Neue HTC Vive Pro Die virtuelle Welt wird schärfer

HTCs Vive war bisher eine Virtual-Reality-Brille für Enthusiasten. Auf der CES ist nun eine überarbeitete Version präsentiert worden. Restlos begeistern kann sie aber nicht.
Präsentation der Vive Pro: Höhere Auflösung, integrierte Kopfhörer, Einstellrad auf der Rückseite

Präsentation der Vive Pro: Höhere Auflösung, integrierte Kopfhörer, Einstellrad auf der Rückseite

Foto: Andrej Sokolow/ dpa

In drei bis vier Jahren wird man die virtuelle Realität (VR) optisch nicht mehr von echter unterscheiden können: Das schätzte Atari-Gründer Nolan Bushnell im vergangenen Sommer. Ein halbes Jahr ist seitdem vergangen, und ein erster Realitätscheck ergibt: Noch lässt sich klar sagen, ob man eine VR-Brille auf dem Kopf hat oder nicht.

Das wird sich auch mit einem neuen Headset, das auf der Tech-Messe CES in Las Vegas vorgestellt wurde, nicht ändern. Vive Pro heißt das neue Modell, es ist eine überarbeitete und etwas leichtere Fassung von HTCs Virtual-Reality-Brille Vive von 2016. Auf den Markt kommen soll sie noch in diesem Quartal.

Der entscheidende Unterschied zur Vive ist das neue Dual-OLED-Display der Vive Pro. Die VR-Spiele und -Erlebnisse sind zwar dieselben wie für das bisherige Modell, sie landen nun aber mit einer Auflösung von 2880 mal 1600 Pixeln auf dem Bildschirm innerhalb der Brille (1440 mal 1600 pro Auge). Zum Vergleich: Die Standard-Vive und die Oculus Rift bieten 2160 mal 1200 Pixel, bei beiden Brillen war ein Pixelraster mitunter deutlich wahrnehmbar.

In die Vive Pro sind zwei Mikrofone verbaut, zudem fällt auch Brillenträgern das Aufziehen nun leichter

In die Vive Pro sind zwei Mikrofone verbaut, zudem fällt auch Brillenträgern das Aufziehen nun leichter

Foto: Andrej Sokolow/ dpa

Schärfer, aber auch nicht dramatisch besser

HTCs Brillen-Upgrade soll nun Maßstäbe setzen - und tatsächlich wirkt die VR-Welt mit dem neuen Headset schärfer. Doch auch das gehört zur Wahrheit: Wirklich begeistert haben mich meine ersten zwei Vive-Pro-Demos nicht, der höheren Pixeldichte zum Trotz. Am Ende muss vor allem die Anwendung selbst in ihren Bann ziehen.

In einer virtuellen Garage jedenfalls, die von der bald ins Kino kommenden Roman-Verfilmung "Ready Player One" inspiriert ist, war mir jederzeit klar, dass ich auf ein Display schaue. Ähnlich ging es mir im Multiplayer-Shooter "Evasion", der sich noch in der Entwicklung befindet. Die Vive Pro ist dem ersten Eindruck nach ein Schritt voran, aber kein so großer, dass man sein bisheriges Headset sofort eintauschen müsste.

VR-Enthusiasten, die schon einmal 900 Euro oder 700 Euro - da steht der Brillenpreis aktuell - für eine Vive ausgegeben haben, sind zunächst übrigens die Hauptzielgruppe. Erscheinen wird die Vive Pro daher vorerst ohne Basisstationen und Controller. Man muss also alles außer der Brille bereits daheim haben.

Der Preis ist noch unbekannt

Was das neue Headset kostet, hat HTC zunächst nicht verraten, ein Schnäppchen wird es wohl nicht. Die Firma positioniert das Pro-Modell als Premium-Produkt für Leute, die das aktuell beste VR-Erlebnis haben wollen. Ähnlich hat letztes Jahr Microsoft für die Xbox One X getrommelt, sein generalüberholtes Xbox-One-Modell, das im Wesentlichen kann, was das Original kann, nur besser.

So befindet sich auf der Rückseite der Brille nun ein Drehrad, mit dem sich ihr Sitz deutlich bequemer einstellen lässt. Solche Komfortfunktionen sind Kleinigkeiten, aber praktisch, vor allem, wenn die Vive etwa auf Messen, in VR-Arcades oder im Museum von vielen Menschen nacheinander angezogen wird.

Kürzlich besuchte ich etwa Jan Böhmermanns Düsseldorfer "Deuscthland"-Ausstellung, in der man per Vive virtuell eine Attraktion des von ihm und seinem Team erdachten "Reichsparks"  testen kann. Ein unterhaltsames Erlebnis, nur: Mangels Hilfspersonal scheiterte mancher Ausstellungsbesucher am Anziehen und Einstellen des Headsets. Selbsterklärend ist so eine VR-Brille für Laien nämlich nicht unbedingt, erst recht bei Kabelsalat mit einem angesteckten Kopfhörer.

Die Vive Pro hätte da vielleicht geholfen: Durch das neue Rad ist sie leichter festzumachen und auch normale Brillen passen jetzt besser unter das Headset. Zudem wurde das Kabelsalat-Problem entschärft, denn das neue Modell hat integrierte Kopfhörer, die sogar ganz ordentlich die Umgebungsgeräusche unterdrücken.

Kabellos kostet extra

Das Sichtfeld der Vive Pro hingegen scheint leider mit der normalen Vive identisch und nicht größer zu sein. Auch das größte Ärgernis bleibt bestehen, es sei denn, man kauft weiteres Zubehör dazu: Das Pro-Modell ist wie gehabt standardmäßig über ein langes Kabel mit einem PC verbunden - eine gefährliche Stolperfalle oder zumindest eine überflüssige Ablenkung. Als Lösung dieses Problems haben die Vive-Macher in Las Vegas einen Wireless-Adapter für die Brille vorgestellt, der jenem ähnelt, den es bereits von der Firma TPCast gibt.

Ist der von HTC bisher noch nicht bepreiste Adapter mit der Vive oder Vive Pro verbunden, lässt diese sich, so lange der Adapter-Akku durchhält, ohne das lästige Kabel nutzen. Das dürfte vor allem Künstler und Unternehmen freuen, die VR-Erlebnisse in größeren Räumen kreieren.

Für jene Vive-Käufer ist vielleicht auch noch eine dritte HTC-Ankündigung interessant: Bald sollen neue Vive-Basisstationen auf den Markt kommen, mit denen sich VR-Spielfelder von bis zu zehn mal zehn Meter Größe aufspannen lassen. Die sind dann wirklich etwas für Profi-Nutzer, mit viel Geld und vor allem viel Platz.

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