Fotostrecke

Surfrechner mit Kickstart: Samsungs Chromebooks kommen

Foto:

Chromebook-Verkaufstart Samsung greift mit Google-Netbook in Europa an

Samsung bringt die Chromebooks nach Europa. Die Rechner mit dem Google-Betriebssystem sollen immer online sein, Dateien und Programme in der Datenwolke speichern, Schadsoftware und Programmabstürzen keine Chance lassen. Allerdings: Ohne Netzverbindung geht vorerst nichts.

Das hat gedauert: Rund zweieinhalb Jahre ist es her, dass Google ein PC-Betriebssystem auf Basis des Chrome-Browsers angekündigt hat, jetzt kommt der erste Computer mit der neuen Software in Europa auf den Markt, das Samsung Chromebook Series 5. Googles Chrome-Chefentwickler Sundar Pichai stellte das Gerät am Mittwochabend in London europäischen Journalisten vor. Die Kurzfassung seiner Werbung: Das Chromebook sei weder Note- noch Netbook, funktioniere ganz anders, sei viel moderner und breche mit viele alten Traditionen.

Das bedeutet vor allem, dass ein Chromebook sich nicht wie ein gewöhnlicher PC verhält, nicht so ausssieht und auch nicht so bedient wird, wie man es von Windows-PC gewöhnt ist. Es gibt keinen Desktop und auch keine Ordner, es müssen keine Programme installiert werden und es gibt auch keine normale Festplatte. Die braucht es auch nicht, argumentiert Pichai, denn Speicher gibt es in der Cloud, der Datenwolke. Fotos soll man bei Google Picasa ablegen, E-Mails bei Google Mail und Musik bei Google Music - zukünftig. Deshalb soll das Chromebook mit 16 GB Speicher auskommen, einer Menge, die heute jeder billige MP3-Player bereithält.

Dasselbe Prinzip gilt bei Chromebooks für Software. Auch die besorgt sich der Anwender aus dem Netz. Google hat dafür einen Onlineshop eingerichtet, den Chrome Web Store. Das Wichtigste ist auch schon da: Eine Version des Spiels "Angry Birds" für Chromebooks. Ansonsten ist eine Grundausstattung bereits vorinstalliert: Google Mail, Google Calender, Google Text und Tabellen, die unvermeidliche YouTube-App und noch ein paar andere Anwendungen.

Offline kommt später

Das hört sich alles prima an und funktioniert im ersten Test auch wunderbar. Sogar Pichais Behauptung, man brauche nur drei bis vier Minuten, um ein Chromebook auszupacken, einzuschalten und alle Einstellungen vorzunehmen. Dann ist das Chromebook einsatzbereit - das bestätigt sich beim Testgerät. Allerdings geht das nur so schnell, wenn man sowieso schon Google-Kunde ist, ein Google-Konto hat, Mails und Texte bei dem US-Unternehmen lagert.

Der Knackpunkt ist, dass man eine Online-Verbindung braucht, um mit den Cloud-Apps und Cloud-Daten arbeiten zu können. Fällt diese Verbindung aus, taugt das Gerät nur noch als Buchstütze. Mit der W-Lan-Version sollte man sich also nicht zu weit vom nächsten Hotspot entfernen, bei den Geräten mit Mobilfunkmodem sollte man von den Netzbetreibern ausgesparte Gegenden meiden. Im Flugzeug ist das Chromebook damit unbenutzbar. Das soll bald besser werden, verspricht Pichai. Noch im Sommer werde Google seine Mail-, Kalender- und Bürosoftware so in HTML5-Code umarbeiten, dass man damit auch offline arbeiten kann. Er selbst habe das mit einer Vorabversion gerade auf dem Flug nach Europa ausprobiert.

Updates kommen automatisch

Wenn es soweit ist, werden Anwender selbst gar nicht umstellen müssen für den Offline-Modus. Sie sollen einfach irgendwann feststellen, dass Googles Apps auf einmal auch ohne Netzanbindung funktionieren. Auch das ist eine Neuerung, die Chrome OS von anderen Betriebssystemen unterscheidet: Updates muss man nicht herunterladen, sie werden von Google automatisch auf die Geräte überspielt. Alle sechs Wochen werde es ein solches Update geben, versichert der Chrome-Chef.

So werde auch dafür gesorgt, dass alle Anwender immer die neusten Flicken für eventuellen Sicherheitslücken auf ihren Rechnern haben. Allerdings sei es in den vergangenen zwei Jahren noch niemandem gelungen, Schadsoftware in Chrome OS einzuschleusen. Viren, Würmer und Trojaner seien wegen der ausgeklügelten Sicherheitsmechanismen quasi bedeutungslos.

Dafür, dass das so bleibe, sorge auch die Hardware. In Samsungs Chromebook steckt nämlich ein TMP-Chip (Trusted Platform Module) von Infineon. Der Chip kontrolliere bei jedem Systemstart aufwendig jedes einzelne Bit, das in den Speicher geladen werden. Sollte die Sicherheitsprüfung ergeben, dass eine Anwendung fehlerhaften oder schädlichen Code einzuschleusen versucht, würde sie den Start unterbinden und mit einer zweiten, sauberen Version der Systemsoftware neustarten.

Dieses Kontrollsystem macht Chromebooks allerdings auch zu einer geschlossenen Plattform - man kann nicht einfach so Software installieren, die Google nicht abgesegnet hat.

Reichen ein paar Tage?

Dass dieser aufwendige Kontrollvorgang das Gerät nicht ausbremst, zeigt der erste Start des Testgeräts. Rund neun Sekunden dauert es vom Druck auf die Einschalttaste bis zum betriebsbereiten Rechner. Der SSD-Speicher mag seinen Anteil an dieser Geschwindigkeit haben, das schlanke System allerdings auch. Das Kürzel SSD steht für den englischen Begriff Solid State Drive. Er bezeichnet Festplatten, in denen anstelle der sonst üblichen rotierenden Magnetscheiben Speicherchips verbaut sind.

Wie es sich anfühlt mit einem solchen Rechner umzugehen, damit zu arbeiten, werden wir in Kürze berichten. Google-Manager Caesar Sengupta zufolge haben Testpersonen trotz anfänglicher Zurückhaltung gegenüber dem ungewohnten Betriebssystem sich bereits nach zwei bis drei Tagen so sehr an die Chromebooks gewöhnt, dass sie nicht mehr davon lassen mochten.

Lesen Sie in Kürze unseren ersten Erfahrungsbericht mit dem Laptop, das aus der Wolke kommt. Bei deutschen Online-Händlern sind die Samsung Chromebooks schon im Angebot aufgeführt: Sie sollen Ende Juni erhätlich sein, 399 Euro soll die W-Lan-Version kosten, 449 Euro die Variante mit Mobilfunkmodul.

Dieser Text wurde komplett auf einem Chromebook geschrieben. Die Kapazität des Akkus verringerte sich währenddessen um 16 Prozent, die Software gibt an, dass die verbliebenen 74 Prozent Kapazität für weitere knapp sieben Stunden Dauereinsatz ausreichen sollen. Warten wir ab, ob das klappt.