Dell Latitude Z600 Das Keine-Kabel-Notebook

Ein paar Strippen brauchte bisher jedes Laptop, zumindest beim Aufladen für das Netzteil. Aber das ist jetzt vorbei. PC-Hersteller Dell hat einen Mobilcomputer vorgestellt, der nicht mal das braucht - es lädt drahtlos.

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Was ist denn bloß mit Dell los? Von Zeit zu Zeit stellt der riesige PC-Hersteller neue PC oder Notebooks vor, die zwar ansehnlich, aber nicht gerade sensationell sind. Das Unternehmen folgt halt aktuellen Trends, sprang beispielsweise reichlich spät auf den Netbook-Zug auf. Und jetzt das: Ein Dell-Notebook, das der Konkurrenz unmissverständlich zeigt, wo der Hammer hängt, das Latitude Z600. Es ist besonders leicht, und man braucht kein einziges Kabel, um damit arbeiten zu können, nicht mal ein Stromkabel.

Möglich macht's eine Drahtspule, die in den Boden des Laptops eingebaut ist. Über diese Spule wird Strom von einer speziellen Ladestation aus in den Akku des Geräts gepumpt. Die Lösung ist elegant, aber eigentlich nicht neu. Schon vor dem zweiten Weltkrieg bedienten sich Berliner Schrebergärtner einer ähnlichen Technik, um die Energie von Radiowellen in Strom umzuwandeln, mit dem sie ihre Feierabendgärten beleuchteten.

Dann aber geriet die eigentlich simple aber technisch schwer umzusetzende Technik lange in Vergessenheit. Bis sie vor einigen Jahren wieder hervorgeholt wurde. Nun arbeitet sogar Chip-Hersteller Intel daran, neue Techniken für die drahtlose Stromübertragung zu entwickeln. Der Smartphone-Hersteller Palm dürfte das erste Unternehmen sein, das eine Lösung anbietet, mit der man Handys schnurlos aufladen kann, die Touchstone-Ladestation. Dells Laptop-Lader funktioniert nach demselben Prinzip.

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Aber da endet der Drahtlos-Wahn noch nicht. Wer zusätzlich zu den 1.500 Euro, die für das Z600 fällig werden, noch die passende drahtlose Docking-Station kauft, muss nicht einmal mehr sein Zubehör auf dem Schreibtisch verkabeln. Laut Dell hat es so etwas bisher noch nicht gegeben. Über das drahtlose Dock lassen sich Tastaturen, Monitore, sogar externe Festplatten an das Gerät koppeln. Wohl, weil etablierte Technologien wie Bluetooth für diese Aufgaben nicht ausreichend Bandbreite bieten, verwendet Dell hierfür die Funktechnik Ultra Wide Band (UWB). Die ist so neu, dass ihre Nutzung erst seit 2008 von der Bundesnetzagentur erlaubt ist.

Sensible Bildschirmeinfassung, Zweitcomputer inside

Dass im Latitude Z600 außerdem noch zwei W-Lan-Module für schnelle drahtlose Netze nach den Standards 802.11g und 802.11n eingebaut sind, verwundert da ebensowenig wie das integrierte Bluetooth-Modul. Eine UMTS-Anbindung soll zumindest optional bestellbar sein.

Aber schon mit der Standardausstattung hat das Z600 einiges aufzubieten, was es von Konkurrenzmodellen abhebt. Da wäre zum Beispiel die Edgetouch-Funktion, die auf Sensoren im Rahmen des Bildschirms basiert. So kann man scrollen, indem man mit dem Finger über den Bildschirmrand fährt. Oder man startet Programme, über eine Symbolleiste, die auf Knopfdruck am Bildschirmrand aufpoppt.

Um nur mal einen Kontakt nachzuschlagen, die Mails abzurufen oder etwas im Web zu suchen, muss man allerdings nicht einmal Windows starten. Eine von Dell als Latitude ON bezeichnete Technik stellt quasi auf Knopfdruck ein Mini-Linux mit den wichtigsten Grundfunktionen bereit. Damit das nicht den Akku leer saugt, steckt im Z600 eine kleine Zusatzplatine mit einem kompletten Mini-Computer auf Basis eines ARM-Prozessors, wie man ihn aus Handys kennt.

Die Konkurrenz schläft nicht

Business-Anwender dürfte vor allem die integrierte Webcam gefallen, denn die taugt nicht nur für Videokonferenzen. Stattdessen kann man mit die 2-Megapixel-Kamera auch als Visitenkartenscanner oder zum Einlesen von Dokumenten benutzen. Damit erklärt sich auch gleich, welche Kundengruppe Dell mit dem Latitude Z600 im Auge hat: Manager, Außendienstler, Geschäftsführer. Die wird auch der Preis von 1.500 Euro, nicht stören. Hinzu kommen, meint man es ernst mit der Drahtlosigkeit, noch mal 200 Euro für die drahtlose Ladestation.

Aber diesen Preis wird manch einer gern zahlen - auch privat. Denn abgesehen von seinen technischen Finessen macht das Z600 auch optisch einiges her. Nur knapp über zwei Kilo schwer und wenig mehr als einen Zentimeter dick, trägt es trotz seines üppigen 16-Zoll-Bildschirms unterwegs nicht allzusehr auf.

Darüber, wann und zu welchem Preis das echt drahtlose Notebook in Deutschland erhältlich sein wird, schweigt der Hersteller bislang. Viel Zeit sollte sich Dell damit aber nicht lassen, denn die Konkurrenz steht schon in den Startlöchern. Kaum machte die Kunde vom ultra-drahtlosen Dell die Runde, kündigte Konkurrent Toshiba ein Produkt an, dass zumindest in dieselbe Richtung weist: Eine Docking-Station, die per Wireless-USB ganz ähnliche Freiheiten bieten soll wie das Z600. Nur, dass Toshibas Lösung per USB-Adapter mit nahezu jedem aktuellen Notebook zusammenarbeiten kann.

Jetzt müssen die Japaner nur noch das Stromkabel loswerden.



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