SPIEGEL ONLINE

SPIEGEL ONLINE

20. Januar 2019, 09:38 Uhr

Display im Dunkelmodus

Was der Dark Mode wirklich bringt

Von

Ist der dunkle Bildschirmmodus besser für die Augen? Schont weiße Schrift auf schwarzem Hintergrund den Smartphone-Akku? Antworten auf die wichtigsten Fragen zum Dark Mode.

Apple, Google und Microsoft: Alle großen Hersteller haben einen sogenannten Dark Mode in ihre Betriebssysteme für Smartphones, Tablets und Computer eingebaut. Ebenso arbeitet Facebook an einer solchen Funktion für den Messenger, Google testet den Look im Chrome-Browser, und auch WhatsApp soll bald einen Dark Mode bekommen.

Die Hersteller versprechen angenehmere Bildschirmarbeit. Der Dunkelmodus soll weniger anstrengend für die Augen sein und dabei helfen, sich auf Texte und E-Mails zu konzentrieren. Auch den Smartphone-Akku sollen die dunklen Bildschirmfarben schonen. Doch was ist dran an den Werbeversprechen? Wir geben Antworten auf die wichtigsten Fragen:

Was ist der Dark Mode?

Einfach ausgedrückt: Helle Pixel werden dunkel dargestellt, dunkle hell. Während Texte, Websites und Menüs also üblicherweise mit schwarzer Schrift auf weißem Hintergrund angezeigt werden, ist das im Dark Mode umgekehrt: Die Schrift wird in leuchtendem Weiß angezeigt, der Hintergrund tiefschwarz.

Schont der Dark Mode die Augen?

Wer in der Jugend ständig auf das Smartphone-Display starrt, verliert auf Dauer Sehkraft, sagt Claus Cursiefen, Direktor des Zentrums für Augenheilkunde am Universitätsklinikum Köln. Das gehe aus Studien eindeutig hervor. Doch habe diese Entwicklung nichts mit Hell oder Dunkel zu tun. "Der Prozess der Kurzsichtigkeit wird dadurch beschleunigt, dass Smartphones zu nahe am Auge sind", sagt Cursiefen dem SPIEGEL.

Es gebe zwar einige Studien, die möglicherweise darauf hindeuten, dass eine Kontrastumkehr wie beim Dark Mode zu weniger Kurzsichtigkeit führe. Das seien aber sehr frühe Daten, aus denen man noch keine endgültigen Schlüsse ziehen könne. "Es gibt keine seriösen Studien dazu, dass weiße Schrift auf schwarzem Hintergrund entspannender für die Augen ist", sagt der Augenarzt.

Auch das Office-Eye-Syndrom, also trockene Augen, die brennen, kratzen und jucken, lässt sich mit dem Dark Mode nicht vermeiden. Die Augen werden aufgrund der Nähe zum Display irritiert und der Tränenfluss gehemmt. "Dabei ist es völlig egal, ob man auf einen weißen, blauen oder grünen Bildschirm schaut", sagt Cursiefen.

Was wirklich helfe: Immer wieder die Nahtätigkeit am Bildschirm unterbrechen, alle halbe Stunde eine Pause einlegen und in die Ferne schauen, damit das Auge wieder häufiger zwinkert. Kindern und Jugendlichen empfiehlt der Arzt, zwei Stunden täglich bei Tageslicht im Freien zu spielen. Das reduziere die Kurzsichtigkeitsrate um bis zu 50 Prozent.

Kann der Dark Mode Strom sparen?

Es kommt darauf an, welches Display man benutzt. "Bei Liquid-Crystal-Displays (LCD- Anm. der Red.) bringt der Dark Mode nicht viel", sagt Patrick Schalberger vom Institut für großflächige Mikroelektronik an der Universität Stuttgart. Der Grund: Bei fast allen Flüssigkristallbildschirmen strahlt hinter dem Display ständig ein Licht, auch wenn nur wenige Pixel hell sind. Das kostet immer gleich viel Strom.

Bei OLED-Displays sieht die Sache anders aus. Da bei dieser Technologie jeder Bildpunkt selbst leuchtet, könne man mit jedem Pixel, der dunkel bleibe, Energie sparen, sagt Schalberger: "Wenn nur zehn Prozent der Pixel auf dem Display leuchten, dann spare ich rund 90 Prozent an Strom." Auch Googles Entwickler haben das Sparpotenzial von OLED-Displays erkannt. Bei einer Konferenz im November zeigten sie, dass sich mit dem Dark Mode der YouTube-App etwa 40 Prozent und mit dem von Google Maps rund 60 Prozent Energie sparen ließen.

Das Problem: OLED-Displays sind hauptsächlich in Oberklasse-Smartphones wie dem iPhone XS zu finden. "Die Elektronik ist bei OLED deutlich komplizierter, deswegen ist die Technik auch teurer", erklärt Schalberger diesen Umstand. Während man bei LCDs nur einen Transistor pro Pixel benötige, seien es bei OLED bis zu sechsmal so viele. Außerdem sei der Aufwand bei der Herstellung deutlich größer.

Wann lohnt sich der Dark Mode?

In sehr dunklen Räumen kann es angenehmer sein, wenn das Display nicht strahlend hell beuchtet wird. Laut Schalberger ist die Funktion vor allem dann hilfreich, wenn das Navi bei Nacht in den Dunkelmodus schaltet, damit man im Auto weniger geblendet wird und sich besser auf die Straße konzentrieren kann.

Ansonsten tendierten die Nutzer eher zu schwarzer Schrift auf weißem Hintergrund, meint der Wissenschaftler. Beim Microsoft-Betriebssystem MS-DOS sei ein schwarzer Hintergrund mit hellem Text noch völlig normal gewesen. Doch schon bei Windows 95 habe man die Farben umkehren können. "Es gibt extrem wenige Leute, die das wirklich genutzt haben", sagt der Wissenschaftler. Die meisten seien bis heute bei der Ansicht mit weißem Hintergrund geblieben. Der Dunkelmodus ist also Geschmackssache.

Aber ihn einmal auszuprobieren schadet nicht. Deshalb erklären wir in unserer Fotostrecke, die man den Dark Mode - oder zumindest etwas ähnliches - in Windows 10, macOS Mojave, Android 9 und iOS 12 einschalten kann.

URL:


© SPIEGEL ONLINE 2019
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung