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Matthias Kremp

CES 2022 Macht mal Messe – aber ohne mich

Matthias Kremp
Ein Netzwelt-Newsletter von Matthias Kremp

Liebe Leserin, lieber Leser,

diesmal wäre ich ausnahmsweise pünktlich in Las Vegas angekommen. Der Flug, den ich zur Hightech-Messe CES gebucht hatte, landete am Neujahrsabend sogar eine halbe Stunde früher als geplant. Ich war allerdings nicht an Bord. Schweren Herzens hatte ich meine Reise bereits am Heiligabend storniert.

Beim Planen des Trips im vergangenen Mai hatte ich noch gehofft, er könnte meine Rückkehr zur Normalität sein – in eine Normalität, in der mein Jahr stets mit einer Reise zur größten Technologiemesse der Welt begann. Das Coronavirus war anderer Meinung. Die Omikron-Variante ließ die Infektionszahlen explodieren und mich meine Reisepläne trotz Boosterimpfung noch einmal überdenken.

Alle wichtigen amerikanischen Tech-Magazine, von »The Verge« über »Techcrunch« bis »Gizmodo«, hatten da schon angekündigt, ihre Mitarbeiter nicht nach Las Vegas zu schicken. Fast zeitgleich erklärten dann auch noch etliche Konzerne, darunter Amazon, Google, Microsoft, BMW und Intel, der Messe fernbleiben zu wollen  oder zumindest weniger Mitarbeiter dorthin zu schicken. Pressekonferenzen wurden abgesagt, Termine storniert.

Grundausstattung: Beim Check-in wird jedem CES-Teilnehmer ein Paket mit zwei Selbsttests ausgehändigt

Grundausstattung: Beim Check-in wird jedem CES-Teilnehmer ein Paket mit zwei Selbsttests ausgehändigt

Foto: PATRICK T. FALLON / AFP

Man hätte meinen können, die CES würde unter diesen Vorzeichen abgesagt, so wie im Winter 2021. Doch davon wollte Gary Shapiro, Chef der Consumer Technology Association (CTA), die die Messe ausrichtet, nichts hören.

In einem Gastbeitrag im »Las Vegas Review Journal « schrieb er, es sei an der Zeit, »die Welt besser zu machen, statt in Furcht zu leben«. Und: »Wir alle werden Risiken eingehen. Aber ohne Risiko gibt es keine Innovation.« Zudem sei man sich der Bedenken bewusst, »dass die CES ein Ereignis sein könnte, bei dem sich die Omikron-Variante verbreiten kann«. Verhindert werden soll dies unter anderem durch die Kontrolle von Impfnachweisen und eine Maskenpflicht . Als »zusätzliche Sicherheitsmaßnahme « wurde die diesjährige Messe zudem kurzfristig um einen Tag verkürzt.

Gadget-Test vor Ort fällt aus

»Wenn wir nicht absagen, droht uns ein Trommelfeuer der Presse und anderer Kritiker, die die Geschichte dramatisieren und aus Sicht der großen Firmen erzählen«, schrieb Gary Shapiro zudem in seinem Gastbeitrag. Seiner Ansicht nach träfe eine Absage der CES vor allem die kleinen Aussteller.

Damit hat er wohl recht: Die großen Konzerne können es eher wegstecken, mal nicht dabei zu sein. Sie bekommen auch dann noch genug Aufmerksamkeit, wenn sie ihre Neuheiten-Events live im Netz übertragen, das haben die vergangenen zwei Jahre gezeigt. Die vielen kleinen Firmen aber, die Start-ups, nimmt man auf diese Weise kaum oder gar nicht wahr. Und man verpasst die Gelegenheit, Neuheiten sofort vor Ort auszuprobieren.

Das Logo der CES in Las Vegas (2019)

Das Logo der CES in Las Vegas (2019)

Foto: DAVID MCNEW / AFP

So werde ich dieses Jahr wohl weder mein eigenes Parfüm per App kreieren noch mit einer Drohne im Nacken durch die Wüste radeln. Ich werde auch keine neuen Smartglasses ausprobieren und mich nicht mit einer VR-Brille vor Augen für ein virtuelles Weltraumspiel über eine Rennstrecke chauffieren lassen. Auch einen Messetrend aufzuspüren, wie etwa den zu Sex-Gadgets 2020, wird von Hamburg aus schwierig sein. Und ich werde natürlich auch nicht davon berichten können, wie es ist, wenn auf einer Hightech-Messe das Licht ausgeht, weil es durch das Dach geregnet hat.

Das wird mich jedoch nicht davon abhalten, in den kommenden Tagen wenn schon nicht von, dann wenigstens über die CES und die neuen Gadgets, die dort präsentiert werden, zu berichten. Und ja, dabei steht mir so manche Onlinepressekonferenz mitten in der Nacht bevor.

Nächstes Jahr wird das hoffentlich wieder anders. Für Mai habe ich mir schon mal die Erinnerung »CES buchen« in den Kalender eingetragen.

Fremdlinks: Drei Tipps aus anderen Medien

  • »What Are Aspect Ratios and Why Do They Matter? « (Englisch, acht Leseminuten)
    Weil Sie in den kommenden Tagen möglicherweise öfter von neuen TV-Geräten und deren Bildformaten hören werden, könnte dieser Artikel nützlich sein: »Wired« erklärt, warum Filme mal in breiteren und mal in höheren Formaten gedreht werden – und was der Größenunterschied zwischen Hulk und der Black Widow damit zu tun hat.

  • »Abandoned – Fontainebleau Las Vegas « (Video, Englisch, 19 Minuten)
    An diesem halb fertigen Hotelkomplex in Las Vegas bin ich während so mancher CES vorbeigekommen und habe mich immer wieder gefragt, ob der Bau wohl jemals fertiggestellt wird. Das Video erklärt, was da eigentlich los ist und warum das Milliardenprojekt bald zu Ende gebracht wird – oder auch nicht.

  • »Die Schüssel zum schnellen Internet « (Lesezeit 6 Minuten)
    Markus Horeld von »Zeit Online« wohnt im ländlichen Brandenburg. Um irgendwie schnelles Internet zu bekommen, wurde er zu einem der ersten Kunden von Elon Musks Satelliten-Internetdienst Starlink. Wie gut das funktioniert und zu welchem Preis, berichtet er hier.

Ich wünsche Ihnen einen guten Start ins neue Jahr,

Matthias Kremp

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