Designfehler Problem-Chips kosten Intel Hunderte Millionen Dollar

Ein fehlerhafter Chip wird den Halbleiter-Hersteller Intel rund 300 Millionen Dollar kosten, prognostiziert das Unternehmen selbst. Ausgerechnet - oder glücklicherweise - ein Chip der neuesten Generation könnte Anwender langfristig arge Probleme bereiten.

Sandy Bridge: Intel muss defekte Chips zurückrufen
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Sandy Bridge: Intel muss defekte Chips zurückrufen


Cougar Point ist schuld. Denn so heißt einer der neuesten Intel-Chips, ein Stück Hightech-Silizium, dass vor allem Notebooks in diesem Jahr neuen Schub geben sollte. Doch Cougar Point hat ein Problem. Er arbeitet nicht wie gewünscht, kann Anwendern langfristig Probleme bereiten und sollte deshalb ausgetauscht werden. Das sagt Intel selbst und kündigt auch schon Hilfe an.

Das Problem: Cougar Point ist in Intels neuen Chipsätzen für die Steuerung von Festplatten und DVD-Laufwerken zuständig. Dabei aber, haben Intels Entwickler nun festgestellt, kann es mit der Zeit zu Schwierigkeiten kommen. "In einigen Fällen kann sich die Leistung der Serial-ATA-Anschlüsse (SATA) mit der Zeit verschlechtern und potentiell die Leistung von Festplatten- DVD-Laufwerken und ähnlichen Geräten verschlechtern oder deren Betrieb stören", heißt es in einer Mitteilung des Konzerns.

Die Produktion der fehlerhaften Chips sei bereits eingestellt und ein neues Design entwickelt worden, bei dem der fragliche Fehler behoben wurde. Die Produktion der neuen Version sei bereits aufgenommen worden.

Gut für Intel ist, dass die fehlerhaften Chips erst seit dem 9. Januar an die Hersteller ausgeliefert worden sind, sich die Gesamtzahl der betroffenen Geräte also noch in Grenzen halten dürfte - zumindest für Intel-Verhältnisse, schließlich ist das US-Unternehmen der weltweit größte Chip-Hersteller. Allerdings ist Cougar Point Teil der Chips, die zu Intels neuem Notebook-Prozessor mit dem Codenamen Sandy Bridge gehören.

700 Millionen Dollar Gesamtkosten

Auf diese Technologie haben viele Notebook-Hersteller sehnlich gewartet, weil sie ihnen Argumente für den Verkauf neuer Laptop-Modelle in die Hände spielt: Längere Akkulaufzeiten, Genügsamkeit, wenn man sie will, Turbo-Leistung, wenn man sie braucht, verspricht Intel für das neue System. Nichts wirklich Neues also, aber ein Versprechen, das Intel ersten Tests zufolge offenbar einlösen kann - wenn denn alle Chips ordnungsgemäß funktionieren.

Nun will Intel mit seinen Abnehmern, also den Herstellern von Notebooks und Motherboards, ein System entwickeln, um betroffenen Anwendern einen Austausch der fehlerhaften Komponenten zu ermöglichen. In vielen Fällen dürfte das einen Komplettaustausch der fraglichen Geräte bedeuten. Anwender, die bereits einen Computer auf Basis der neuen Core-i5- oder Core-i7-Quadcore-Prozessoren der Sandy-Bridge-Generation besitzen, sollen sich entweder an Intel oder direkt an den Hersteller ihres Rechners wenden, um das weitere Vorgehen abzusprechen.

Intel erwartet, dass der Umsatz des Konzerns aufgrund der Austauschaktion um 300 Millionen Dollar niedriger als ursprünglich erwartet ausfallen werde. Die Gesamtkosten für Reparatur und Austausch der defekten Chip gibt Intel mit 700 Millionen Dollar an.

Gewaltige Summen, keine Frage. Intels Jahresumsatz dürfte der Faux-pas dennoch kaum beeinflussen. Den zu erwartenden Umsatz für das erste Quartal 2011 gibt der Konzern mit 11,7 Milliarden Dollar an - plus oder minus 400 Millionen Dollar. Da wiegt der Image-Schaden durch den Chip-Tausch deutlich schwerer als der finanzielle Verlust.

mak

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