CES 2017 Nicht vernetzt gibt es nicht mehr

Ab Donnerstag präsentieren Hersteller auf der Hightech-Messe CES in Las Vegas wieder jede Menge Fernseher, Smartphones, Computer. Ihre drängendste Frage dabei: Wie kann man alles mit allem vernetzen?

Philips

Aus Las Vegas berichtet


Wenn sich die Technikbranche Anfang Januar zur Consumer Electronics Show (CES) nach Las Vegas aufmacht, geht es immer auch darum, wer den größten Fernseher auf seinem Messestand ausstellen kann. Absurde TV-Monstren werden dort präsentiert, zu deutlich fünfstelligen Preisen. Das wird sich auch 2017 kaum ändern. Nur werden sie nicht mehr die Highlights der wichtigsten Hightech-Messe des Jahres sein, die dieses Jahr ihr 50-jähriges Bestehen feiert.

Wichtiger dürften in diesem Jahr andere Dinge werden.

Nachdem UHD-TVs mit Bilddiagonalen von 55 bis 65 Zoll mittlerweile zu Preisen angeboten werden, die sich auch Normalverdiener leisten können, dürften Curved-TVs erneut ein Thema sein. Mittlerweile haben die Hersteller die Produktionstechnik für solche gebogenen Fernseher so verbessert, dass noch stärkere Krümmungen als bisher möglich sind. Der Zuschauer kann damit noch tiefer ins Geschehen eintauchen, bekommt einen noch besseren räumlichen Eindruck, versprechen die Hersteller.

Wie sehr sich Fernseher von der Glotze zum Multimediagerät wandeln, zeigt sich aber daran, dass Samsung schon vor der Messe eine neue Version seines TV-Betriebssystems Tizen angekündigt hat. Die soll es dem Nutzer ermöglichen, seinen Fernseher stärker an persönliche Vorlieben anzupassen.

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CES in Las Vegas: Technikmesse im Wandel der Zeit

Das Unvorhersehbare vorhersagen?

Außerdem zeigt der koreanische Konzern, dass bei UHD-TV längst noch nicht Schluss ist. Als Ergänzung zu den neuen hochauflösenden Fernsehern will das Unternehmen seinen Kunden jetzt UHQ-Sound - Ultra High Quality - verkaufen. Die entsprechenden Systeme rechnen digital eingespeiste Klangquellen dafür auf 32-Bit Auflösung hoch, egal, ob das Ursprungssignal in 8-, 16- oder 24-Bit ankommt. Wirklich besser dürfte der Sound dadurch aber kaum werden, nur feiner abgestuft.

Fast irre wirkt Samsungs Behauptung, man könne nun "unvorhersehbarere, größere interne Schwingungen" in Subwoofern vorhersagen und dadurch "einen stabileren Sound bei tiefen Tönen" erzeugen.

Höhenverstellbare High Heels

Neben den in Las Vegas immer wieder wichtigen Fernsehern wird das sogenannte Internet der Dinge, also die Vernetzung aller möglichen Gadgets fürs Zuhause und unterwegs die Messe beschäftigen.

Zum Ersten, weil es auf der CES enorm viele Neuigkeiten in diesem Bereich zu sehen geben wird. So wird beispielsweise die Bluetooth Special Interest Group (SIG) die neue Bluetooth-Version 5.0 vorstellen, die unter anderem entwickelt wurde, um eine bessere Vernetzung von Geräten im Internet der Dinge zu ermöglichen. Die Carnival Corporation, ein großer US-Kreuzfahrtanbieter will zeigen, wie sie das Internet der Dinge auf ihren Schiffen nutzt, um den Passagieren das Leben leichter zu machen.

Natürlich wird es auch reichlich Gadgets zu sehen geben, die von ihren Herstellern dem Internet der Dinge zugeordnet werden. Beispielsweise die High Heels von Digitsole, deren Höhe sich per Smartphone-App regeln lässt. Gezeigt werden aber auch pragmatischere Vorschläge, wie etwa OPN. Das ist ein vernetztes Hörgerät, das sich beispielsweise mit intelligenten Rauchmeldern und Türklingeln vernetzen lässt.

Schutz gegen Botnets

In den vergangenen Monaten machte das Internet der Dinger freilich weniger durch spannende Neuheiten auf sich aufmerksam, als durch seine Schwächen. Die Internetangriffe des Mirai-Botnets zeigten mehrmals, wie schlecht gesichert viele vernetzte Geräte sind - und wie leicht sie sich deshalb von außen manipulieren und als Cyberwaffe nutzen lassen.

Während von den Herstellern der betroffenen Produkte meist wenig zu dieser Problematik zu hören ist, springen jetzt Hersteller von Hard- und Software im Sicherheitsbereich auf. Einen ersten Schritt in diese Richtung hatte vor einem Jahr Bitdefender gemacht, als die Firma ein Gerät auf den Markt brachte, das beispielsweise Smart-TVs und WLAN-Lichtsteuerungssysteme vor fremden Eingriffen schützen soll.

Zur CES 2017 haben gleich mehrere Unternehmen ähnliche Produkte angekündigt, die verhindern sollen, dass man etwa mit seinem WLAN-Router Teil eines Botnets wird.

Vernetzte Motorräder und hilfsbereite Autos

Aber längst nicht alle Neuheiten, die in den kommenden Tagen in Las Vegas vorgestellt werden, haben einen solch ernsten Hintergrund. Der taiwanische Motorrollerhersteller KYMCO etwa will ein vernetztes Motorrad zeigen und die Firma WaveLength ein Gerät vorstellen, das aus den Funkwellen, die ein Handy abstrahlt, elektrische Energie erzeugt. Außerdem sind etliche Autohersteller und deren Zulieferer vertreten. So etwa wie Bosch, die ein Konzeptfahrzeug angekündigt haben, das zeigen soll, wie ein Auto zum persönlichen Assistenten werden könnte.

Wie immer sind wir vor Ort dabei und berichten aus dem winterlich kalten Las Vegas über die wichtigsten Hightech-Neuheiten und kuriosesten Gadgets.



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