte. Es könnte das letzte sein.