Sicherheitslücke bei Packstationen Hacker konnten Pakete klauen

Eine neue Komfortfunktion hat das Sicherheitssystem von Packstationen angreifbar gemacht, berichtet das Computermagazin "c't". Fremde konnten Paketfächer unerlaubt öffnen.

Postbote an einer DHL-Packstation
DPA

Postbote an einer DHL-Packstation


Eine Schwachstelle im Sicherheitssystem von Packstationen hat es Fremden ermöglicht, auf die Paketfächer der rund acht Millionen Packstation-Nutzer zugreifen. Das berichtet das Computermagazin "c't" in seiner nächsten Ausgabe, die am Samstag erscheint. Mittlerweile hat DHL die Sicherheitslücke geschlossen.

Die Motivation Krimineller, die Paketfächer von DHL-Kunden zu kapern sei nicht etwa, dass diese es darauf abgesehen haben, normale Pakete zu stehlen. Vielmehr könnten die Daten von den Tätern genutzt werden, um sich illegale Waren, beispielsweise Drogen, zuschicken zu lassen. Würde der Missbrauch entdeckt, gerieten zunächst die Opfer in Erklärungsnot.

Entdeckt wurde das Problem von dem Sicherheitsexperten Hanno Heinrichs, der sich damit an die "c't" wandte. Die Lücke war demnach durch die Einführung einer neuen Komfortfunktion in der App "DHL Paket" entstanden. Per Update war die Software um die Möglichkeit erweitert worden, sogenannten mTANs zu empfangen. Diese Zahlenkombination benötigt man, um Pakete aus einer Packstation abzuholen.

Die App machte es Betrügern leichter

Bis dahin waren die mTANs per SMS an die Kunden geschickt worden. Das ist ein vergleichsweise sicheres System, weil man solche SMS nur empfangen kann, wenn man Zugriff auf die Handynummer des Opfers hat. Zwar sei es möglich, die bei DHL hinterlegte Nummer des Empfängers zu ändern, schreibt die "c't", doch das sei mit erheblichem Aufwand verbunden.

mTAN-Funktion in der "DHL Paket"-App

mTAN-Funktion in der "DHL Paket"-App

Viel leichter sei es hingegen gewesen, mTANs abzufangen, die per Internet an die "DHL Paket"-App geschickt wurden. In Kombination mit den Zugangsdaten des Opfers, die sich Kriminelle beispielsweise durch Spearphishing oder einen Keylogger verschaffen könnten, sei es damit möglich gewesen, Paketfächer unerlaubt zu öffnen. Das Computermagazin konnte diese Methode dem Bericht zufolge erfolgreich nachvollziehen.

Betrug per Darknet-Tool

Am 8. Juni habe die Redaktion DHL über ihre Erkenntnisse informiert, heißt es weiter. Das Unternehmen habe jedoch zunächst keine Gefahr gesehen, erklärte, dass "durch dieses zusätzliche Angebot kein erhöhtes Sicherheitsrisiko" entstehe.

Acht Tage später, so berichtet die "c't" habe sich diese Haltung allerdings geändert. Experten des Unternehmens seien darauf aufmerksam geworden, dass im sogenannten Darknet bereits ein Tool verkauft wurde, "mit dem jedermann die Lücke ausnutzen konnte, um sich Pakete im Namen legitimer Packstation-Kunden liefern zu lassen". In Foren habe es "zahlreiche Danksagungen zufriedener Käufer" gegeben.

Lücke geschlossen

Laut "c't" hat DHL daraufhin sofort "risikomindernde Maßnahmen" ergriffen, welche Missbrauchsversuche erkennen und verhindern sollen. Am Montag teilte das Unternehmen der Zeitschrift mit, dass man die Übertragung von mTANs an die DHL-App aus Sicherheitsgründen abschalten werde.

In der App wird die mTAN-Funktion am Mittwoch allerdings noch angezeigt und als Komfortmerkmal beworben: "Aktivieren Sie Push-Mitteilungen und lassen Sie sich die mTAN für die Abholung an der Packstation in der App anzeigen." Ruft man die Funktion jedoch als registrierter Nutzer auf, erscheint die Fehlermeldung: "Diese Aktion kann zurzeit nicht ausgeführt werden. Bitte versuchen Sie es später erneut."

Schad- und Spähsoftware
Klicken Sie auf die Stichworte, um mehr zu erfahren
Trojaner
Wie das Trojanische Pferd in der griechischen Mythologie verbergen Computer-Trojaner ihre eigentliche Aufgabe (und Schädlichkeit!) hinter einer Verkleidung. Meist treten sie als harmlose Software auf: Bildschirmschoner, Videodatei, Zugangsprogramm. Sie werden zum Beispiel als E-Mail-Anhang verbreitet. Wer das Programm startet, setzt damit immer eine verborgene Schadfunktion ein: Meist besteht diese aus der Öffnung einer sogenannten Backdoor , einer Hintertür, die das Computersystem gegenüber dem Internet öffnet und durch die weitere Schadprogramme nachgeladen werden.
Virus
Computerviren befallen vorhandene Dateien auf den Computern ihrer Opfer. Die Wirtsdateien funktionieren – zumindest eine Zeit lang - weiterhin wie zuvor. Denn Viren sollen nicht entdeckt werden. Sie verbreiten sich nicht selbständig, sondern sind darauf angewiesen, dass Computernutzer infizierte Dateien weitergeben, sie per E-Mail verschicken, auf USB-Sticks kopieren oder in Tauschbörsen einstellen. Von den anderen Schad- und Spähprogrammen unterscheidet sich ein Virus allein durch die Verbreitungsmethode. Welche Schäden er anrichtet, hängt allein vom Willen seiner Schöpfer ab.
Rootkit
Das kleine Kompositum führt die Worte "Wurzel" und "Bausatz" zusammen: "Root" ist bei Unix-Systemen der Benutzer mit den Administratorenrechten, der auch in die Tiefen des Systems eingreifen darf. Ein "Kit" ist eine Zusammenstellung von Werkzeugen. Ein Rootkit ist folglich ein Satz von Programmen, die mit vollem Zugriff auf das System eines Computers ausgestattet sind. Das ermöglicht dem Rootkit weitgehende Manipulationen, ohne dass diese beispielsweise von Virenscannern noch wahrgenommen werden können. Entweder das Rootkit enthält Software, die beispielsweise Sicherheitsscanner deaktiviert, oder es baut eine sogenannte Shell auf, die als eine Art Mini-Betriebssystem im Betriebssystem alle verdächtigen Vorgänge vor dem Rechner verbirgt. Das Gros der im Umlauf befindlichen Rootkits wird genutzt, um Trojaner , Viren und andere zusätzliche Schadsoftware über das Internet nachzuladen. Rootkits gehören zu den am schwersten aufspürbaren Kompromittierungen eines Rechners.
Wurm
Computerwürmer sind in der Praxis die getunte, tiefergelegte Variante der Viren und Trojaner. Im strengen Sinn wird mit dem Begriff nur ein Programm beschrieben, das für seine eigene Verbreitung sorgt - und der Programme, die es transportiert. Würmer enthalten als Kern ein Schadprogramm , das beispielsweise durch Initiierung eines eigenen E-Mail-Programms für die Weiterverbreitung von einem befallenen Rechner aus sorgt. Ihr Hauptverbreitungsweg sind folglich die kommunikativen Wege des Webs: E-Mails, Chats, AIMs , P2P-Börsen und andere. In der Praxis werden sie oft als Vehikel für die Verbreitung verschiedener anderer Schadprogramme genutzt.
Drive-by
Unter einem Drive-by versteht man die Beeinflussung eines Rechners oder sogar die Infizierung des PC durch den bloßen Besuch einer verseuchten Web-Seite. Die Methode liegt seit einigen Jahren sehr im Trend: Unter Ausnutzung aktueller Sicherheitslücken in Browsern und unter Einsatz von Scripten nimmt ein auf einer Web-Seite hinterlegter Schadcode Einfluss auf einen Rechner. So werden zum Beispiel Viren verbreitet, Schnüffelprogramme installiert, Browseranfragen zu Web-Seiten umgelenkt, die dafür bezahlen und anderes. Drive-bys sind besonders perfide, weil sie vom PC-Nutzer keine Aktivität (wie das Öffnen einer E-Mail) verlangen, sondern nur Unvorsichtigkeit. Opfer sind zumeist Nutzer, die ihre Software nicht durch regelmäßige Updates aktuell halten - also potenziell so gut wie jeder.
Botnetz
Botnets sind Netzwerke gekidnappter Rechner - den Bots. Mit Hilfe von Trojaner-Programmen, die sie beispielsweise durch manipulierte Web-Seiten oder fingierte E-Mails auf die Rechner einschleusen, erlangen die Botnet-Betreiber Zugriff auf die fremden PC und können sie via Web steuern. Solche Botnets zu vermieten, kann ein einträgliches Geschäft sein. Die Zombiearmeen werden unter anderem genutzt, um millionenfache Spam-Mails zu versenden, durch eine Vielzahl gleichzeitiger Anfragen Web-Seiten in die Knie zu zwingen oder in großem Stile Passwörter abzugrasen. (mehr bei SPIEGEL ONLINE)
Fakeware, Ransomware
Das Wort setzt sich aus "Fake", also "Fälschung", und "Ware", der Kurzform für Software zusammen: Es geht also um "falsche Software" . Gemeint sind Programme, die vorgeben, eine bestimmte Leistung zu erbringen, in Wahrheit aber etwas ganz anderes tun. Häufigste Form: angebliche IT-Sicherheitsprogramme oder Virenscanner. In ihrer harmlosesten Variante sind sie nutzlos, aber nervig: Sie warnen ständig vor irgendwelchen nicht existenten Viren und versuchen, den PC-Nutzer zu einem Kauf zu bewegen. Als Adware-Programme belästigen sie den Nutzer mit Werbung.

Die perfideste Form aber ist Ransomware : Sie kidnappt den Rechner regelrecht, macht ihn zur Geisel. Sie behindert oder verhindert das normale Arbeiten, lädt Viren aus dem Netz und stellt Forderungen auf eine "Reinigungsgebühr" oder Freigabegebühr, die nichts anderes ist als ein Lösegeld: Erst, wenn man zahlt, kann man mit dem Rechner wieder arbeiten. War 2006/2007 häufig, ist seitdem aber zurückgegangen.
Zero-Day-Exploits
Ein Zero-Day-Exploit nutzt eine Software-Sicherheitslücke bereits an dem Tag aus, an dem das Risiko überhaupt bemerkt wird. Normalerweise liefern sich Hersteller von Schutzsoftware und die Autoren von Schadprogrammen ein Kopf-an-Kopf-Rennen beim Stopfen, Abdichten und Ausnutzen bekanntgewordener Lücken.
Risiko Nummer eins: Nutzer
Das größte Sicherheitsrisiko in der Welt der Computer sitzt vor dem Rechner. Nicht nur mangelnde Disziplin bei nötigen Software-Updates machen den Nutzer gefährlich: Er hat auch eine große Vorliebe für kostenlose Musik aus obskuren Quellen, lustige Datei-Anhänge in E-Mails und eine große Kommunikationsfreude im ach so informellen Plauderraum des Webs. Die meisten Schäden in der IT dürften von Nutzer-Fingern auf Maustasten verursacht werden.
DDoS-Attacken
Sogenannte distribuierte Denial-of-Service-Attacken (DDoS) sind Angriffe, bei denen einzelne Server oder Netzwerke mit einer Flut von Anfragen anderer Rechner so lange überlastet werden, bis sie nicht mehr erreichbar sind. Üblicherweise werden für solche verteilten Attacken heutzutage sogenannte Botnetze verwendet, zusammengeschaltete Rechner, oft Tausende oder gar Zehntausende, die von einem Hacker oder einer Organisation ferngesteuert werden.

mak

Mehr zum Thema


insgesamt 18 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
bold_ 22.06.2016
1. Deutsche Hacker Liga
DHL sollte seine Pläne den Jungs vorlegen und sie jede neue Software erst einmal testen - und freigeben - lassen. Im Wettrennen mit Kriminiellen muß man auf die Fähigkeiten und die Fantasie der guten Hacker zurückgreifen!
senf-mit-sauce 22.06.2016
2.
"In Kombination mit den Zugangsdaten des Opfers, die sich Kriminelle beispielsweise durch Spearphishing oder einen Keylogger verschaffen könnten, sei es damit möglich gewesen, Paketfächer unerlaubt zu öffnen." Wie das? Ich dachte, dazu bräuchte man noch die Goldkarte?
Espejo en vivo 22.06.2016
3. Goldkarte
Zitat von senf-mit-sauce"In Kombination mit den Zugangsdaten des Opfers, die sich Kriminelle beispielsweise durch Spearphishing oder einen Keylogger verschaffen könnten, sei es damit möglich gewesen, Paketfächer unerlaubt zu öffnen." Wie das? Ich dachte, dazu bräuchte man noch die Goldkarte?
Die kann man sich mit einem Kartenrohling und Kartenschreiber problemlos selbst erzeugen, wenn man die Postnummer kennt.
Bürger Icks 22.06.2016
4. Hauptsache bequem!
Aber diese Bequemlichkeit wird so manchen noch Kopf und Kragen kosten. Da werden sich noch viele in Zukunft wünschen, doch eher auf die gehört zu haben, die immer darauf hinweisen, das NICHTS im Netz sicher ist. Und werden sich wünschen, sie hätten sich doch selber zur Post oder zum Bankschalter bewegt, und sich nicht darauf verlassen, das alles schon seine Richtigkeit und Sicherheit haben werde. Mit Sicherheit wird sich um die "Sicherheit der Bürger" nur gekümmert, wenn es etwas mit Terrorismus zu tun hat, und man daraufhin dann weiter in die Privatsphäre der Bürger eindringen kann.
Crom 22.06.2016
5.
Zitat von senf-mit-sauce"In Kombination mit den Zugangsdaten des Opfers, die sich Kriminelle beispielsweise durch Spearphishing oder einen Keylogger verschaffen könnten, sei es damit möglich gewesen, Paketfächer unerlaubt zu öffnen." Wie das? Ich dachte, dazu bräuchte man noch die Goldkarte?
Meines Wissens nach kann man sich auch nur mit Postnummer und PIN an der Packstation anmelden.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2016
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.