Besucherschwund Warum die Cebit seit Jahren schrumpft

Die Cebit ist im Jahr 2013 erneut geschrumpft - zumindest, was den Zuspruch des Publikums angeht. Die Cebit hat ihren Status als Leitmesse für alles Digitale verloren. Die Veranstalter aber feiern die Messe dennoch als Erfolg.
Cebit-Ausgang, Besucher auf dem Heimweg: Weniger Besucher, bessere Geschäfte?

Cebit-Ausgang, Besucher auf dem Heimweg: Weniger Besucher, bessere Geschäfte?

Foto: Sebastian Kahnert/ dpa

Hannover/Hamburg - Es gehört zu den Ritualen des internationalen Messebetriebs, dass am Ende immer alles phantastisch gelaufen ist, egal, was tatsächlich los war. Die Cebit ist da keine Ausnahme, im Gegenteil: Die Veranstalter der einst legendären Computermesse in Hannover haben seit Jahren Routine darin, schrumpfende Besucherzahlen in Zeichen ihres Erfolges umzudeuten. Dieses Jahr hat man sich auf die Formulierung "Klasse statt Masse" geeinigt. So sagte es etwa der Präsident des Branchenverbands Bitkom, Dieter Kempf. Zwar seien neun Prozent weniger Besucher nach Hannover gekommen als noch 2012, dennoch aber sei "die Bilanz, die wir jetzt schon ziehen können, sehr positiv", so der der Cebit-Vorstand der Deutsche Messe AG, Frank Pörschmann. Bitkom-Präsident Kempf sieht "starke Wachstumsimpulse für unsere Branche" aus Hannover.

Dieses Wachstum kann höchstens in den auf der Messe erzielten Abschlüssen liegen, über die aber wurde vorerst nichts mitgeteilt. Die Besucherzahl jedenfalls schmolz weiter, nach 312.000 Gästen 2012 auf vermutlich 285.000 Besucher im Jahr 2013, so Pörschmann. 2011 waren es noch 339.000. Das ist ein Minus von fast 54.000 Besuchern in zwei Jahren.

Fotostrecke

Kurioses und Neues: Die Highlights der Cebit 2013

Foto: SPIEGEL ONLINE

Kempf und Pörschmann verorten die Konkurrenz anderswo, als man das vermuten könnte: Nicht etwa Veranstaltungen wie der Mobile World Congress in Barcelona oder die dauerhaft starke Consumer Electronics Show in Las Vegas wurden als Wettbewerber ausgemacht - sondern das Netz. Vor dem aber habe man keine Angst. "Dass immer mehr Geschäfte im Internet abgeschlossen werden, macht uns keine Sorgen. Keiner würde ein großes Softwaregeschäft online abschließen", sagte Kempf. Die Cebit habe deshalb begonnen, ihr Profil als Schnittstelle zwischen IT-Welt und den klassischen Industrien wie Autobau, Energie oder Gesundheitswesen zu schärfen.

Womöglich ist das tatsächlich die sinnvollste Option für Hannover: Deutschland ist derzeit digital zwar abgehängt, wenn es ums Endkundengeschäft geht, weder im Bereich Web-Business noch im Bereich Elektronik für Verbraucher haben deutsche Unternehmen etwas zu melden. Doch in anderen Industrien wird selbstverständlich digital geforscht, gearbeitet und entwickelt, durchaus auf international konkurrenzfähigem Niveau.

Auf den Feldern, die ein breites Publikum interessieren, kann die Cebit, die einmal die Messe für wirklich alles Digitale war, längst nicht mehr konkurrieren: Für Handys, Tablets und mobile Anwendungen ist der Mobile World Congress die erste Adresse, für Gadgets und die Zukunft der digitalen Unterhaltung die CES, und wer sich für Start-ups und neue Geschäftsideen interessiert, reist eher zur SXSWi, die gerade in Austin, Texas begonnen hat oder zu einer der zahlreichen anderen, kleineren Tech-Konferenzen rund um den Globus. Das Verhältnis der Anzugträgermesse Cebit zur hemdsärmeligen Start-up-Kultur passt gut zu dem von Bundeskanzlerin Angela Merkel, die am Donnerstag demonstrativ einige junge Netzunternehmen besucht hatte: Man fremdelt.

Zwar präsentierten sich auch auf der Cebit 2013 einige Start-ups, von denen manche sich durchaus über Publikum und Kontakte zu potentiellen Investoren freuen konnten. Und natürlich gab es auch für Gadgetfreunde etwas zu sehen in Hannover, vom 3-D-Drucker bis hin zu einer nahezu unüberschaubaren Flut von Tablets und Smartphones. Doch echte Neuheiten aus diesen Bereichen fand man in Hannover kaum.

Pörschmann verwies denn auch lieber darauf, dass "die Entscheiderdichte" auf der Messe zugenommen habe. Die Rückmeldungen der Aussteller seien "durchgehend positiv". Es gebe mehr Fachgespräche als vorher und es gehe häufiger um konkrete Investitionsvorhaben. Besucherzahlen seien im Vergleich dazu weniger wichtig. "Aufgabe der Cebit ist es in erster Linie, die Interessen der Aussteller zu unterstützen. Das funktioniert gut."

Die Zeiten aber, zu denen die Cebit ein Magnet für alle war, die sich für den digitalen Fortschritt im Allgemeinen interessieren, sind vermutlich auf Dauer vorbei.

Mit Material von dpa
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.