Digitaler Lesestoff Was Sie über E-Book-Reader wissen müssen

E-Book-Reader versprechen eine komplette Bibliothek zum Mitnehmen. Die Idee findet immer mehr Anhänger, lässt viele Interessenten aber ratlos zurück. Wie funktionieren die Geräte eigentlich und wie viele Bücher gibt es? SPIEGEL ONLINE hat die Antworten.

Reader mit Hülle: Buch der Zukunft
Spiegel Online

Reader mit Hülle: Buch der Zukunft


Das Buch der Zukunft ist nach Vorstellung vieler Firmen nicht mehr aus Papier, sondern kommt in Form von Bits und Bytes zum Leser. Das sei nicht nur praktisch , weil man keine Bücherberge mehr schleppen und stapeln muss, sondern auch noch umweltschonend, so die Befürworter. Schließlich müssen für digitalen Lesestoff keine Bäume mehr zu Zellstoff zermahlen werden.

Um die derart digital vorliegenden Wälzer aber lesen zu können, braucht man ein entsprechendes Lesegerät, einen E-Book-Reader. Bislang fristen solche Geräte hierzulande eher ein Nischendasein. Wenige Tage vor Beginn der Frankfurter Buchmesse kommt nun aber frischer Wind in der Branche auf. Seit wenigen Tagen können endlich auch deutsche Verbraucher Amazons Kindle online bestellen, Sonys neuer Reader Touch Edition kommt ebenfalls gerade rechtzeitig auf den Markt und auch die kleineren Hersteller haben manche Neuheit im Köcher.

Was sind E-Book-Reader?

E-Book-Reader sind Lesegeräte für elektronische Bücher. Sie zeigen den Text fast in derselben Qualität an wie Bücher aus Papier und können auch bei heller Sonne genutzt werden. Eine Lichtquelle benötigen sie allerdings auch zwingend. Für den Verbraucher haben die Geräte den Vorteil, dass er darauf oft gleich mehrere tausend Bücher speichern kann, ohne dass diese Platz im Bücherregal verbrauchen oder mit umhergetragen werden müssen. E-Book-Reader haben in etwa die Größe und das Gewicht eines Taschenbuchs.

Wie groß ist die Auswahl an Geräten?

E-Book-Reader gibt es von diversen Herstellern. Weltweit führend ist Amazon mit seinem Kindle, der seit wenigen Tagen auch von Deutschland aus bestellt werden kann. Amazons größter Konkurrent ist der japanische Elektronikkonzern Sony, der in Deutschland das Einstiegsmodell PRS-500 und den Touchscreen-Reader PRS-600 anbietet. Daneben gibt es noch eine Reihe weiterer Anbieter. Die meisten Geräte kosten zwischen 240 und 300 Euro.

Bekomme ich alle Bücher in elektronischer Form?

Nein, davon ist die Buchbranche noch weit entfernt. In deutscher Sprache gebe es derzeit nur etwa mehrere tausend E-Books, sagt Achim Barczok, Experte für mobile Geräte beim Computermagazin "c't". Die Verlage gingen jedoch verstärkt dazu über, vor allem neue Bestseller auch elektronisch anzubieten. Bücher in kleinerer Auflage oder spezielle Sachbücher gebe es dagegen kaum. Amazon bietet Zugriff auf 290.000 Bücher - allerdings nur in englischer Sprache. Das Internetunternehmen Google hat ebenfalls bereits Millionen Bücher digitalisiert, deren Copyright bereits abgelaufen istund bietet diese kostenlos im Web an.

Wo kann ich E-Books kaufen?

In Internetshops wie etwa libri.de oder buecher.de und teils auch direkt bei Verlagen. Die digitalen Bücher werden dort heruntergeladen und können auf Geräten verschiedener Hersteller gelesen werden - sofern sie im Einheitsformat Epub vorliegen. Amazon bietet seine E-Books ausschließlich in einem Format an, dass nur die Kindle-Reader lesen können, so dass diese Bücher auf anderen Geräten nicht genutzt werden können. Die Preise für E-Books unterscheiden sich von Buch zu Buch.

Wie kommen die elektronischen Bücher auf meinen Reader?

In aller Regel müssen Reader heute per USB-Kabel mit dem Computer verbunden werden, um E-Books aufzuspielen. In Zukunft wird es aber vermehrt Geräte geben, die sich kabellos mit dem Netzwerk zu Hause oder mit dem Mobilfunknetz verbinden können, um Bücher zu überspielen oder herunterzuladen. Amazons Kindles arbeiten schon von jeher nach diesem Prinzip, weitere Anbieter folgen diesem Beispiel.

Kann ich meine E-Books auch auf andere Geräte überspielen?

Ja, sofern es sich um die eigenen Geräte handelt. E-Books haben oft einen Kopierschutz. Verbraucher müssen ihre Endgeräte, mit denen sie E-Books lesen wollen, zuvor registrieren. Danach können sie die elektronischen Bücher nach Angaben von "c't' auf bis zu sechs Geräte überspielen. Eine Weitergabe an Dritte ist ausgeschlossen. Bei kostenlosen E-Books, die es im Internet zu Tausenden gibt, gelten diese Beschränkungen nicht. Ebenso sind kopierschutzfreie Formate davon ausgenommen.

mak/AFP



insgesamt 57 Beiträge
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Seite 1
MarkH, 11.10.2009
1.
Zitat von sysopE-Book-Reader versprechen eine komplette Bibliothek zum Mitnehmen. Eingescannte Bücher werden immer populärer, aber besteht das Risiko, dass Anbieter wie Google so zum Bewahrer allen gedruckten Wissens werden könnten?
Die eigentloche Frage, die sich stellt ist die, ob die macht der Verlage gebrochen ist. Letztendlich ist es auch eine sehr "christliche Fragestellung". Immerhin ist die gedruckte Bibel das am meisten verkaufte Buch der Welt. Wieviel ist die Bibel wert als PDF ?
Eiermann 11.10.2009
2.
Zitat von sysopE-Book-Reader versprechen eine komplette Bibliothek zum Mitnehmen. Eingescannte Bücher werden immer populärer, aber besteht das Risiko, dass Anbieter wie Google so zum Bewahrer allen gedruckten Wissens werden könnten?
Mir ist unklar, inwiefern eine solche Bewahrung ein Risiko sein soll. Ich halte sie vielmehr für einen großen Fortschritt. Ich glaube, dass auch das Aufgehen des Textmediums Buch im Digitalen und im Internet letztlich in der Logik des Digitalen und des Internets begründet liegt, das sich wegen der großen Verarbeitungs- und Verfügbarkeitsvorteile fast alles einverleibt, was sich nur irgend digitalisieren läßt. Google ist dabei beileibe nicht der einzige Anbieter von Buchtexten. Außerdem hat ein großer Anbieter wie Google nicht nur Nachteile, sondern nach meinem Eindruck vor allem Vorteile hinsichtlich technischer Kompetenz und Konzentration von Ressourcen.
perpendicle, 11.10.2009
3.
Zitat von sysopE-Book-Reader versprechen eine komplette Bibliothek zum Mitnehmen. Eingescannte Bücher werden immer populärer, aber besteht das Risiko, dass Anbieter wie Google so zum Bewahrer allen gedruckten Wissens werden könnten?
auch ich habe schon mal rein zum privaten Gebrauch ein komplettes allerdings nicht mehr erhältliches Buch eingescannt, weil man so viel einfacher nachschlagen kann. Man kann die Schrift beim lesen vergrößern und so eine digitale Kopie vergílbt auch nicht nutzt sich nicht ab. War jedenfalls viel Arbeit Es besteht aber weniger das Risiko, Google könnte so zu einem Monopolisten werden, da steht wohl eher der neid der Konkurrenz dahinter. Google wird sicher auch nicht der einzige Anbieter bleiben. Wie mit allen Medien die man digitalisierte, ist hier eher die Wirkung einer massenhaften verbeitung gegeben, wozu aber letztlich die Autoren selbst und deren verleger die Zustimmung geben müssen oder verweigern können. wie man dann im Internet noch eine vermarktung im Sinne der Urheber durchführen kann ist eine andere Frage. Dann könnte man ja Bücher gleich auf dem PC schreiben, so einer breiten Öffentlichkeit und auch Interssenten einfacher anbieten oder vorhandene per "digital right management" übers netz verleihen. Leider hat man bei der Euphorie die über die herstellung digitaler massenmedien aus sich angeblich nicht abnützenden digitalen Matrices übersehen , dass man meines wissens bis heute auch nicht eines herstellen konnte, dessen Kopierschutz nicht irgendwie geknackt werden konnte. Eine digitalisierung aller Bücher, besonders solcher die nicht oder nur schwer erhältlich sind wäre also bei altherbrachten Schmökern, solchen die also nicht mehr einer urheberrechtlichen Lizenz unterliegen nur positiv. was es da alles gibt, kann man nicht mal schätzen Bibliotheken muss und sollte es dennoch weiter geben und nicht nur weil irgendwann mal der Strom ausfallen könnte
stanis laus 11.10.2009
4. Geistiges Eigentums ist ein Erbe der Menschheit
Es ist google zu danken, dass sie das Erbe der Menschheit bewahren will. Das Wissen der Menschheit wurde von den barbarischen Römern in Alexandria verbrannt. Im Mittelalter wurden Menschen, weil Wissenträger, selbst verbrannt. Wissen kann man nicht schützen. Die Staaten wollen was ganz anderes mit ihrem Recht schützen. Macht und Vorteil gegen andere Staaten. Nur, der Nationalstaat ist völlig obsolet. Das Wissen ist längst global. Die Mensch sind wieder der eigentliche Träger von Wissen. Universitäten sind übrigens auch nicht anderes als Wissenschützer vor den Menschen für eine kleine Elite. Es werden nur die ans Wissen gelassen, die von Gremien des Staates zugelassen werden. Wer schreibt, sollte dies deshalb tun, weil er was sagen möchte. Wenn er Geld verdienen will, sollte er Banker werden und Bilanzen kreativ schreiben. Geist stört eh nur die Kakophonie der Lautsprecher. Geistiges Eigentum zu schützen erinnert an den Versuch, das Denken zu schützen. Als ob Gedanken ein eigenes Eigentum sein können. Das sind sie nur, wenn man sie nicht mitteilt. Dann sind sie Eigentums. Wenn man sie mitteilt und sie sind gut, gehören sie allen Menschen. Wie Luft, wie Wasser, wie Kieselsteine am Strand vor einer Zeit als ein Starker (aber nicht starker Denker) kam, den Strand einzäunte und jeden erschlug, der einen Kieselstein nahm. Merkel, geht aus meiner Sonne. Das Denken in Profit, das hinter geistigem Eigentum steht, ist doch absurd. Hier widerspreche ich Tucholsky energisch und nehme Partei für Brecht.
Klau3, 11.10.2009
5. Google, die Geschichte & Wir
Neben der Frage, ob Google nun böse ist, weil die Firma versucht vergriffene Bücher u.a. einzuscannen, stellt sich die Frage: Wann fangen wir damit an? Oder besser: Wann fangen wir endlich ernsthaft an unser Wissen zu digitalisieren? Bisher fehlt das Geld. Doch eigentlich ist das Digitalisieren eine Aufgabe, die unser Generation von der Geschichte her auferlegt wurde (als 'Übergangs-Generation'). Über den Weg den Google beschreitet, lässt sich streiten (und das sollte man auch, wie dieser Tage oft geschehen). Am Ende bleibt die Frage wie wir mit unserem Erbe umgehen. Da es keinem gehört (keinem gehören kann), sollte es allen zugänglich gemacht werden. Hierbei wird das Internet erneut eine seiner Stärken ausspielen dürfen.
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