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Gut hören und gut sehen: Boses Sonnenbrille Frames Alto im Test

Foto: Matthias Kremp/SPIEGEL ONLINE

Bose Frames im Test Diese Sonnenbrille kann sich hören lassen

Die Audiofirma Bose macht jetzt auch Brillen. Die sollen die Augen schützen, den Träger aber auch mit gutem Sound verwöhnen, ohne andere zu stören. Klappt das? Wir haben es ausprobiert.

Der Name Bose sagt Ihnen was, oder? Genau, das sind die mit den Kopfhörern, die Außengeräusche dämpfen. Und die mit den Surroundsystemen, bei denen winzige Satellitenboxen mit einem fetten Subwoofer kombiniert werden, um gut zu klingen, aber kaum aufzufallen. Und jetzt sind es auch die mit der Sonnenbrille, mit der man telefonieren und Musik oder Podcasts hören kann.

Frames, also Rahmen, heißt die Brille, die Bose in zwei Varianten anbietet, als eckige "Alto" und als runde "Rondo". Beide erinnern an populäre und oft kopierte Modelle eines anderen Herstellers. Der große Unterschied: In die Ohrbügel der Frames sind mehrere sehr kleine Lautsprecher eingebaut. So sollen die Sonnenbrillen Kopfhörer ersetzen und für Anrufe taugen. "Entertainment-Inhalte und Gespräche" würden dabei privat bleiben und "nicht nach außen" dringen, sagt Bose.

So ganz wird dieses Versprechen in der Praxis nicht eingehalten. Hört man Musik sehr leise, bei etwa 50 Prozent Lautstärke, ist von außen tatsächlich nichts bis sehr wenig zu hören. Für Umstehende klingt das vielleicht wie ein laut aufgedrehter, schlecht isolierter In-Ear-Kopfhörer.

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Gut hören und gut sehen: Boses Sonnenbrille Frames Alto im Test

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Bei meiner Wohlfühllautstärke - 80 Prozent - dringt die Musik dann allerdings deutlich hörbar in die Umgebung. Nicht laut, aber so, dass ich ziemlich genervt wäre, würde jemand neben mir in der U-Bahn so Musik hören. Von echter Privatsphäre kann man beim Telefonieren deshalb auch nur dann ausgehen, wenn niemand in unmittelbarer Nähe steht.

Bei Windstille sind sie am besten

Erstaunlich ist allerdings, wie gut der Sound für den Träger wirkt, zumindest in ruhiger Umgebung. Songs wie "Bored and Razed" vom neuen Raconteurs-Album "Help Us Stranger" kommen recht ausgewogen rüber, vor allem was Gitarren und Gesang angeht. Wer keine Kopfhörer tragen mag, wird daran seine Freude haben.

Der große Vorteil ist, dass man beim Musikhören immer noch mitbekommt, was in der Umgebung passiert: Man hört das sich nähernde Auto oder kann sich gar unterhalten.

Wird es windig oder fährt man beispielsweise Fahrrad, ändert sich der Klangeindruck durch Windgeräusche allerdings deutlich. Die Lautsprecherchen haben dann Mühe, gegen den Wind anzutönen.

Wo bleibt der Bass?

Davon zu sprechen, dass die Bose Frames Bässe produzieren, wäre eine Beleidigung für alle Kopfhörer und Lautsprecher, die das wirklich tun. Angesichts der winzigen Lautsprecher ist der Sound nicht schlecht, zumindest für den Träger der Brille. Bässe nimmt man aber nur dann wahr, wenn der Toningenieur sich bei der Aufnahme die Mühe gemacht hat, beispielsweise den Schlegel der Bassdrum mit einem eigenen Mikrofon zu versehen. Oder wenn der Bassist mit einem harten Plektrum gespielt hat.

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Bei "The Raven" vom Alan Parsons Project etwa kann man anfangs deutlich den Bass hören. Sobald aber die übrigen Instrumente einsetzen, ist der Effekt perdu. Im Song "Summertime Magic" von Childish Gambino, den ich beim Test der Powerbeats Pro zum Ausloten der Tiefbässe benutzt hatte, hört man von diesen dominanten Bässen - nichts. Bei Podcasts und Hörbüchern stört das alles freilich nicht, dem gesprochenen Wort genügen ausgeprägte Mitten.

Augmented Reality für die Ohren

Wohl auch deshalb bewirbt Bose mit den Frames auch Bose AR, die laut Hersteller "erste Augmented-Reality-Plattform speziell für Audioinhalte". Dieses System soll Apps ermöglichen, die mit Audioinhalten spielen, den Nutzer dabei aber nicht von der Außenwelt abzuschirmen. Ein paar solcher Apps gibt es für Android und iOS schon (siehe Fotostrecke).

Richtig umhauen konnte mich keins der Programme, handelt es sich doch meist um Dinge wie Textadventures in Hörbuchform, die auch mit Lautsprechern oder Kopfhörern gut funktionieren.

Angesichts des Preises von 230 Euro wirken die Frames ganz anders als normale Sonnenbrillen dieser Preisklasse. Der Rahmen besteht aus Plastik. Von vorne betrachtet sieht das noch ziemlich gut aus. Die dicken hohlen Ohrbügel allerdings stören das ansonsten fast elegant wirkende Bild, das vollends verschwindet, wenn man die Frames in die Hand nimmt. Dann merkt man, wie leicht und billig die teure Brille wirkt - und wie das Plastik klackert, wenn man die Bügel zusammenlegt.

Beide Modelle sind ausschließlich in Schwarz erhältlich. Die eingebauten Gläser sind dunkelgrau, nicht polarisiert und schirmen UVA- und UVB-Strahlen laut Bose zu 99 Prozent ab. Sie tun also genau das, was Sonnenbrillengläser tun sollen.

Als Zubehör bietet Bose für 25 bis 35 Euro polarisierte verspiegelte Gläser sowie Gläser mit einem blauen Farbverlauf an, die man selbst einsetzen kann. Wer andere Farben will oder Gläser mit Sehstärke braucht, sollte bei einem Optiker nachfragen, ob dieser passende Gläser anfertigen kann.

Fazit

Eine Sonnenbrille, die gut aussieht und den Träger auch noch mit Musik beschallt, ohne dass die Umstehenden davon etwas mitbekommen - diese Idee ist spannend. Wirklich gut geklappt hat die Umsetzung bei den Bose Frames aber nicht. Der Sound kann es bei Weitem nicht mit dem von Kopfhörern aufnehmen, die bisher verfügbaren AR-Audio-Apps funktionieren auch ohne Frames gut. Mit Lautsprechern und Kopfhörern kennt Bose sich eben aus - bei Brillen steht die Firma noch am Anfang.

Hintergrund: Produkttests im Netzwelt-Ressort

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