Devialet Phantom im Test Klein, aber ganz schön LAUT

Guter Klang braucht große Boxen? Ein französischer Hersteller will beweisen, dass es auch anders geht. Wenn nur der Preis nicht wäre.

Matthias Kremp

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In Devialets Werbung zu diesem Lautsprecher steht: "Der ultra-druckvolle Klang des Phantoms weckt intensive emotionale Empfindungen." Das kann ich bestätigen. Als ich das Gerät einmal versehentlich mit voller Lautstärke einschaltete, brach bei mir blanke Panik aus. Weil das Handy, mit dem ich den Lautsprecher aktiviert hatte, schon weggelegt war, sah ich nur einen Ausweg: Schnell den Stecker ziehen! Sonst hätten entweder die Fenster oder meine Ohren Schaden genommen. Wahrscheinlich beides.

Ungefähr so stelle ich mir Konzerte der fiktiven Band Desaster Area vor, die Douglas Adams in seinem Buch "Per Anhalter durch die Galaxis" beschrieben hat. Deren Konzerte sollen ja am besten zu genießen gewesen sein, wenn man sich in einem 37 Meilen von der Bühne entfernten Betonbunker verschanzt.

Die enorme Lautstärke, die mir da entgegenbrüllte, ist umso beeindruckender, wenn man sich die Maße des Klangkörpers vor Augen hält. Mit nur 34 x 25 x 25 Zentimetern ist der Devialet Phantom nur so groß wie ein Kompaktlautsprecher, bringt stattliche 11,6 Kilogramm auf die Waage und sieht aus wie ein extragroßes Tictac-Bonbon.

Allerdings ein 3000-Watt-Bonbon. So viel Leistung erzeugt die Kombination aus analogen und digitalen Verstärkern im Silver Phantom, den ich getestet habe. In einem Meter Entfernung werden daraus bis zu 105 Dezibel Schalldruck. Ein Presslufthammer ist leiser.

Klarer Klang bis ganz nach unten

Wer nicht ganz so viel braucht, kann deshalb auch zur weniger starken Version greifen, die "nur" 750 Watt leistet und 99 Dezibel erreicht. Im Alltag wird man ohnehin kaum Gelegenheit haben, die 3000 Watt des Silver Phantom abzurufen.

Aber wenn man sie abruft, so wie ich es unabsichtlich getan habe, staunt man. Selbst bei brachialer Lautstärke und bassbetonter Musik sind beim Phantom keine Verzerrungen, kein Klirren und kein Gedröhne zu hören. Die Lautsprecherbox wird einfach immer lauter, ohne dabei deutlich an Klangqualität einzubüßen. Und ohne dabei über den Boden zu wandern, was ich angesichts der kompakten Maße befürchtet hatte.

Besser als bei voller Lautstärke kann man die Qualitäten des Phantoms allerdings bei geringerem Pegel genießen. Im ersten Testlauf hörte ich eine fünf Stunden lange Playliste durch und war erstaunt, wie angenehm das Gerät klingt.

Die Musik wirkt klar, Klassikaufnahmen profitieren vom ausgedehnten Frequenzgang, der bis 16 Hertz hinabreichen soll. Bei Pop und vor allem Rock zeigt sich eine sehr feine Detailtreue, die nicht durch überbetonte Bässe gestört wird. Insgesamt ist der Klangeindruck sehr sauber, aber keineswegs steril, was an den analogen Verstärkern liegen mag.

Probleme beim Installieren eines Streamingdienstes

Gesteuert wird das Ganze per App. Am Gehäuse selbst gibt es nur einen Einschaltknopf, ansonsten keine Regler oder Lämpchen. Gut an der App namens Spark ist zunächst einmal, dass es sie für alle wichtigen Betriebssysteme gibt: Windows, Mac OS X, Android und iOS. Sogar eine spezielle Amazon-Variante wird angeboten.

Ein Dämpfer war im Test dann aber, dass die Möglichkeiten, damit Musik über den Phantom auszugeben, beschränkt sind. Auf Handy oder Computer gespeicherte Titel sind abspielbar und auch die Musikbibliothek auf meiner Netzwerkfestplatte kann ich ansteuern. Aber an der Installation eines Streamingdienstes in der Spark-App bin ich gescheitert. Das geht nur mit der Zusatzbox Dialog. Ohnehin werden derzeit nur Deezer, Tidal und Qobuz unterstützt. Weitere sollen zwar folgen, doch davon ist bisher nichts zu sehen.

Fazit

Devialet ist eine außergewöhnliche Lautsprecherbox gelungen, die sehr viel größer klingt als sie ist. Da man die 3000 Watt des Modells Silver - abgesehen von protzigen Meine-ist-lauter-als-deine-Vorführungen - im Alltag ohnehin kaum abrufen wird, kann man sich wohl getrost für die kleinere Version entscheiden und damit auch gleich ein paar Hundert Euro sparen.

Womit wir beim Preis wären - und der tut weh. Der Devialet Phantom kostet 1690 Euro, als Phantom Silver werden 1990 Euro fällig. Und eigentlich will man ja zwei davon haben, um sie als Stereopaar aufstellen zu können. Dann wird es allerdings noch teurer, denn um aus mehreren Phantom-Boxen Stereo- oder Multiroom-Systeme aufzubauen, braucht man auch noch die Anschlussbox Dialog, die weitere 300 Euro kostet.

Vorteile und Nachteile

Sehr klarer Klang

Breites Frequenzspektrum mit sehr tiefen Bässen

Sehr laut ohne Verzerrung

Nur mittelmäßige App

Teuer



insgesamt 25 Beiträge
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Seite 1
pietschko 19.11.2015
1.
Soso, Sie konnten also keine Verzerrung hören.....nun, dann hätten Sie mal messen sollen. Physik lässt sich nicht überlisten. Leistung kann heute wirklich ohne Ende zur Verfügung gestellt werden, nur ist es leider so, dass der Tieftöner trotzdem noch den regeln der Physic unterliegt. Wer aus kleinem Gehäuse tiefen Bass erzeugen will, muss tricksen, also eine schwere Membran in Verbindung mit viele Leistung, und einer Anpassung der Verstärkungskurve per DSP. Klingt in der Theorie gut, nur in der Praxis ist der Tieftöner mit so hohen Anforderungen überfordert. Ich habe die Lautsprecher nun zweimal gehört. Es klang bescheiden. Im Vergleich zu Lachnummern wie Bose oder Sonos sicher besser, aber guter Klang, das ist dann doch etwas anderes. Zu den Verstärkern kann ich allerdings nichts sagen. Diese sollen ja sehr gut sein.
Fletsch 19.11.2015
2. BeoPlay A9
Ich habe eine neue B&O A9, die hervorragend klingt. Dennoch habe ich die Phantom neulich bei Harrods geheort und habe mich totgeaergert.....
a.weishaupt 19.11.2015
3. 3 kw?
3000W klingt nach den unrealistischen Angaben für Kompaktanlagen in den 1980ern. 3 kW Dauerleistung, da könnte man ja keinen Toaster mehr am selben Stromkreis betreiben ohne dass die Sicherung fliegt.
jar.koz. 19.11.2015
4. Bildstrecke Sonos
Verstehe ich das richtig, dass man, um die Sonos-Box zu nutzen, ein Smartphone benötigt? Was ist, wenn man keins hat? Gibt es für diesen Fall einen Workaround?
Referendumm 19.11.2015
5.
Zitat von jar.koz.Verstehe ich das richtig, dass man, um die Sonos-Box zu nutzen, ein Smartphone benötigt? Was ist, wenn man keins hat? Gibt es für diesen Fall einen Workaround?
Nun, Sie brauchen halt etwas Elektronik, um die netzwerkfähigen Lautsprecher oder die Sonos-Connect ansteuern zu können. Die haben doch alle keine bzw. nur rudimentäre Tasten. Wie soll so etwas denn sonst funzen? Selbst viele moderne TVs haben kaum noch Tasten am Gerät - eine Fernbedienung ist dort also auch nötig. Sie können den Sonos-Krempel mit einem Smartphone oder jedem anderen netzwerkfähigen Elektronikdingsbums ansteuern. Mittels "Wine" sogar mit einem Linux-Rechner - imho. Für die Apfel-Sachen á la iPad, iPhon und Mac oder dem Android-Zeugs bietet Sonos ne kostenlose App an - dito für Windows-PC (leider nicht für die Nokia-Smartphones). Nur für Linux nichts, was eigentlich lustig ist, denn der Sonos-Krempel beruht auf Linux.
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