Sicherheitsdebatte US-Schulbezirk stattet Lehrer mit Körperkameras aus

Schuldirektoren und ihre Stellvertreter in einem Schulbezirk in Iowa werden künftig Kameras am Körper tragen - aus Sicherheitsgründen, falls einmal etwas in der Schule passiert. Kritiker halten das für eine schlechte Idee.

Kinder auf dem Schulhof: Überwachung jetzt auch im Klassenzimmer
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Kinder auf dem Schulhof: Überwachung jetzt auch im Klassenzimmer


Die Sicherheitsdebatte in den USA erreicht inzwischen auch in Schulen ein neues Niveau: Wie das Tech-Blog "Ars Technica" berichtet, hat ein Schulbezirk im Bundesstaat Iowa 13 kleine Kameras angeschafft. Die 85-Dollar-Geräte, die einfach an die Kleidung angesteckt werden, sollen vor allem von Schuldirektoren getragen werden.

Sogenannte Bodycams, also Körperkameras, sorgen derzeit für hitzige Debatten: An Polizeibeamten in den USA sind sie bereits im Einsatz, die Polizisten sollen damit lückenlos bei ihrer Arbeit gefilmt werden. Nach wiederholten Übergriffen durch Beamte hatte Präsident Obama im Dezember 2014 angekündigt, 75 Millionen Dollar zum Kauf von 50.000 Kameras bereitzustellen.

In Hessen experimentiert die Polizei ebenfalls mit der Technik. Allerdings geht es hier eher darum, die Polizisten ihrerseits vor Angriffen zu schützen. Der Schutz für Unschuldige, die Opfer von Polizeigewalt werden, steht zumindest nicht im Vordergrund. Zumal die Polizisten in Deutschland selbst entscheiden dürfen, wann sie die Kamera einschalten und wann nicht.

An den Schulen in Iowas Burlington Community School District geht es wieder um etwas anderes, stellt der Personalchef des Schulbezirks, Jeremy Tabor, klar. Es gehe nicht darum, die Kameras auf dieselbe Weise wie die Polizei einzusetzen: "Wir wollen kein System etablieren, mit dem wir jede Aktivität überwachen." Wenn allerdings einmal etwas passiere, solle die Schule so viel Material wie möglich haben, um den Vorfall aufklären zu können.

Schulbezirksleiter spricht von guten Erfahrungen in Afghanistan

Nicht alle Lehrer sollen demnach eine Kamera tragen, sondern nur die Direktoren und ihre Stellvertreter. Der Schulbezirksleiter Pat Coen sagte zum "Des Moines Register", er sei wegen seiner eigenen positiven Erfahrungen mit Helmkameras während seiner Zeit als Soldat in Afghanistan von dem Konzept überzeugt. Es sei auch beim Militär nicht darum gegangen, Einzelne zu überwachen, sondern die Durchführung von Operationen zu verbessern.

In einer Mitteilung des Schulbezirks hieß es zudem, der Gebrauch von Kameras in Schulgebäuden sei nicht neu. Schon jetzt seien Cafeterias, Korridore und Pausenhöfe mit Kameras ausgestattet. In naher Zukunft sollten derartige Geräte auch in Schulbussen installiert werden.

Die Idee stößt nicht bei allen auf Zustimmung: Ken Trump, Chef eines Vereins für Sicherheit in Schulen, lehnte mit Kameras bestückte Lehrer ab. Das könne das Vertrauen der Schüler zu den Lehrern untergraben.

Mehr noch, übertriebene Kameraüberwachung könnte sogar ein zusätzliches Sicherheitsrisiko darstellen. Schüler würden sich nun zweimal überlegen, bei laufender Kamera etwa von einem Mitschüler zu berichten, der eine Waffe bei sich trage oder Amoklaufpläne ausbrüte. Anders als Polizisten würden Schuldirektoren und Lehrer keine Verkehrskontrollen oder Überprüfungen dunkler Gassen durchführen, sondern mit Kindern arbeiten.

meu/juh

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insgesamt 5 Beiträge
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Seite 1
Mr Bounz 10.07.2015
1. die allwissende Müllhalde
Hallo, ich bin die allwissende Müllhalde. Ich habe auf jede Frage eine Antwort, Egal ob zuhause, im Job oder bei der Polizei, Politik, Millitär, Schule usw. 1. mehr Kammeras 2. Vorrtsdatenspeicherung 3. mehr Waffen ... war doch ganz einfach!
wannbrach 10.07.2015
2.
Eine gute Idee dann können die Eltern wenigstens sehen was ihre Kinder in der Schule leisten und wie sie sich daneben benehmen und wie sie oft beleidigend mit dem Lehrer (in) reden.
jasuly 11.07.2015
3.
"Der Schulbezirksleiter Pat Coen sagte zum "Des Moines Register", er sei wegen seiner eigenen positiven Erfahrungen mit Helmkameras während seiner Zeit als Soldat in Afghanistan von dem Konzept überzeugt." *** Ist der Schulalltag in den USA inzwischen schon ähnlich gefährlich, wie als Soldat in Afghanistan zu kämpfen oder warum soll in beiden Fällen mit derselben Ausstattung gearbeitet werden? Ich sehe es äußerst kritisch, wenn jemand, egal ob Polizist, Lehrer oder Schüler, lückenlos überwacht wird. Wie soll bei dem Bewusstsein, dass ständig jede Regung registriert wird, natürliches, unbefangenes Verhalten noch möglich sein? Hier wird der einfachere Weg (Überwachung, Kontrolle), dem schwierigeren, aber sinnvolleren, bessere Auswahl, Ausbildung, Schulung aber auch Bezahlung, z.B. von Polizisten, vorgezogen. Den Menschen wird nicht mehr vertraut, deshalb glaubt man, sie ständig überwachen zu müssen.
widastandiszwäglos 11.07.2015
4.
Im Kriegseinsatz haben diese Kameras sicher ihre Berechtigung, z. B. um Einsätze taktisch zu bewerten. Auch um die notorisch schieß- und prügelwütigen US-Cops zu überwachen halte ich sie für sinnvoll - wenn sie denn immer laufen und getragen werden müssen, und nicht wie in Deutschland nach belieben an- und ausgeschaltet werden können. Entweder sollten sie im Einsatz verpflichtend laufen, oder gar nicht getragen werden. Die Argumente, die für einen Einsatz der Kameras in der Schule angegeben werden, sind nicht stichhaltig. Vorkommnisse in der Schule sind nicht so komplex, als dass sie in Bild und Ton dokumentiert werden müssten, um im nachhinein angemessen besprochen werden zu können. Es reichen die Augen und Ohren der anwesenden Pädagogen. Sollten die Kameras als "Schutzschild" gegen Amokläufer angesehen werden, wäre das ein absolutes Armutszeugnis für die Schule und die Lehrerschaft. So schafft man eine Atmosphäre des Misstrauens und der Überwachung.
niska 11.07.2015
5.
Die posttraumatische Angststörung eines Afghanistanveteranen dient also als Argument für mehr sinnlose Überwachung und Kontrolle von Unschuldigen? Warum dann Bodycam? Eine Helmkamera am Aluhütchen tuts sicher auch...
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