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Matthias Kremp

CES 2021 So beginnt das Gadget-Jahr

Matthias Kremp
Ein Netzwelt-Newsletter von Matthias Kremp

Liebe Leserin, lieber Leser,

ich habe gerade noch mal nachgeschaut: Am 4. Januar 2020, also vor genau einem Jahr, tat ich, was ich seit mehr als einem Jahrzehnt immer Anfang Januar gemacht habe – ich flog nach Las Vegas.

Nicht des Wetters wegen, denn im Winter ist es auch in der Wüste Nevadas kalt oder nass und alle paar Jahre schneit es sogar. Auch nicht wegen der Casinos, in denen ich in all den Jahren nicht einen Dollar verspielt habe. Und schon gar nicht wegen der Hotels, die meist alt und schlecht gepflegt, dafür aber sehr teuer sind, wenn ich und viele andere Kollegen und Kolleginnen ankommen.

Anfang Januar findet in Las Vegas die Messe CES statt, auf der viele der wichtigen Technikneuheiten des Jahres vorgestellt werden. Rund 170.000 Fachbesucher reisen dazu normalerweise an und sorgen dafür, dass die Hotels mitten in der Nebensaison absurde Preise verlangen können. Trotzdem lohnt sich die Reise immer wieder.

Zur CES 2021 sollte unter dieser neuen Messehalle eigentlich das Untergrund-Transportsystem von Elon Musks Boring Company in Las Vegas eingeweiht werden. Ein neuer Termin dafür steht noch nicht fest

Zur CES 2021 sollte unter dieser neuen Messehalle eigentlich das Untergrund-Transportsystem von Elon Musks Boring Company in Las Vegas eingeweiht werden. Ein neuer Termin dafür steht noch nicht fest

Foto: AP

2020 etwa konnte man neben riesigen rahmenlosen Fernsehern ein Elektroauto von Sony, eine smarte Brille von Bosch, digitale Menschen von Samsung, viele neue Gadgets und etliche Sex-Tech-Produkte sehen und mit deren Entwicklern sprechen. In diesem Jahr wird das nicht ganz so einfach.

Die CES wird zwar stattfinden, aber nicht in der Wüste Nevadas, sondern im Internet. Man wird die Neuheiten also auf Bildern und in Video angucken, aber nicht anfassen und ausprobieren können. Die erste Online-CES wird damit zum Gradmesser dafür, wie gut sich die Branche an die Welt in der Coronakrise angepasst hat. Konzerne wie Samsung, Sony und LG werden es da leichter haben als kleine Start-ups, die man sonst beim Schlendern über CES-Veranstaltungen gewissermaßen im Vorbeigehen kennengelernt hat.

Typischer CES-Beifang: Smarte Windeln, die ihren Feuchtigkeitspegel messen und den Eltern per App melden

Typischer CES-Beifang: Smarte Windeln, die ihren Feuchtigkeitspegel messen und den Eltern per App melden

Foto: David Becker/ AFP

Die folgenden Neuheiten zeichnen sich schon jetzt ab:

  • Natürlich werden Fernseher einen großen Aufschlag machen. LG hat schon vorab angekündigt, TV-Geräte mit einer Technologie namens QNED vorzustellen, in denen bis zu 30.000 LED das Display der bis zu 86 Zoll großen Geräte besonders hell ausleuchten.

  • Neue Lichtsensoren und eine Funktion namens HDR10+ Adaptive  sollen es Samsungs neuen Fernsehern ermöglichen, ihre Bilddarstellung in Abhängigkeit vom Umgebungslicht anzupassen.

  • Die Verlagerung von Büroarbeit ins Homeoffice wird etliche neue Gadgets und Änderungen in bestehenden Produkten mit sich bringen. LG etwa dürfte den Puricare-Luftfilter  noch einmal präsentieren, der eigentlich schon Ende August 2020 zur IFA vorgestellt wurde. Auch Geräte, die mit UV-Strahlung Handys und andere Geräte desinfizieren, sind zu erwarten. Vor allem aber werden Webcams mit hoher Auflösung und guter Bildqualität ein Thema sein. Man will ja in Videokonferenzen nicht nur gut sehen, sondern auch gut gesehen werden.

  • Immer seltener hingegen wird man in den Schachteln neuer Smartphones Netzteile finden. Nachdem Apple die Stromstecker bei den iPhones der Zwölfer-Serie eingespart und dafür reichlich Kritik und Hohn einstecken musste, zieht die Konkurrenz nun offenbar nach. So hat Samsung wohl vorsichtshalber alte Facebook-Posts gelöscht  und Xiaomi-CEO Lei Jun bereits angekündigt, dass das neue Smartphone Mi 11 auch ohne Netzteil geliefert wird .

  • Die erste wichtige Smartphone-Neuheit des Jahres wird am 14. Januar, dem letzten Messetag, erwartet. Gerüchten zufolge wird Samsung an diesem Tag seine neuen Top-Smartphones vorstellen, die wohl Galaxy S21, 21+ und 21 Ultra heißen werden. Der Termin ist ungewöhnlich, normalerweise präsentiert das Unternehmen seine High-End-Modelle auf oder in zeitlicher Nähe zum Mobile World Congress in Barcelona. Da der aber bereits auf Juni verschoben wurde, will Samsung wohl die Gelegenheit nutzen, früher als üblich den neuen iPhones Konkurrenz zu machen.

Abgesehen davon, dass ich mir auch bis auf Weiteres keine Gedanken zu Flugreservierungen, Verspätungen und Hotelbuchungen machen muss, beginnt 2021 also mit einem Haufen spannender Neuheiten, über die meine Kollegen und ich beim SPIEGEL berichten – und die wir hoffentlich auch bald ausprobieren werden.

Für 2022 habe ich mir trotzdem schon mal den 5. bis 8. Januar im Kalender markiert. An diesen Tagen soll die übernächste CES stattfinden: dann hoffentlich wieder in Las Vegas und mit allen angenehmen und nervigen Nebenwirkungen, die eine solche Messe mit sich bringt.

Fremdlinks: drei Tipps aus anderen Medien

  • »The Secret History of the First Microprocessor, the F-14, and Me « (Englisch, 25 Leseminuten)
    In diesem Artikel kommt vieles zusammen: Die Geschichte des ersten Mikroprozessors, Tom Cruise, die Familie der Autorin dieses »Wired«-Artikels, der Kampfjet Grumman F-14 und das Leben eines Ingenieurs, von dem Sie noch nie gehört haben. Klingt ein bisschen irre, liefert aber Einblicke, die man sonst nirgendwo bekommen kann.

  • »Australien treibt Bau des ersten Antarktis-Flughafens voran « (Zwei Leseminuten)
    Geht es um die Antarktis, möchte Australien immer gern ganz vorn mit dabei sein. Dieser Artikel erklärt, wo wie und warum die Regierung in Canberra dort nun die erste asphaltierte Landebahn bauen will. Bereits im Juli erklärte »The Conversation « allerdings, warum das Projekt »eine schlechte Idee« sei. Das Magazin schlug vor, beispielsweise lieber erst einmal bestehende Eisstationen mit Systemen zur Abwasserreinigung auszustatten.

  • »Building an invisible monitor... « (Englisch, 15:49 Minuten Video)
    Falls Sie am kommenden Wochenende noch nichts vorhaben: Bauen Sie sich doch einfach einen unsichtbaren Monitor. Wobei der Titel des Videos eine Übertreibung ist. Eigentlich zeigt Do-it-yourself-YouTuber Matthew Perks, wie man ein Regal baut, in dem ein Monitor bei Nichtgebrauch verschwinden kann. Und wenn Sie damit fertig sind, schauen Sie sich noch das Video an, in dem er erklärt, wie man einen PC unsichtbar in seinen Schreibtisch integriert.

Ich wünsche Ihnen einen guten Start ins neue Jahr – bleiben Sie gesund!

Matthias Kremp