CES-Fernseher Die TV-Industrie macht krumme Dinger

Full HD, Smart TV und 3D - wer dachte, das sei genug Innovation, wird von den TV-Herstellern auf der CES eines Besseren belehrt. Neuster Trend auf der Fachmesse in Las Vegas: Curved TV. Was bringt es eigentlich, wenn die Oberfläche des TV-Geräts gewölbt ist?

SPIEGEL ONLINE

Aus Las Vegas berichtet


Auf der CES werfen die TV-Hersteller mit einem Vokabular um sich, das es vielen potentiellen Käufern schwer machen dürfte: Was genau braucht man jetzt noch mal? Die neuen Fernseher sind größer, haben zum Teil gebogene Bildschirme und zeigen oft mehr Details als frühere Generationen. Dafür gibt es neue, wichtig klingende Begriffe und Abkürzungen.

Aufsehen erregen auf der CES die sogenannten Curved-TVs, Bildschirme, die an den Seiten zum Anwender hin gebogen sind. Die koreanischen Konzerne LG Electronics und Samsung liefern sich bei dieser Technik ein Kopf-an-Kopf-Rennen. Präsentiert der eine eine Neuheit, legt der andere kurz darauf ein vergleichbares Produkt vor.

Nur wenige Stunden, nachdem LG der Presse einen ultrahochauflösenden Curved TV mit 105 Zoll (2,66 Meter) Diagonale vorgestellt hatte, legte Samsung nach, mit exakt denselben Eckdaten. Mit deutlich fünfstelligen Preisen sind solche Geräte allerdings eher Spielzeuge für Reiche.

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Curved-Fernseher auf der CES: Gebogen und hoch aufgelöst

Von der Technik versprechen sich die Konzerne aber offenbar viel. Samsung und LG zeigen gleich mehrere Modellreihen mit gebogenen Bildschirmen. Und auch weniger bekannte Marken wie Hisense und TCL haben solche Geräte im Programm. Mit Preisangaben halten sie sich aber noch zurück - keiner will als Erster festlegen, wie teuer die neue Technik wird. Allerdings: Nur Premium-Geräte, die auch flach schon teuer wären, bekommen einen Biege-Bildschirm.

Das Versprechen von Curved-TV

Aber was bringt eigentlich eine gewölbte Bildschirmoberfläche? Schließlich hat man sich über Jahrzehnte nicht daran gestört, auf flache Fernseher zu schauen. Nun sagen die Hersteller, ein flacher Bildschirm schade der Bildqualität. Gerade bei großen Fernsehern seien die Pixel an den Rändern weiter vom Zuschauer entfernt als die in der Mitte. Das Ergebnis seien Verzerrungen und der Eindruck, dass Objekte am Rand kleiner seien als in der Mitte.

Auch wird argumentiert, die geschwungene Oberfläche erinnere an die Leinwände von Kinos und ermögliche ein schöneres Filmerlebnis. Außerdem wirkten durch die Technik auch Filme in 2D räumlicher. Beim direkten Vergleich eines Flachbildschirms mit einem gebogenen Modell stellt sich auf der CES beim Curved TV tatsächlich ein lebendigerer Bildeindruck ein. Das könnte aber auch vom Hersteller provoziert worden sein, der zum Vergleich verwendete Flachbildschirm erschien schon für sich allein betrachtet flau und kontrastarm.

UHD und 4K

Man könnte sich daran stören, dass ein an die Wand gehängter Curved TV weniger gut aussieht als ein flaches Gerät. Es erinnert an ein Stück Papier, dass feucht geworden ist und sich wölbt. Diesem Problem wollen die Unternehmen mit flexiblen Fernsehern begegnen: Sowohl Samsung als auch LG zeigen Prototypen, die auf Knopfdruck zwischen flach und gebogen umschaltbar sind. Einführungstermine gibt es dafür noch nicht.

Ohnehin wird eine andere Technik 2014 einen größeren Einfluss haben, die der ultrahochauflösenden Fernseher, die mal mit dem Kürzel 4K, mal mit dem Kürzel UHD (Ultra High Definition) bezeichnet werden. Sie haben eine deutlich höhere Auflösung als die heute üblichen Full-HD-Fernseher - und das sieht man sofort: mehr Details, schärfere Bilder und oft extrem hohe Kontrastwerte.

Die Auswahl wird groß

Vor einem Jahr noch waren sie die Exoten auf der Messe, es gab ein paar fast unbezahlbare Kleinserien. Das wird sich 2014 ändern. Etwa ab 3000 Euro werden Markenhersteller 4K-Fernseher der Einstiegsklasse anbieten, Billigfirmen wollen solche Angebote deutlich unterbieten. "Ultra-HD und 4K werden bald normale Ausstattungsmerkmale sein, so wie 3D und Smart TV", sagt ein Samsung-Sprecher.

Das Problem mit 4K-Filmen

Bleibt die Frage, was man darauf anschauen soll. TV-Programme in der hohen Auflösung gibt es noch nicht, selbst Blu-rays haben nicht genug Speicherplatz für 4K-Filme. Alle Hoffnungen der Industrie liegen jetzt auf Streaming-Portalen. YouTube bietet ultrahochauflösende Inhalte an, der US-Anbieter Netflix will das ebenfalls tun und hat angekündigt, die zweite Staffel der Erfolgsserie "House of Cards" in 4K streamen zu wollen.

Deutschen Anwendern nützt das nichts, solange der Dienst nicht in Deutschland verfügbar ist. Aber selbst dann wäre die letzte Hürde noch nicht überwunden, denn einem Unternehmenssprecher zufolge benötigt man zum Streaming von 4K-Filmen eine Bandbreite von 35 Mbit/s. In Deutschland schafft man das nur mit einem teuren VDSL- oder einem Kabelanschluss.

Die Hersteller suchen also weiter nach Lösungen für das Problem, wie man die hochauflösenden Filme in die Wohnzimmer bekommt. Eine Möglichkeit wären Festplatten-Player, mit denen man sich Wunschfilme vorab herunterlädt. Spontanes Fernsehen geht anders. Einen weiteren Versuch hat Sony 2013 gestartet: Blu-rays mit dem Siegel "Mastered in 4K". Zwar bekommt man bei denen auch nur Full-HD-Filme, aber die sollen so bearbeitet sein, dass sie von den Fernsehern leichter auf 4K-Auflösung hochgerechnet werden können.

insgesamt 117 Beiträge
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Seite 1
mm71 08.01.2014
1.
Zitat von sysopSPIEGEL ONLINEFull HD, Smart TV und 3D - wer dachte, das sei genug Innovation, wird von den TV-Herstellern auf der CES eines Besseren belehrt. Neuster Trend auf der Fachmesse in Las Vegas: Curved TV. Was bringt es eigentlich, wenn die Oberfläche des TV-Geräts gewölbt ist? http://www.spiegel.de/netzwelt/gadgets/ces-fernseher-die-tv-industrie-macht-krumme-dinger-a-942359.html
Je nachdem, wie das Signal in den Fernseher kommt, gibt es bei 4K noch eine weitere Hürde, nämlich den HDMI-Anschluss. Dieser muss HDMI 2.0 sein, was bei aktuell erhältlichen Geräten keineswegs immer der Fall ist.
aferjöhg 08.01.2014
2. Wundervoll...
aber mein Fernseher läuft seit nun 25 Jahren. Das bitte ich die Hersteller von heute mal nachzumachen.
Mehrleser 08.01.2014
3. optional
4K-TV - super, 35 MBit/s Bandbreitenbedarf zum Streamen amerikanischer Fernsehserien. Haben wir keine anderen technologischen Sorgen?
LDaniel 08.01.2014
4. Hilfe
Wer braucht sowas und warum um himmels Willen soll ich soviel Geld für einen Fernseher ausgeben?
orosee 08.01.2014
5. Vp9/h.265
Man kann sich doch auch einfach die Filme im h.265 Format runterladen - das ist weniger als eine unkomprimierte Blu-ray. Die Szene bietet wie immer die Lösung an, während die Industrie noch das Problem definiert.
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