Cebit 2010 Eine Wolke für meine Daten

Wer seine Daten immer parat haben will, schleppt entweder eine Festplatte oder nutzt einen Online-Speicher. Doch der ist entweder kostenlos und klein oder üppig und teuer. Stratos HiDrive soll die Überall-Festplatte jetzt bezahlbar machen. SPIEGEL ONLINE hat sie schon ausprobiert.
Fotostrecke

Strato HiDrive: Eine Privatwolke für meine Daten

Foto: Matthias Kremp

Je digitaler unsere Lebenswelt wird, umso schwieriger ist es, darin den Überblick zu behalten. Fotos, Musik, Videos, Texte und etliches anderes Zeug landen längst in Binärform auf Festplatten und in Flash-Speichern. Glücklich derjenige, der noch weiß, wo er den Kram abgelegt hat. Schlimm wird es erst, wenn man sich nicht erinnern kann, ob die gesuchte Datei auf dem PC im Büro, auf dem Notebook, dem Heimserver oder dem Handy liegt. Der Webhoster Strato will das ändern, führt zur Cebit seine Online-Festplatte HiDrive ein. Er bietet Privatanwendern damit quasi Cloud-Computing im Kleinen an, die private Datenwolke im Netz.

Neu ist die Idee, Daten ins Netz auszulagern, nicht. Entsprechende Angebote gibt es zuhauf, manchmal gegen gutes Geld, wie bei Apples Mobile Me, manchmal kostenlos, wie bei MyDrive . Mit Tools wie dem Firefox-Plug-In Gspace  kann man sogar den kostenlosen Speicherplatz von Freemail-Angeboten als digitale Lagerfläche nutzen. Der Haken bei all diesen Angeboten: Sie bieten nur wenig Platz, spendieren selten mehr als ein oder zwei GB. Eine Riesen-Ausnahme: ADrive  verschenkt sogar 50 GB Online-Speicherplatz, mit eingeschränktem Funktionsumfang.

Bei der HiDrive genannten Online-Festplatte von Strato soll das anders sein. Bis zu 5000 GB Plattenplatz kann man sich da mieten. Kostenlos gibt es das freilich nicht. So soll man beispielsweise für 100 GB monatlich "unter fünf Euro" berappen, erklärt Strato. Genauere Angaben zu den Preisen will das Unternehmen erst auf der Cebit nennen. Billiger als die Konkurrenz ist Strato damit aber allemal. Konkurrent iDrive  etwa verlangt für dieselbe Speichermenge 14,59 Dollar (11 Euro). Bei Mitbewerber Humyo  würde dieselbe Datenmenge 5,86 Euro pro Monat kosten.

Kann mit jedem, will mit jedem

In einem ersten Vorabtest zeigte sich Stratos Festplatte im Netz vor allem anschlussfreudig. Für diejenigen, die sich mit Netzwerkprotokollen auskennen: Je nachdem, von welchem Endgerät und ob man per Webbrowser, via Desktop oder Zusatzsoftware arbeitet, lässt sich der Speicher per HTTP, FTP, rsync, SMB/CIFS oder WebDAV ansteuern, auf Wunsch auch verschlüsselt. Das hört sich jetzt schlimmer an, als es ist. In der Praxis ist es nur wichtig, dass man seinen Benutzernamen und das Passwort zur Hand hat. Mit Stratos Hilfetexten schafft man es dann auch, den HiDrive wie eine weitere Festplatte im Betriebssystem zu verankern.

Als Achillesferse entpuppt sich allerdings der lahme Upload von Dateien in Stratos Online-Speicher. Des deutschen liebster Internetzugang, ADSL, zeigt hier einmal mehr, wofür das A steht, nämlich für asymmetrisch. Das heißt, dass man selbst bei einem 16-Mbit-DSL-Anschluss beim Upload bestenfalls rund 800 KBit/s erreicht. Im Test resultierte das darin, dass der Upload einer 15 MB großen Datei etliche Minuten dauerte. Über ein Firmennetzwerk mit symmetrischem Anschluss war derselbe Vorgang binnen weniger Sekunden erledigt.

Schneller ist schöner

Weil der Upload großer Datenmengen über den HiDrive entsprechend zäh voran geht, bietet Strato gegen 30 Euro Gebühr Mietfestplatten an. Die kann man sich nach Hause liefern lassen, sie dort per USB mit Daten befüllen und prall vollgestopft an Strato zurücksenden. Das dürfte im Zweifel Nerven schonender sein, als dem Rechner tagelang beim Hochladen zuzusehen. Und wer Angst um seine Privatsphäre hat, kann seine Daten auch auf der Festplatte verschlüsseln.

In umgekehrter Richtung sind solche Krücken glücklicherweise nicht nötig. Bei unseren Versuchen nutzte der HiDrive die zur Verfügung stehende Bandbreite voll aus. Mit der Geschwindigkeit einer lokalen Festplatte ist die Performance aber keinesfalls zu vergleichen. Das Herunterladen einer 300 MB großen Datei dauerte über einen 1-Mbit-Telekom-DSL-Anschluss immerhin eine Viertelstunde. Über einen 30-Mbit-Kabelanschluss hingegen war dieselbe Datenmenge schon nach zwei Minuten übertragen.

Ob man den Onlinespeicher, wie von Strato beworben, als Zuspieler für einen Mediaplayer im Wohnzimmer nutzen kann, hängt damit primär von der Qualität der Internetanbindung ab. Musik und Fotos werden immer klappen, sie brauchen nicht viel Bandbreite. Will man hingegen Videos davon abspielen, werden die bei lahmer Netzanbindung eher ruckelig auf dem Bildschirm erscheinen.

Lieber klein anfangen

Daneben aber bietet der HiDrive Möglichkeiten, an die man sich unabhängig von der Geschwindigkeit schnell gewöhnen kann. So lassen sich per Mausklick einzelne Dateien für Freunde freischalten. Dabei lässt sich auch einstellen, wie oft eine Datei geladen werden kann. Stratos Software erzeugt dafür einen relativ kurzen Link, den man per Mail weitergeben kann. Ein Klick darauf führt direkt zum Download. Einziger Haken: Der Link wird nicht automatisch in die Zwischenablage kopiert, lässt sich nur per Tastenkombination oder Menübefehl kopieren. Das könnte man noch vereinfachen.

Als vergleichsweise günstige Möglichkeit, umfangreiche Datenbestände online vor Festplattenunfällen oder eigener Dusseligkeit in Sicherheit zu bringen, ist der HiDrive dennoch geeignet. Das umso mehr, als Strato automatisch Backups der Daten anlegt. Eine versehentlich gelöschte Datei lässt sich also im Zweifelsfall auch nach Wochen wiederherstellen.

Statt gleich in die Vollen zu gehen und das 500-GB-Paket zu bestellen, sollte man sich allerdings erst einmal mit einer Lowcost-Variante des HiDrive bekannt machen. Bestandskunden können einen 20-GB-HiDrive bis zum 28.2. für monatlich 99 Cent buchen. Sollte das nicht reichen, kann man jederzeit upgraden. Stellt man dagegen fest, dass man die Online-Festplatte doch als zu lahm empfindet, hat man - durch die Mindestlaufzeit von 12 Monaten, nur knapp zwölf Euro in den Sand gesetzt.

Die Wiedergabe wurde unterbrochen.