CES 2022 Samsung stellt kippbare Fernseher mit NFT-Kauffunktion vor

Mit den neuen TV-Geräten soll man digitale Kunst erwerben und vorführen sowie TikTok und YouTube im Hochformat schauen können. Und die Fernbedienung bezieht angeblich Energie aus dem WLAN.
Samsung-Fernseher The Frame: Bald NFTs im Blick

Samsung-Fernseher The Frame: Bald NFTs im Blick

Foto: Samsung

Beim Buzzword-Bingo zur CES 2022 hat Samsung sich früh für einen der vorderen Plätze qualifiziert. So schreibt das Unternehmen in einer Pressemitteilung zu seinen neuen Neo-QLED-Fernsehern, dass diese über einen »Multi-Intelligenz-Algorithmus für die Bildqualität« verfügen. Die Geräte sollen damit »ein Gefühl von Tiefe« in den TV-Bildern erzeugen.

Spannender ist allerdings, dass Samsung den neuen Geräten Funktionen eingepflanzt hat, die man bisher eher von Smartphones kannte. Einen »EyeComfort-Modus« beispielsweise, der die Helligkeit reduziert und den Anteil blauen Lichts reduziert, wenn es dunkel wird. Auf Handys wird so etwas als Night Shift oder Nachtlicht bezeichnet, es soll die Augen schonen und für besseren Schlaf sorgen.

Aber an anderer Stelle werden Samsungs neue Fernseher den Smartphones noch ähnlicher. Denn für einige der jetzt vorgestellten Modelle gibt es Wandhalterungen und Standfüße als Zubehör, die den TV auf Knopfdruck um 90 Grad drehen. Derart in die Vertikale gerückt, passen Smartphone-Apps wie TikTok und YouTube besser auf den Bildschirm. Und auch selbst gedrehte Hochkantvideos füllen das Display so besser aus als auf herkömmlichen Fernsehern, auf denen solche Filmchen stark verkleinert und von dicken schwarzen Balken eingerahmt werden.

Samsung zeigt auch neue Mikro-LED-Fernseher: Der kleinste hat eine Bilddiagonale von 89 Zoll und ein vermutlich fünfstelliges Preisschild

Samsung zeigt auch neue Mikro-LED-Fernseher: Der kleinste hat eine Bilddiagonale von 89 Zoll und ein vermutlich fünfstelliges Preisschild

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Samsung

Samsung hatte dieses Konzept vor zwei Jahren schon einmal mit dem Sero-Fernseher ausprobiert und dafür offenbar eine Zielgruppe gefunden. Aber auch vom Sero gibt es eine neue Version, die sich vor allem durch einen matten und dadurch reflexionsarmen Bildschirm vom Vorgänger unterscheidet. Mit solchen matten Displays werden auch die neuen Lifestyle-TVs der Serie The Frame bestückt. Deren besonderes Merkmal ist, dass man sie wie Bilderrahmen an die Wand hängen und Kunstwerke anzeigen lassen kann, wenn man gerade nicht fernsieht.

NFTs im TV

Bei den Bildern, die The Frame dann anzeigt, handelt es sich um Massenware, um digitale Kopien berühmter Werke. Aber mit vielen der neuen Geräte kann man auch digitale Einzelstücke kaufen und auf dem Bildschirm anschauen und vorführen. Eine »integrierte NFT-Plattform« soll das ermöglichen.

Das Kürzel NFT steht für – Vorsicht, Buzzword – »Non Fungible Token«. Der Begriff bezeichnet eine Technik, die es ermöglicht, digitale Inhalte mit einem einmaligen Besitzzertifikat zu versehen. Die Daten dafür werden – schon wieder ein Buzzword – per Blockchain fälschungssicher gespeichert.

Ob man seinen Gästen gegenüber dann beispielsweise mit der für 107.000 Euro erworbenen Ur-SMS oder dem 750.000 Dollar teuren ersten Wikipedia-Eintrag protzen kann, ist bislang noch unklar. Offenbar will Samsung seinen TV-Kunden eher den Weg zu Onlinehandelsplätzen öffnen, auf denen sie digitale Kunstwerke kaufen können, die dann eben nur auf ihren Samsung-TV zu sehen sind und sonst nirgends.

Strom aus dem WLAN

Nirgends sind im Übrigen auch verlässliche Informationen zu der neuen Fernbedienung zu finden, mit der Samsung die neuen Fernseher ausstatten will. Offenbar handelt es sich dabei um eine neue Version der Solar-Fernbedienung, die der Konzern vor einem Jahr eingeführt hat. Genau wie die soll sich auch die neue Variante wahlweise per USB-C oder über Solarzelle im Rücken aufladen lassen. Zusätzlich aber berichten US-Medien , dass sie auch die Energie der von einem WLAN-Router ausgesandten Funkwellen zur Stromversorgung nutzen können soll.

Das 2021 vorgestellte Modell der Samsung-Fernbedienung, mit Solarzellen im Rücken

Das 2021 vorgestellte Modell der Samsung-Fernbedienung, mit Solarzellen im Rücken

Foto: Samsung

Weil Samsung dazu noch keine genauen Angaben gemacht hat, wird im Netz wild darüber diskutiert, ob so etwas überhaupt möglich ist. Ganz so abwegig, wie manche glauben, ist die Idee nicht. Erst im vergangenen Jahr zeigten Forscher aus Singapur und Japan , dass man die Energie solcher elektromagnetischen Wellen tatsächlich nutzen kann.

Viel dürfte dabei nicht herauskommen, aber eine Fernbedienung ist auch ein genügsamer Verbraucher. Was wichtiger sein dürfte als die Umwandlung von Funkwellen: Samsungs Ingenieure konnten offenbar komplett auf Batterien oder Akkus in der Fernbedienung verzichten. Stattdessen wird der Strom in einem Kondensator gespeichert, wie es beispielsweise auch in Solar-Armbanduhren passiert.

Bisher hat Samsung nichts dazu gesagt, wann und zu welchen Preisen die neuen Fernseher in den Handel kommen sollen.

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