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Tempomacher für alte Rechner: Google Chrome OS Flex

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DER SPIEGEL

Google-Betriebssystem ausprobiert So macht man ein 13 Jahre altes MacBook Pro mit Chrome OS Flex wieder fit

Google will lahme Laptops wieder flottmachen: Das Betriebssystem Chrome OS Flex soll in die Jahre gekommene Geräte in Internet-Surfmaschinen verwandeln. Unser Autor hat die Software ausprobiert.

Das alte MacBook Pro liegt schon seit Langem nur noch im Schrank. Es macht keinen Spaß mehr, mit der klobigen Alumühle von 2009 zu arbeiten. Knapp zwei Minuten benötigt der Rechner mit DVD-Laufwerk zum Starten, noch einmal so lange dreht sich anschließend der bunte Mauszeiger-Ball, bis sich alle Programme zurecht gerüttelt haben. Und nach einem Klick auf den Browserbutton muss man noch einmal fünf Sekunden warten, bis sich die erste Website öffnet.

Mit einem Schmalspur-Betriebssystem namens Chrome OS Flex verspricht Google nun Abhilfe für solche Probleme. Die Software soll in den kommenden Monaten zwar noch verbessert werden, ist aber bereits als Vorabversion für PC und Macs veröffentlicht  worden.

Die Funktionen von Chrome OS Flex hat Google bewusst auf ein Minimum begrenzt: So sollen lange Ladezeiten und nervige Updates auf den anvisierten Uralt-Rechnern umschifft werden. Die technischen Anforderungen der Software sind ebenfalls keine große Hürde: Benötigt werden vier Gigabyte an Arbeitsspeicher und mindestens 16 Gigabyte freier Speicherplatz auf der Festplatte.

Was die unterstützte Hardware angeht, sollte man lieber nichts erwarten, das weit über Maus, Tastatur und Webcam hinausgeht. Fingerabdruckscanner, Infrarotkameras, Thunderbolt-Anschlüsse und DVD-Laufwerke beispielsweise werden nicht unterstützt . Der volle Umfang ist vollwertigen Chromebooks vorbehalten, die mit dem großen Bruder Chrome OS laufen.

So installiert man Google Chrome OS Flex

Google Chrome OS Flex lässt sich in nur wenigen Schritten installieren. Das Programm wird über einen USB-Stick auf einen alten PC oder Mac aufgespielt . Der mindestens acht Gigabyte große Speicherstick muss dafür zunächst mit dem Browser-Plug-In »Programm zur Chromebook-Wiederherstellung«  eingerichtet werden. Mit einem Klick auf das Plug-In-Icon startet die Installation.

Es erscheint eine Liste mit Herstellern, aus der man kein Unternehmen auswählt, sondern »Google Chrome OS Flex«. Nach rund 20 Minuten ist der Installations-Stick fertig. Schließlich steckt man das Speichermedium in den alten Rechner und bootet vom USB-Laufwerk aus. Wer das Programm erst einmal ausprobieren möchte, kann auf eine Installation verzichten und das Betriebssystem direkt vom USB-Stick ausführen.

Unser altes MacBook Pro läuft wieder rund

Was Chrome OS Flex im Alltag aus dem 13 Jahre alten Testgerät herausholt, ist trotzdem beeindruckend. Die Software sorgt für einen deutlichen Tempo-Boost. Es dauert weniger als eine halbe Minute, bis der Google-Anmeldebildschirm erscheint. Kurz nach der Passworteingabe ist der Rechner startklar, vorinstallierte Apps wie der Chrome-Browser öffnen sich nahezu ohne Verzögerung. Das hat man dem alten MacBook Pro gar nicht mehr zugetraut.

Für zahlreiche Rechner  wie das Testgerät bringt Chrome OS Flex die wichtigsten Treiber gleich mit. Touchpad, Maus und Tastatur werden sofort erkannt. Helligkeit und Lautstärke lassen sich anpassen, auch der Akkuladestand wird angezeigt. Der WLAN-Chip allerdings verdirbt einem die Lust aufs Onlinegehen. Über ihn saugt das MacBook Pro Daten nur mit einer Geschwindigkeit von fünf Megabit pro Sekunde aus dem Netz, während übers LAN-Kabel 100 Megabit pro Sekunde ankommen. Die Frontkamera springt in unserem Test gar nicht an. Das Laufwerk ist ebenso nutzlos. Chrome OS Flex macht Rechner zu Surfmaschinen, viel mehr will Google gar nicht.

Trotz dieses engen Korsetts funktionieren immerhin Basisjobs wie Texte schreiben, Tabellen bearbeiten und Präsentationen basteln – per Google-Software. Rund 20 Apps sind vorinstalliert, darunter Microsoft-Office-Alternativen wie Google Docs, Sheets und Slides. Auch YouTube ist dabei, ein Texteditor und ein Taschenrechner. Für anspruchsvollere Aufgaben wie das Bearbeiten von Videos und Fotos ist das Betriebssystem eher nicht geeignet.

Voll auf Internet ausgelegt

Im Gegensatz zum großen Bruder Chrome OS gibt es bei Chrome OS Flex noch einen riesigen Haken: Android-Apps funktionieren nicht mit dem Schmalspur-Betriebssystem. Nutzerinnen und Nutzer, die keine Lust auf Google-Software haben, sind daher auf Browserversionen von Teams, Word, Netflix, Spotify und Co. angewiesen.

Grundsätzlich ist Chrome OS Flex voll auf Onlinetools ausgelegt – das System läuft im Test aber auch im Offline-Modus recht rund und ermöglicht rudimentäre Büroaufgaben. Textdokumente etwa lassen sich im Notfall per Google Docs auch ohne Internetverbindung bearbeiten und mit dem mitgelieferten Datei-Browser auf der Festplatte speichern.

Die Software an sich ist kostenlos. Allerdings sollte Anwenderinnen und Anwendern bewusst sein, dass Google sein Geld mit Nutzerdaten verdient. Mit dem kompletten Betriebssystem kann das Unternehmen ähnlich wie bei Android-Smartphones deutlich mehr Aktivitäten aufzeichnen als allein über eine Suchmaschine und einen Browser.

Vollwertige Betriebssysteme wie Windows, MacOS und Linux kann Google Chrome OS Flex letztlich nicht ersetzen. Wer sich aber lediglich ab und zu durchs Internet klickt, wer hin und wieder Texte bearbeitet oder Tabellen ausfüllt, der kann seinen alten Tower-PC oder sein altes MacBook damit vielleicht wieder attraktiver machen. Die Google-Software verpasst Retro-Rechnern einen ordentlichen Geschwindigkeitsschub und nimmt mit aktueller Systemsoftware die Angst vor Sicherheitslücken.