Datenabfrage bei Amazon-Tochter Ring Ich weiß, wann du letzten Herbst geklingelt hast

Ob Spiele-App oder Suchmaschine, ob Videodienst oder soziales Netzwerk: Fast jeder Dienst sammelt große Menge personenbezogener Daten. Aber wie ist das bei einer smarten Türklingel? Die BBC hat nachgefragt.
Ring-Türklingel: Eine Datenauskunftsanfrage der BBC liefert interessante Erkenntnisse

Ring-Türklingel: Eine Datenauskunftsanfrage der BBC liefert interessante Erkenntnisse

Foto: Martin Lou/ Ring

Die Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) hat bei vielen Menschen keinen guten Ruf. Dabei ist sie für Bürger, die wissen wollen, welche Firma welche Informationen über sie speichert, ein praktisches Instrument. Datenauskünfte, die mit Bezug auf die DSGVO angefordert werden, erlauben es Anfragenden oft, an Daten zu kommen, die über Standardkanäle wie Web-Interfaces gar nicht zugänglich wären .

In Großbritannien hat nun jemand im Auftrag der BBC bei der Amazon-Tochter Ring nachgefragt , was eigentlich deren Sicherheitssysteme so erfassen. Konkret ging es um eine smarte Türklingel von Ring namens Video Doorbell 2, die von Ende September 2019 bis Anfang Februar 2020 in Kombination mit der Ring-App genutzt wurde. Gegen Ende des Zeitraums gehörte auch eine Ring Indoor Cam zum eingesetzten Equipment, eine Sicherheitskamera für Innenräume.

Insgesamt, so entnimmt es die BBC den von Ring als Antwort übermittelten Daten, wurden im genannten Zeitraum 1939 "Kamera-Events" mit genauer Dauer dokumentiert. In diese Datenkategorie fallen demnach zum Beispiel Bewegungen, die von den Kamerasensoren entdeckt wurden, aber auch Betätigungen der Klingel, wenn ein Besucher auf ihren Knopf drückt.

Jeder Zoom wurde nachgehalten

Nachgehalten wurde außerdem jede Interaktion mit Rings App, heißt es: Im Fall des BBC-Tests geht es dabei um 4906 Aktionen innerhalb von 129 Tagen, von jedem Öffnen der App bis zu jedem Hineinzoomen beim Anschauen von Videomaterial. Genauso wurde dokumentiert, von wann bis wann über die App ein Livevideo abgerufen wurde.

"Das Interessanteste sind nicht die Daten selbst, sondern die Muster und Erkenntnisse, die sich aus ihnen ableiten lassen", sagte die Datenschutzexpertin Frederike Kaltheuner der BBC: "Wer weiß, wann, wie oft und wie lange jemand an der Tür klingelt, hat Hinweise darauf, wann jemand zu Hause ist." Kaltheuner verweist darauf, dass Datenabfragen meistens nur die "Spitze des Eisbergs" der Datenmengen zeigen, die Firmen sammeln.

Teil der Daten, die Ring zur Verfügung stellte, waren nach BBC-Angaben auch genaue Breiten- und Längenkoordinaten der beiden Geräte. Über ein Onlinetool sei es auf Basis dieser Zahlen möglich gewesen, deren tatsächlichen Einsatzort herauszufinden, heißt es.

Videoaufnahmen dagegen waren nicht im Datenpaket enthalten. Ring begründete dies damit, dass solche Aufnahmen nicht gespeichert würden. Eine Ausnahme bestehe für Kunden mit einem kostenpflichtigen Basis- oder Plus-Abonnement bei Ring : Hier hätten Kunden die Möglichkeit, Videos herunterzuladen. Geschehe dies nicht, würden auch jene Videos nach 30 Tagen gelöscht.

Welche Informationen das Unternehmen grundsätzlich erhält und verarbeitet, lässt sich in Rings Datenschutzerklärung nachlesen .

Zu einer Nachfrage der BBC, ob die Ring-Daten mit denen von Amazons Onlinehandelsdaten kombiniert werden könnten - etwa, um abzuschätzen zu können, wann eine Familie gut Pakete annehmen könnte -, gab Ring keinen Kommentar ab.

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