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27. November 2016, 13:37 Uhr

Datentarife im EU-Vergleich

Wo unbegrenzt Surfen noch richtig Spaß macht

Wer in Deutschland übers Mobilfunknetz surft, wird schnell ausgebremst. In einigen EU-Ländern sieht das anders aus: Hier gibt es schnelles Internet ohne Volumenbeschränkung für unter 30 Euro pro Monat. Die Übersicht.

Deutschland ist, zumindest was das Preis-Leistungs-Verhältnis im Mobilfunksektor angeht, ein Entwicklungsland. Von Angeboten wie in Dänemark oder auch in Polen, können die Verbraucher nur träumen. Eine ungedrosselte Datenflatrate gibt es dort bereits für etwas mehr als 15 Euro.

Dabei ist es nicht so, dass es hier keine Flatrate im schnellen Segment gäbe - nur kostet sie bei der Telekom sagenhafte 199,95 Euro im Monat. Dem deutschen Verbraucher würde es wahrscheinlich schon reichen, wenn das Preis-Leistungs-Verhältnis sich dem von Frankreich oder Großbritannien annähern würde.

Wie die Infografik der Woche von Statista und SPIEGEL ONLINE zeigt, gibt es dort Datenpakete von 50 beziehungsweise 30 Gigabyte monatlich für unter 30 Euro. Im aktuellen EU-weiten Vergleich, bei dem allerdings nicht jeder deutsche Tarif berücksichtigt wurde, wird ein O2-Angebot über 6 Gigabyte für 26,49 Euro als günstigster Tarif geführt.

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Die Hauptursache für die vergleichsweise hohen Preise in Deutschland ist dabei wohl die Marktmacht der großen Anbieter. Telefónica (34 Prozent), Vodafone (33,3) und die Deutsche Telekom (32,7) teilen sich den Betrieb der Netze auf. Ihnen stehen laut comScore fast 50 Millionen Smartphone-Nutzer gegenüber: ein Großteil als direkte Kunden, der Rest indirekt über die sogenannten Mobilfunkdiscounter. Diese Firmen verfügen über kein eigenes Mobilfunknetz und nutzen die Netz-Infrastruktur von Telefonica, Vodafone und der Telekom mittels Kooperationsverträgen.

Zum begrenzten Wettbewerb kommen, als zusätzlicher preistreibender Faktor, die Kosten des Netzausbaus hinzu. Die Versteigerung der Lizenzen in Deutschland fiel für die Mobilfunkbetreiber im europäischen Vergleich sehr teuer aus, und der LTE-Ausbau wird, im Gegensatz zu manch anderem Land, nicht staatlich subventioniert. Die Kosten werden so an die Verbraucher weitergegeben.

Das finnische Beratungsunternehmen Rewheel, das die Marktübersicht Digital Fuel Monitor erhebt, unterscheidet in der EU drei Kategorien von Märkten: die mit funktionierendem, solche mit geringem und jene ohne funktionierenden Wettbewerb. Deutschland belegt auf der entsprechenden Index-Liste den letzten der 28 Plätze in der EU - hinter Bulgarien, Griechenland und Ungarn.

Mehr Infografiken der Woche finden Sie auf unserer Themenseite.

loe/pst

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