Computermesse Cebit Willkommen im Wolkenkuckucksheim!

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2. Teil: Wer will in die Wolke?


Messestand auf der Cebit: Software muss nicht mehr installiert werden
dapd

Messestand auf der Cebit: Software muss nicht mehr installiert werden

Neben der wirtschaftlichen Entwicklung der letzten Jahre ist der Schlingerkurs der Cebit für ihre nachlassende Popularität verantwortlich. Professioneller sollte die Messe werden, mehr Fachpublikum anlocken. Vor einigen Jahren wies die Messegesellschaft den Aussteller Sony sogar an, eine Playstation vom Messestand zu entfernen. Die Cebit sollte für solchen Daddelkram kein Forum sein. Davon ist heute keine Rede mehr. Stattdessen versucht man längst wieder, das Massenpublikum anzulocken. In diesem Jahr mit einem Bandwettbewerb und einem Computerspiele-Turnier.

Über die staubtrockenen Themen, die zum Messetrend erkoren wurden, kann das aber kaum hinwegtrösten. "Work And Life With the Cloud", "Leben und arbeiten mit der Wolke" heißt das Top-Thema der Messe. Es soll also um den Trend gehen, dass Dienste, Speicherplatz und Software in der Wolke ablaufen, statt auf dem eigenen Computer. Der dient mit seinem Webbrowser nur noch als Fenster zu jener nebulösen Datenwolke. Eigentlich ein spannendes Thema, schließlich haben fast alle Computer-Nutzer schon Bekanntschaft mit Cloud-Diensten gemacht, ohne das notwendigerweise zu wissen. Einer Umfrage des Branchenverbands Bitkom zufolge kennt nur jeder achte Internetnutzer überhaupt diesen Begriff. Und das, obwohl viele von ihnen Cloud-Angebote wie Google Mail, Last.FM und Dropbox längst nutzen.

Auf der Cebit-Website wird mit Blick auf Cloud Computing aber unnötig verschwurbelt von Wachstumstreibern und Zukunftsmärkten, von "IaaS" (Infrastructure as a Service) , "Paas" (Platform as a Service) und "SaaS" (Software as a Service) gesprochen. Lust auf mehr macht das nicht. Dabei hätten es Anbieter von Cloud-Services dringend nötig, besser über ihre Angebote zu informieren, wie eine Umfrage im Auftrag des Branchenverbands Bitkom ergab. Demnach fürchten 21 Prozent der Befragten Datenverluste bei Cloud Computing, eine Sorge, die durch Googles Mail-Desaster vom Wochenende bestätigt worden zu sein scheint. Weitere 20 Prozent verweigern sich Cloud-Diensten zudem, weil sie Bedenken wegen des Datenschutzes haben. Der von der Cebit so fluffig angepriesene "Megatrend der IKT-Branche", ist also, zumindest bei Otto-Normal-User, noch reichlich dunkel umwölkt.



insgesamt 23 Beiträge
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static_noise 28.02.2011
1. .
Die Cebit ist eine langweilige Produktmesse von Großkonzernen die der Zeit hinterher laufen. CloudComputing ist also der Kracher? Das ist ein thema welches in der IT eigentlich schon längst durch ist, Google, Mazon und Co beiten seit Jahren Plattformen die 'ready 2 use' von jedem genutzt werden können. Diejenigen die sich intensiv damit beschäftigen sind schon wider ernüchtert (wie bei SOA oder der sonstigen grad durch's Dorf getriebenen Sau). Siemens, Telekom und Co sind keine Inovationstreiber mehr, nur noch 'Vermarkter'. letztes Jahr meinte jeder seine 3D Monitore/Brillen/Software verticken zu müssen. Uns fehlt eine Computermesse in Deutschland welche sich mit den Themen von morgen beschäftigt, nicht mit denen von vorgestern welche jetzt in Blech oder Plastik gegossen und nem Firmenaufkleber versehen verkauft wird. Innovative Vorträge sucht mal in Hannover doch vergebens...
Paul Panda 28.02.2011
2. Nebulös
Cloud Computing (vor allem für Privatanwendungen) halte ich für ein typisches Beispiel dafür, dass man den Anwendern etwas aufschwatzt, wenn der Markt gesättigt ist: Die PCs, um die es früher ausschließlich ging, sind ausgereift und lassen kaum noch Wünsche offen. Statt sich damit zufrieden zu geben, dass jetzt endlich wesentlich mehr als 640 mal 480 Pixel, mehr als 16 Farben und mehr als 64 Kilobytes Speicherplatz für'n "Apple" und'n Ei zur Verfügung stehen, die Computer endlich so schnell sind, dass keine Grafik mehr ruckelt und auch komplizierte Berechnungen in Windeseile ausgeführt werden - stattdessen also sollen wir jetzt, wo wir endlich genug Platz auf der Platte haben, unsere Software und wahrscheinlich auch unsere Daten irgendwo im Internet auslagern. Darin sehe ich ich keinerlei Vorteile, und wenn ich an den Datenschutz denke, sogar nur Nachteile. Das Argument, mit Cloud auch Software verwenden zu können, an die man sonst nur für teueres Geld rankommt, halte ich für vorgeschoben: Die meisten User nutzen doch sowieso kaum mehr als Word und Power Point. Und Software für die meisten anderen Zwecke kostet auch nicht gerade ein Vermögen - und brauchbare alte Versionen gibt's zum Teil gratis oder ermäßigt. Nein: Mein Computer und meine Daten gehören mir - da lasse ich mir von irgendwelchen "Wolken" nicht den Kopf vernebeln und vorschreiben, welche Software ich verwende.
Meckermann 28.02.2011
3. Dem Kunden zum Nachteil
3D und Cloud: zwei "Trends" die dem Kunden derzeit mit der Brechstange schmackhaft gemacht werden. Ersters verbessert das visuelle Erlebnis bestensfalls marginal und kostet dafür Unsummen, letzteres könnte zwar im Grunde eine echte Bereicherung des Lebens sein, wird aber in erster Linie benutzt, um den Kunden weitgehend zu entrechten. Tolle Aussichten...
franziskus, 28.02.2011
4. Zurück zu den Wurzeln
Zitat von sysopMehr als 300.000 Besucher erwartet Hannover zur Computermesse Cebit. Von 3-D-Welten über Roboter bis zu Sicherheitssoftware präsentieren IT-Aussteller ihre neuesten Erfindungen - wichtigstes Thema in diesem Jahr: Cloud Computing. http://www.spiegel.de/netzwelt/gadgets/0,1518,748141,00.html
Anfang der 80er Jahre war man der Meinung, dass jeder seinen eigenen Rechner haben sollte. Die Experten, die vor den Problemen warnten, wurden als "rückständig" hingestellt. Bunte graphische Bildschirmoberflächen und dazu noch mein ganz persönlicher Computer. Welch ein Paradies für den Anwender. Im Nachhinein stellt es sich als eine der größten und auch teuersten "Dummheiten" in der Geschichte der Datenverarbeitung dar. Bestücken Sie 40000 PCs in einem Unternehmen mit neuer Software, dann wissen Sie, welche Probleme damit verbunden sind. Es war auch schon früher nicht so einfach, ein Dutzend Rechner zu aktualisieren. Dies trifft ja nicht nur auf firmeninterne Anwendungen zu, sondern auch auf den Privatanwender. Welcher Privatanwender führt alle Updates durch oder sichert regelmäßig seine Daten? Von der Datensicherheit ganz zu schweigen. Kehren wir zurück zu den Wurzeln. Die Anwender arbeiten mit Thin-Clients (ziemlich dummen Terminals). Die Programme und Daten für Firmenanwendungen befinden sich auf wenigen zentralen Rechnern. Für Privatanwendungen werden die Programme runtergeladen. Die Daten liegen entweder auf der eigenen Festplatte oder werden von Service-Rechenzentren zur Verfügung gestellt. Nur so nebenbei, weil wir schon bei Thema sind. Machen Sie einen Test. Entfernen Sie gedanklich alle Texte zu den graphischen Symbolen auf Ihrem Computer. Können Sie ihn noch bedienen? Jetzt die Gegenprobe. Entfernen Sie alle graphischen Symbole. Können Sie ihn bedienen? Auch die Steuerung mit der Maus ist für die Bearbeitung bei kommerziellen Aufgaben eine Belastung. Ich möchte nicht wissen, welch wirtschaftlicher Schaden entsteht, weil der Anwender, neben der Tastatur, noch die Maus bedienen muss. Welch ein Irrsinn
barlog 28.02.2011
5. Titel
CloudComputing - was für eine schöne Entwicklung, dank derer wir bald alle nur noch noch mit kleinen bis mittelgroßen Handschmeichlern herumlaufen werden, auf denen wir unsere täglichen, den eigenen Computer/Smartphone schwer überfordernden, täglichen Aufgaben (e-Mails schreiben, Bilder angucken, spon lesen, Männchen hüpfen lassen...) erledigen werden. Möglich machen das liebe Menschen, die die schrankgroßen Rechner, die wir momentan noch zur Ablage unserer Familienfotos zu Hause stehen haben, online selbstlos zur Verfügung stellen, natürlich verbunden mit dem großen Ehrenwort, niemals den kleinsten Blick in unser persönliches Fach zu werfen, außer um regelmäßig BackUps zu machen. Falls mal was kaputt geht im Cloudcomputerraum . ... So wird alles schöner für die vielen Millionen Menschen, die dringend darauf angewiesen sind, ihre Familienfotos von jedem Ort der Welt abrufen zu können. Die einzigen Menschen, die irgendwann noch ihre Daten auf altmodischen Computern mit Speichermedien für sich behalten wollen, werden die Terroristen sein, die gerade dadurch von der Obrigkeit ganz leicht gefunden werden können. Nur Pessimisten könnten vermuten, daß irgendwann mal das ganze Internet von bösen Menschen, die für dessen Nutzung Geld verlangen und sich heimlich mit konservativen Politikern treffen, übernommen werden könnte - ich glaube das nicht, denn ich möchte nicht fortschrittsfeindlich erscheinen.
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