Speicher unter der Haut Wie ich auf der Cebit zum Cyborg wurde

Einen 888-Byte-Speicher unter der Haut kann man sinnlos finden - oder praktisch, wie Andreas Weck vom Magazin "t3n". Hier erzählt Weck, wie er den ersten Schritt in Richtung Cyborg machte.
NFC-Chip

NFC-Chip

Foto: t3n

Alles begann auf Twitter: Mein guter Freund Jonas und ich scherzten mit einem Bekannten, der seine Follower darüber informierte, dass man sich auf der diesjährigen Cebit einen NFC-Chip unter die Haut schieben lassen könne. "@Horn yo, wo ist das? Dann gehen @AndreasWeck und ich da hin (und trauen uns am Ende nicht)", witzelte er noch. Doch am Ende trauten wir uns. Und sind jetzt so etwas wie Cyborgs. Glaube ich.

Die erste Frage, die sich die meisten stellen - und die ich mir auch stellte: Tut es weh? Nein, tut es nicht. Weder der Pieks, noch das Implantat. Es ist wie Blut abnehmen lassen. Ein kurzer Stich. Eine Nadel, die sich unter die Haut schiebt. Ein ganz klein wenig Blut. Nichts, das mich von diesem Abenteuer ernsthaft hätte abhalten können.

Der gläserne Chip in meiner Hand ist klitzeklein, wie die Spitze einer Kugelschreibermine. Er wird zwischen Daumen und Zeigefinger gestochen. 888 Byte trage ich jetzt mit mir rum. Das ist an sich nicht viel Speicher, reicht aber, um ein paar nützliche Daten immer mit mir herum tragen zu können. In meinem Fall sind da Kontaktdaten drauf: Mein Name, meine E-Mail-Adresse sowie mein Facebook- und Twitter-Profil.

Wer mich künftig nach meiner Visitenkarte fragt, wird sie sich per Smartphone herunterladen können. Die Near-Field-Communication-Technologie (NFC) macht das möglich.

Manche halten das natürlich für Quatsch. Aber ich persönlich glaube, dass uns Biohacking zukünftig sogar noch öfter begegnen wird. Was einst Science-Fiction war, wurde zu Cyberpunk und jetzt gibt es sogar schon Stände auf der Cebit, die für sich und den noch neuen Markt werben.

Zu verdanken habe ich meinen neuen Begleiter übrigens Patrick Kramer, dem Gründer der Firma Digiwell, die meinen Chip herstellt. Die Anwendungsfelder, die Kramer im Blick hat, gehen weit über Visitenkarten hinaus. Er schließt beispielsweise seine Haustür mit dem Implantat auf. Den eigenen Haustür-Schlüssel zu verlieren, dürfte für ihn der Vergangenheit angehören. Klar, die Zukunft ist ja auch jetzt.

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