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07. Januar 2017, 17:48 Uhr

Start-ups auf der CES

Wenn's wächst und wächst - vollautomatisch

Aus Las Vegas berichtet

Ein computergesteuerter Luxus-Kräutergarten und ein USB-Stick, der nie wieder voll ist: Auf der Hightech-Messe CES zeigen nicht nur die Großen, was sie können. Hier sind drei spannende Projekte kleiner Firmen.

Der unendlich große USB-Stick

Was bekommt man, wenn man die Idee des Kommunen-Lebens in die heutige Zeit überträgt? Das französische Start-up Seed-Up macht mit seinem Hackerhaus einen Vorschlag - und liefert gleich das passende Gadget mit.

In einem Haus in Paris arbeiten die Bewohner an eigenen Projekten oder Aufträgen aus der Industrie. Nach Feierabend wird gemeinsam gekocht, gemeinsam gefeiert, schließlich wohnt man auch zusammen in dem Haus. Seed Up präsentiert auf der Hightech-Messe CES in Las Vegas zudem einen unscheinbar wirkenden USB-Stick. Sie haben ihn nach dem Intel-Gründer Gordon Moore benannt und bezeichnen ihn selbstbewusst als "das letzte Speichersystem, das Sie kaufen werden". Seed Up verspricht "unbegrenzte Speicherkapazität".

Möglich werden soll das, indem der Moore-Stick Daten dynamisch in die Cloud auslagert. So soll man als Nutzer problemlos auch mehrere Terabyte Daten auf dem Stick unterbringen können. Nur sind die dann eben nicht wirklich auf dem Stick, sondern teilweise im Netz gespeichert. Dabei würden sowohl die Übertragung als auch die Lagerung verschlüsselt, verspricht Seed-Up-Mitgründer Paul Poupet auf der CES.

So soll ein Nutzer mit dem Stick überall und jederzeit Zugriff auf seine Daten haben, sobald man ihn an einen PC oder ein Smartphone anschließt. Eine Softwareinstallation sei nicht nötig. Freilich brauchen Nutzer aber eine Internetverbindung, um die Daten aus der Cloud laden zu können - sonst lässt sich das Versprechen von Seed Up nicht einlösen.

Damit man den Stick beispielsweise auch im Flugzeug benutzen kann, soll er mithilfe maschinellen Lernens erkennen, auf welche Dateien Nutzer regelmäßig zugreifen und welche sie nur sehr selten brauchen. Alle regelmäßig genutzten Daten sollen für die Offline-Nutzung auf dem Stick gespeichert und nicht in die Cloud verfrachtet werden. Laut Toupet funktioniert das in 99 Prozent der Anwendungsfälle. Wer vor einer Reise schon sicher weiß, welche Daten er zum Arbeiten braucht, kann sie auch markieren und so sicherstellen, dass sie auf jeden Fall auch ohne Internetverbindung verfügbar sind. Im Abo soll der unendliche große Speicherstick fünf Euro pro Monat kosten.

Der Kräutergarten im Schrank

Das estnische Start-up Natufia hat einen elektronisch gesteuerten Kräutergarten gebaut. Das Gerät sieht aus wie ein ungewöhnlich beleuchteter Weinkühler, im Inneren leuchten kräftige Pflanzenlampen. Denn statt Weine optimal zu lagern, werden in diesem Schrank Kräuter und Salate gezüchtet. Vollelektronisch gesteuert, natürlich, mit einer App - und ganz ohne Erde.

Mit dem mehr als mannshohen Apparat komme man dem steigenden Bedürfnis nach biologischen Lebensmitteln und bewusster Ernährung nach, sagt Firmenmitgründer Gregory Lu auf der CES. Die Kräutergärtnerei funktioniert folgendermaßen: Zuerst muss man bei Natufia gekaufte Samentöpfchen in einem Anzuchtbehälter etwa eine Woche lang wachsen lassen, bis die ersten Triebe zu sehen sind. Dann werden die Töpfchen, jedes so groß wie eine Kaffeekapsel, in Pflanzgefäße aus Keramik umgesetzt.

Von nun an geht alles automatisch: Die Pflanzen werden computergesteuert mit einem Mix aus Wasser und Dünger versorgt. Die Pflanzenlampen sorgen für das nötige Licht, eine Lüftungssystem dafür, dass Luftfeuchtigkeit und Temperatur passen. Bis zu vier Monate könne ein solches System ohne jede Einwirkung von außen arbeiten, so Lu.

Ein Standard-Küchen-Gadget wird der Natufia wohl dennoch nicht werden, schließlich liegt der Preis bei 12.000 Euro. Die Samenkapseln kosten je einen Euro pro Stück. Hauptabnehmer dieses Luxus-Gadgets seien bisher Restaurants, die Wert auf biologische Zutaten legten - und gut verdienende Öko-Enthusiasten. 30 Exemplare des Schranks Natufia wurden seit dem Start 2016 schon verkauft.

Der KI-Kopfhörer

Einfach nur Kopfhörer bauen können viele Firmen. Gute Kopfhörer immerhin noch einige. Aber einen Kopfhörer, der vollkommen unabhängig von anderen Geräten Musik spielt und auch noch einen virtuellen Assistenten eingebaut hat, gibt es bisher wohl nur von dem amerikanischen Start-up Vinci.

Die Technologie ist faszinierend: Der Vinci-Kopfhörer lässt sich fast vollkommen sprachgesteuert bedienen, hat 32 GB Speicher für Musik und kann sich per WLAN, Bluetooth und UMTS vernetzen, um auch Streaming-Musik direkt von Spotify abzuspielen. An einer Seite ist der Kopfhörer mit einem Touchscreen bestückt. Darüber können Träger verschiedene Einstellungen vornehmen und zum Beispiel die Lautstärke per Wischgeste ändern.

Mithilfe von Amazons Sprachtechnologie Alexa kann man den Kopfhörer auch nutzen, um sich beispielsweise Routenanweisungen geben zu lassen, einen Tisch im Restaurant zu reservieren oder einfach nur die Wettervorhersage vorlesen zu lassen. Die künstliche Intelligenz (KI) des Systems soll unter anderem in der Lage sein, zur jeweiligen Situation passende Musik vorzuschlagen oder bei Verspätungen im öffentlichen Verkehr alternative Routen vorzuschlagen. Auch ein Pulsmesser ist eingebaut.

Beim kurzen Ausprobieren auf der CES war es aber vor allem der Klang, der uns begeisterte. Die Vinci klingen nicht unbedingt neutral, sondern eher bassbetont. Das tun sie aber ausgesprochen druckvoll und ohne muffig zu wirken.

Angesichts dieser Funktionsvielfalt ist der Preis erstaunlich: 200 Dollar kostet die Standardversion, 300 die Pro-Variante mit aktiver Geräuschunterdrückung und drahtloser Ladefunktion. Auf Indiegogo kann man die beiden Modelle derzeit allerdings noch viel günstiger, ab 129 Dollar, bestellen.

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