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"Chip"-Netztest 2012: So wurden die Mobilfunknetze getestet

Foto: Martin Miller/ Nikolaus Schäffler

Netzqualität im Test Mobilfunknetze schwächeln wegen Smartphone-Boom

Mit dem Auto, per Bahn, zu Fuß - in einem aufwendigen Test hat die Computerzeitschrift "Chip" Deutschlands Mobilfunknetze vermessen. Das Ergebnis: Wer sich an den falschen Anbieter bindet, muss deutliche Qualitätseinbußen hinnehmen.

Solche Fragen bewegen früher oder später wohl jeden Handynutzer: "Mit welchem Mobilfunknetz telefoniere ich am besten, wo habe ich immer Empfang, wo fließen die Daten am schnellsten?" Die Computerzeitschrift "Chip " hat sich in diesem Sommer zum dritten Mal darangemacht, diese Fragen mit Messdaten zu beantworten. Der Test hat einen klaren Sieger und einen ebenso klaren Verlierer. Und er brachte die Erkenntnis, dass der Smartphone-Boom allen Anbietern zu schaffen macht.

Die Messungen wurden auf unterschiedliche Weise durchgeführt. Ein Messwagen, bestückt mit aufwendiger Technik und mehreren Test-Handys überprüfte die Netze entlang deutscher Autobahnen und Landstraßen.

Zusätzlich wurden zwei Messtechniker mit kleineren Messsystemen ausgestattet, die in Rucksäcke passen. Derart ausgerüstet machten sie sich auf eine Reise kreuz und quer durchs Land, nutzen dabei ICE-Züge ebenso wie Euro-Citys, Regionalbahnen, U-Bahnen und Busse. Zudem durchwanderten sie mit ihrer Messausrüstung Innenstädte, Einkaufszentren, Bahnhöfe und Flughäfen. Insgesamt legten die Tester 3500 Kilometer zurück.

Aufgezeichnet wurden dabei per Auto wie auch zu Fuß gewonnene Daten zur Qualität von Telefonverbindungen. Außerdem wurden die Zuverlässigkeit, Leistung und Stabilität von Datenverbindungen geprüft. Außer Konkurrenz hat "Chip" außerdem die LTE-Netze vermessen. Diese Ergebnisse sind jedoch nicht in den Test eingeflossen, weil der Ausbau des LTE-Netzes noch andauert. Man sei deshalb der Meinung, "dass eine seriöse Bewertung der LTE-Aktivitäten der Netzbetreiber derzeit noch nicht möglich ist", sagt "Chip"-Testchef Wolfgang Pauler.

Gesamtsieg Telekom

Die wichtigsten Ergebnisse des Netztests: Längst nicht alle Netzbetreiber sind gleichgut aufgestellt und auch die großen Anbieter geben in einigen Disziplinen eine erstaunlich schlechte Figur ab. Insgesamt jedoch konnte sich beim "Chip"-Test erneut die Telekom einen klaren ersten Platz sichern.

In Innenstädten etwa wurden 99,3 Prozent aller Telefongespräche erfolgreich aufgebaut, die Sprachqualität war exzellent. In Regionalbahnen beispielsweise waren die Messwerte zwar schlechter, insgesamt reichte es aber immer noch für eine gute Bewertung.

Schlechte Sprachqualität bei Vodafone

Ganz anders dagegen der insgesamt zweitplatzierte Anbieter Vodafone, dem bei den Telefoniemessungen der letzte Platz zufiel. Katastrophale 20 Prozent Ausfallquote registrierten die Testsysteme etwa in der Stuttgarter Innenstadt. Der Konzern erklärte die Probleme mit hoher Auslastung und dem Ausfall einzelner Basisstationen.

Allerdings wäre Vodafone auch ohne diesen Einzellfall in der Disziplin Telefonieren auf dem letzten Platz gelandet. Der Grund dafür ist die schlechte Sprachqualität. Die lässt sich damit erklären, dass Vodafone viele Gespräche mit sehr geringer Bandbreite überträgt.

Upload-Probleme bei O2

Bei den mobilen Datenmessungen stellte sich die Situation anders dar. Insgesamt setzte sich auch hier das Telekom-Netz mühelos an die erste Stelle. In Innenstädten erreichte das Netz einen Datendurchsatz von durchschnittlich 3,5 Mbit/s.

Direkt danach folgen Vodafone mit 2,4 Mbit/s und Telefonica O2 mit 2,1 Mbit/s. Probleme bereiteten im O2-Netz dagegen Uploads (etwa Fotos zu Facebook) und Datenverbindungen in ländlichen Gebieten, bei denen rund die Hälfte scheiterte.

E-Plus trägt die rote Laterne

Noch schlechter schnitt nur das E-Plus-Netz ab. In den Städten etwa wurden nur 1,5 Mbit/s erreicht. Laut "Chip" kann der Konzern "in keiner Teildisziplin mit den beiden großen Netzbetreibern mithalten"; er wird insgesamt mit der Schulnote 4,7 bewertet. Insgesamt reicht es für das Düsseldorfer Unternehmen nur für den vierten von vier Plätzen. Immerhin: "Was das Telefonieren angeht, bewegt sich E-Plus durchaus auf Augenhöhe mit den anderen Netzbetreibern", sagt "Chip"-Redakteur Pauler.

Hoffnung auf LTE

Unterm Strich sei trotz insgesamt befriedigender Ergebnisse für die Netzbetreiber noch viel "Luft nach oben", erklärt Pauler. Das dürfte vor allem für E-Plus gelten. Das Unternehmen hatte für 2011 den größten Netzausbau seiner Unternehmensgeschichte angekündigt. Im "Chip"-Test brachte das aber kaum messbare Verbesserungen.

Die Zuverlässigkeit der Netze sinke, resümieren die Autoren der Computerzeitschrift. Das könne jeder selbst anhand von Verbindungsabbrüchen und langsamen Datenübertragungen spüren. Zudem gebe es immer noch Regionen mit schlechter Mobilfunkversorgung. Eine Möglichkeit, diese Lücken zu schließen, sehen die Tester in der LTE-Technik, die helfen könne, bestehende Lücken zu schließen.

Und auch wenn LTE in diesem Jahr noch nicht in die Ergebnisse des Netztests eingeflossen ist, lässt sich vermuten, dass sich durch die neue Technik nichts am "Chip"-Ranking der Netzbetreiber ändern wird. Telekom und Vodafone sind beim Aufbau der neuen Netze schon recht weit, O2 hat damit zumindest begonnen. Einzig E-Plus scheint laut "Chip" "wieder einmal darauf zu warten, dass die Netztechnik günstiger wird". Die Düsseldorfer haben mit dem Aufbau eines LTE-Netzes noch nicht einmal begonnen.

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