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Kompaktkameras: So fotografieren die Canon S90 und G11

Foto: SPIEGEL ONLINE

Canon S90 und G11 Edel-Kompaktknipsen protzen mit Pixel-Abzug

Weniger Auflösung, bessere Bildqualität - die Edel-Kompaktkameras S90 und G11 von Canon sollen mit weniger Bildrauschen trotz kleines Bildsensors Käufer locken. Außerdem gibt es pfiffige Bedienelemente wie Schwenkdisplays und Einstellringe. SPIEGEL ONLINE hat die Fotozwerge ausprobiert.

Neue Digitalkameras - jetzt endlich mit weniger Auflösung als das Vorgängermodell!

Vor einem Jahr hätte wohl kein Kamerahersteller so eine Neuerung gewagt, jetzt reduziert Canon bei der neuen Vorzeige-Kompaktknipse G11 die Auflösung gegenüber dem Vorgänger von 14 auf zehn Megapixel.

Na endlich. Der Kompaktkamera-Wettbewerb lief lange Zeit in eine merkwürdige Richtung: Die Hersteller quetschten mehr Funktionen und Megapixel in kleine Gehäuse - an der technischen Grundlage für das Kernproblem der Bildqualität dieser Fotoknirpse verbesserte aber keiner der großen Hersteller Wesentliches. Die Bildsensoren, die aus dem einfallenden Licht digitale Bilder machen, blieben so klein wie eh und je. Und je höher man die Auflösung schraubte, desto größer wurden die Bildstörungen und die nötigen Eingriffe zum Entrauschen.

Das Spiel hat sich inzwischen geändert: Hersteller wie Olympus und Panasonic haben Kompaktkameras mit großen Bildsensoren entwickelt und werben mit deren überlegener Bildqualität. Und bei den günstigeren Kompaktkameras mit kleinem Bildsensor hat sich die Panasonic LX3 zu einem Liebling der Kunden entwickelt, weil sie mit einer Mischung aus mäßiger Auflösung und kleinem Bildsensor für diese Geräteklasse überdurchschnittliche Bildqualität liefert.

Canon reagiert auf diesen Wandel mit zwei neuen Kompaktmodellen: Die leichte S90 und die klobige G11 haben beide kleine Bildsensoren wie eh und je - dafür fotografieren die Kameras mit einer vergleichsweise kleinen Auflösung und haben einige nette Extras bei der Bedienung.

Weniger Megapixel, mehr Bedienkomfort - was taugen die neuen Kompaktkameras? SPIEGEL ONLINE hat die S90 und G11 ausprobiert.

Bedienung - cleverer Einstellring

In beiden Canon-Kameras arbeitet derselbe Bildsensor, drumherum ist bei der G11 allerdings fast doppelt so viel Metall und Kunststoff - diese Kamera kann man kaum kompakt nennen, so klobig und schwer (400 Gramm) ist sie. Die Systemkameras EP1 von Olympus und GF1 von Panasonic sind mit einer Festbrennweite fast ebenso schwer und groß - diese Fotoapparate haben aber erheblich größere Bildsensoren und Wechselobjektive.

Die größere Oberfläche, auf der man eigentlich weit mehr Bedienelemente unterbringen kann, kommt der G11 im Vergleich zur viel kleineren S90 nicht besonders zugute. Sicher, die doppelt so schwere Kamera hat eigene Drehrädchen zum Einstellen der ISO-Empfindlichkeit und für die Belichtungskorrektur. Will man aber manuell Blendenweite und Belichtungszeit einstellen, muss man mit einem Drehrad an der Rückseite arbeiten und zum Wechseln der Belegung einen Knopf drücken.

Das ist bei der viel kleineren, leichteren und wirklich kompakten S90 besser gelöst: Hier sitzt an der Vorderseite um das Objektiv herum ein großes Drehrad, ähnlich wie der Blendeneinstellring an Objektiven, der sich als Einstellwerkzeug für alle möglichen Funktionen programmieren lässt - Empfindlichkeit, Belichtungszeit, Blendenwert. Zusammen mit dem Drehrad an der Rückseite der Kamera kann man bei der S90 sehr schnell und bequem die wesentlichen Einstellungen von Hand vornehmen - sogar etwas leichter als bei der erheblich größeren G11.

Bei beiden Kameras können Fotografen alle Einstellungen von Hand vornehmen, wenn sie wollen. Die Bedienung ist bei beiden Geräten recht gut gelöst. Dabei überrascht allerdings, dass die erheblich größere und schwerere G11 trotz eines zusätzlichen Einstellrädchens und einiger Extraknöpfe nicht viel leichter zu bedienen ist als die kleinere S90. Allein die Zoom-Wippe ist bei beiden Kameras recht schwammig - man hat nicht das Gefühl, präzise die Brennweite einstellen zu können.

Ausstattung - 500 Euro, aber nur SD-Video

Was die S90 und die G11 von vielen Kompaktkameras unterscheidet: Beide können Aufnahmen im Rohdatenformat aufnehmen, was bei der Bildbearbeitung viel mehr Spielraum ermöglicht und je nach Werkzeug und Können des Bildbearbeiters Digitalfotos mit höherem Kontrastumfang und geringerem Bildrauschen ermöglicht, als bereits in der Kamera bearbeitete Aufnahmen.

Dieser Spielraum, wie auch die vielen manuellen Einstellmöglichkeiten, richten sich an Fotografen, die eine Kompaktkamera nicht nur für Schnappschüsse verwenden, sondern aus dem Bildmaterial bei guten Aufnahmen auch mehr machen wollen. Bildqualität und Flexibilität sind da wichtig und beides bieten die S90 und G11 so gut es eben bei Kompaktkamera mit kleinem Bildsensor geht.

Ein paar nette Extras als Unterscheidungsmerkmal zur Konkurrenz bietet die klobige G11 aber noch: Einen Standard-Blitzschuh und einen optischen Sucher zum Beispiel. Theoretisch ist der Sucher hilfreich, um etwa bei starkem Licht zu arbeiten. In der Praxis gibt der G11-Sucher aber allenfalls eine grobe Ahnung von dem Bildausschnitt, den man wählt - auf den Aufnahmen ist weit mehr zu sehen als auf dem Sucherbild.

Das dreh- und schwenkbare Display der G11 ist hingegen ein Alleinstellungsmerkmal: Man kann damit Aufnahmen gut kontrollieren, bei denen man die Kamera weit über dem Kopf, ganz nah am Boden oder weit weg vom Körper hält. Man kann sich sogar selbst aus der Hand fotografieren und den Bildausschnitt am entsprechend zu sich gedrehten Display kontrollieren.

Das Objektiv der S90 ist nicht ganz so zoomstark die das der G11 (Brennweite bis 105 statt bis 140 mm), dafür ist die Blendenöffnung im Telebereich größer - f/2.0 statt f/2.8, was mehr Lichtstärke bedeutet: Je weiter die Öffnung, desto mehr Licht fällt auf den Bildsensor. Im Telebereich ist allerdings die G11 etwas lichtstärker als die kleine S90 (f/4.5 bei der G11, f/4.9 bei der S90).

Ein Manko beider Kamera ist der Videomodus - während viele anspruchsvollere Kompaktkameras Videoclips in HD-Auflösung aufnehmen, liefern beide Canon-Kameras trotz Verkaufspreisen von ungefähr 450 beziehungsweise 500 Euro nur SD-Qualität.

Bildqualität - ordentlich, für eine Kompaktkamera

Die ausreichende, aber im Vergleich etwa zur G10 reduzierte Auflösung auf zehn Megapixel tut der Bildqualität beider Kameras ganz gut: Da beide mit demselben Bildprozessor arbeiten, sind die Unterschiede zwischen der S90 und der G11 kaum auszumachen. Bis zu einer ISO-Empfindlichkeit von 400 fallen Bildstörungen beim Betrachten der Fotos nicht besonders störend auf, bei einem Wert von 800 schon, aber auch solche Fotos dürften für einen Druck bis A5 kein Problem sein.

Die Objektive beider Kameras produzieren im Weitwinkel eine auffällige Tonnenverzeichnung (gerade Linien biegen am Rand weg). Wenn man die Aufnahmen als JPGs von der Kamera speichern lässt, korrigiert die Bildverarbeitung bei beiden Geräten diesen Abbildungsfehler, nimmt man Rohdaten auf, ist man davon abhängig, dass die eingesetzte RAW-Software diese Fehler für das eingesetzte Kameramodelle ausgleichen kann.

Das überrascht nicht - aus der Bildqualität, die ein kleiner Bildsensor liefert, können auch die besten Bildverarbeitungs-Chips und Algorithmen in der Kamera keine Wunder herausholen. Das lichtstarke Objektiv der S90 hilft sicher dabei, bei Schummerlicht das Bildrauschen kleiner zu halten. Wunder schaffen diese Kompaktknipsen nicht, allerdings sind die Bilder bei Schummerlicht dank der moderaten Auflösung, recht lichtstarker Objektive, behutsamer Rauschunterdrückung und Aufnahmen im Rohdatenformat oft brauchbarer als die günstiger Kompaktkameras.

Fazit - der Rohdaten-Zwerg begeistert

Die Vorgänger der G11 waren bei Fotografen ein Kultobjekt - Rohdatenformat, viele Einstellmöglichkeiten und für eine Kompaktkamera recht brauchbare Bildqualität. Dem aktuellen Modell wird der Kultstatus wohl nicht so leicht zufallen. Es gibt inzwischen Kameras (Olympus EP1 und Panasonic GF1) in derselben Größe, die mit Objektiv zwar 300 Euro mehr kosten, aber dafür dank größerer Bildsensoren eine beachtliche Abbildungsleistung liefern.

Der Markt ist durch diese neue Konkurrenz sehr unübersichtlich geworden. Wer sich eine neue, kleine Kamera kaufen will, muss gut überlegen, wofür er sie eigentlich nutzen will. Für wen die Kamera einfach nur möglichst klein sein und dennoch so gute Foto liefern soll, wie es bei dieser Größe geht, wird mit der recht leichten und kleinen S90 glücklicher sein als mit der G11. Für die klobige Schwester spricht vor allem das dreh- und schwenkbare Display. Ob man dafür einen kleinen Klotz in der Tasche mitschleppen will, erfährt man nur durch Ausprobieren im Fotoladen.

Um für eine Kamera wie die G11 mehr als 500 Euro auszugeben, muss man schon sehr viel Wert auf ein dreh- und schwenkbares Display legen. Reizvoller ist da die S90: Neben der Panasonic LX3 (die im Handel knapp hundert Euro weniger kostet und in HD-Qualität filmt) ist das eine der kleinsten und leichtesten Kompaktknipsen, die mit einem ziemlich lichtstarken Objektiv im Rohdatenformat fotografieren. Der neuartige Einstellring macht die Bedienung der vielen Optionen erheblich leichter. Das ist die Kamera, die man für die Hemdtasche haben will, auch wenn man damit nachts wohl kaum druckbare Fotos machen kann.

Datenblatt

Datenblatt – Canon S90, G11, Panasonic LX3 und Olympus EP1 im Vergleich

Kamera Canon S90 Canon G11 Panasonic Lumix LX3 Olympus EP1
günstigster Preis im deutschen Online-Handel
(laut geizhals.at, Stand 3.11.2009)
457 502 365 701 *
Maße (mm) 10 x 5,8 x 3,1 11,2 x 7,6 x 4,8 10,9 x 6 x 2,7 12 x 7 x 3,5
Gewicht (ca. mit Akku in Gramm) 220 400 260 485*
Auflösung (Megapixel) 10 10 10 12,3
Blenenöffnung F/2,0 ** - 4,9 F/2,8 ** - 4,5 F/2,0 - 2,8
Sensorgröße (cm²) 0,43 0,43 0,36 bis 0,4 2,24
Megapixel pro cm² 23,3 23,3 27,8 - 25 5,5
Display 3 Zoll Diagonale, 461.000 Pixel Dreh- und schwenkbar, 2,8 Zoll Diagonale, 461.000 Pixel 3 Zoll Diagonale, 460.000 Pixel 3 Zoll Diagonale, 230.000 Pixel
vergleichbare Kleinbild-Brennweite 28 - 105 28 - 140 24 - 60 abhängig von Objektiv
Sucher keiner optischer optischer als Extra-Zubehör optischer Austecksucher
Dateiformat RAW/JPG RAW/JPG RAW/JPG RAW/JPG
* inkl. Objektiv M.Zuiko digital 17mm 2.8 Pancake und Aufstecksucher ** nicht im Telebereich
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.