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Drohne DJI Mavic Air im Test Überflieger

Bisher waren Hobby-Drohnen entweder Spielzeug oder schwere Hightech-Geräte. Unser Test der neuen Mavic Air von DJI zeigt, dass es auch anders geht.

Ich würde so gern mit einer Drohne fliegen, zumindest in meiner Freizeit. Die teilautonomen Fluggeräten, die wegen ihrer meist vier Propeller eigentlich Quadrocopter heißen, machen viel Spaß. Dank integrierter Sensoren und Computertechnik sind sie viel leichter zu steuern als beispielsweise Modellhubschrauber, zudem taugen sie als fliegende Kameras. Aus der Luft ergeben sich andere, ungewohnte Perspektiven.

Ein Drohnenpilot bin ich selbst trotzdem nicht, außer wenn ich mal so ein Gerät teste. Zumindest war das bisher so. Denn bisher gab es für normale Menschen eigentlich nur zwei erschwingliche Arten von Drohnen.

Das eine sind Mini-Drohnen. Die sind oft kaum größer als meine Hand und werden per Smartphone gesteuert. Sie taugen in erster Linie für Selfies und kommen mit kräftigem Wind kaum klar.

Keine billige Selfie-Drohne

Das andere sind die "richtigen" Drohnen: mit besseren Kameras, mehr Funktionen und oft auch einem Controller zur Fernsteuerung, teils mit mehreren Kilometern Reichweite. In letztere Kategorie fällt die Mavic Pro, die ich vergangenes Jahr getestet habe: Ein toller Quadrocopter war das, aber auch ein so großer, dass man für den Transport einen Extra-Rucksack braucht.

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Das große Vorbild: Die DJI Mavic Pro

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Die neue Mavic Air könnte die Lücke zwischen den beiden Kategorien schließen. Sie ist im Grunde eine Kreuzung aus den billigen Selfie-Drohnen, die immer mehr Firmen anbieten, und der Mavic Pro.

Genau wie bei der Pro lassen sich auch bei der Air die Beine mit den Flugmotoren eng an den Rumpf anklappen. Die Drohne wird so zu einem handlichen Paket, das samt Transporttasche etwa so groß ist wie ein Smartphone-Karton. So ein Gerät passt lässig in meinen normalen Rucksack oder sogar in die Außentasche einer Outdoor-Jacke.

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DJI Mavic Air im Test: Drohne für die Jackentasche

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Gewöhnungsbedürftige Gestensteuerung

Eine potenziell spannende Option ist das Steuern der Mavic Air mit Gesten. Die volle Funktion des mitgelieferten Controllers lässt sich damit nicht ersetzen, aber immerhin soll man auf diese Weise mit der Drohne Selfies knipsen können, ohne den Controller in der Hand halten zu müssen.

Was super klingt, ist in der Praxis aber noch ziemlich hakelig. Nicht einmal bei der Hälfte meiner Versuche knipste die fliegende Kamera tatsächlich ein Bild von mir, wenn ich es wollte. Da muss die Technik noch besser werden - und ich muss noch üben.

70 km/h Spitzengeschwindigkeit

Außerdem funktioniert die Gestensteuerung nur im Nahbereich. Will man die volle Reichweite ausnutzen, muss man den mitgelieferten Controller verwenden. Damit kann man den Quadrocopter theoretisch bis zu vier Kilometer weit wegfliegen lassen. So viel Mut habe ich bei meinem Test freilich nicht aufgebracht.

Auch den Sport-Modus, in dem die Drohne fast 70 km/h erreicht, habe ich lieber nur kurz ausprobiert - auch, weil er die Akkus zügig leert. Im Normalmodus kam ich auf knapp 20 Minuten Flugzeit pro Akku. DJI liefert zwei Stromspeicher mit.

Im Video: Kameradrohne selbst gebaut

Für Selfies reicht zur Not auch die Steuerung per Smartphone. Die Reichweite ist dann auf 80 Meter beschränkt. Besonders gute Videos bekommt man aber mit den Automatik-Modi hin. Bei denen fliegt die Drohne einen vorgegebenen Flugweg um eine zuvor festgelegte Person, ein Gebäude oder ein Fahrzeug ab und hält dabei die Kamera fest auf ihr Ziel gerichtet.

Außerdem kann die Mavic Air einer vom Piloten festgelegten Person automatisch folgen, was etwa beim Radfahren, Laufen oder Skifahren praktisch ist.

Wie in der Luft festgenagelt

Und genau diese Filmerei ist es ja, wofür die meisten Leute sich eine Drohne kaufen. Wer Spaß am Modellflug hat, kauft sich ein Modellflugzeug, wer sich selbst und Landschaften fotografieren und filmen will, eine Drohne. Die Mavic Air ist dafür mit einer 12-Megapixel-Kamera bestückt, die Videos in 4K-Auflösung aufzeichnen kann. Die Bildqualität kann man als sehr gut bezeichnen.

Beeindruckend ist aber vor allem, wie gut die bewegliche Halterung der Kamera, eine sogenannter Dreiachsen-Gimbal, Bewegungen der Drohnen ausgleicht und für ein ruhiges Bild sorgt. Lässt man die Drohne einfach auf der Stelle schweben, könnte man beim Betrachten so aufgenommener Videos meinen, die Kamera hätte auf einem enorm langen Stativ gestanden. So ruhig werden die Aufnahmen.

Fazit

Im Grunde ist die Mavic Air eine geschrumpfte Mavic Pro. Sie sieht fast genau so aus wie ihre große Schwester, hat eine ebenso gute Kamera und lässt sich ebenso leicht steuern. Dadurch, dass das Gerät kleiner ist, passt es aber fast immer in den Rucksack oder das Handgepäck.

Mit 850 Euro ist die kleine Drohne aber nicht gerade günstig. Doch genau so, wie das Smartphone oft die bessere Kamera ist, weil man es eben dabei hat, wird die Mavic Air oft die bessere Drohne sein, weil man sie eben dabei hat.

Hintergrund: Produkttests im Netzwelt-Ressort

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