DJI Mavic Mini im Test Die Einstiegs-Drohne

"Fliegen kann jeder" verspricht DJI für die Mavic Mini. Die neue Drohne ist kleiner, leichter und billiger als andere Modelle des Unternehmens. Wir haben sie getestet.

Alexander Kraft

Von Alexander Kraft


Es ist gar nicht so einfach, in Deutschland ohne Weiteres eine Drohne zu fliegen. Aufgrund gesetzlicher Reglementierungen müssen Drohnenpiloten schon vor dem Jungfernflug ein paar Auflagen erfüllen. In Deutschland gehört dazu die Kennzeichnungspflicht. Ohne eine feuerfeste Plakette, die den Namen und die Adresse des Eigentümers trägt, dürfen Drohnen hierzulande nicht abheben.

Allerdings gilt diese Regelung nur für Fluggeräte, die 250 Gramm oder mehr wiegen. Mit 249 Gramm Startmasse liegt die Mavic Mini genau ein Gramm darunter, darf also ohne Plakette starten. Für Neueinsteiger fällt dadurch eine bürokratische Hürde weg.

Tatsächlich ist die Mavic Mini so leicht, dass man sie mit einem Plastikspielzeug verwechseln könnte. Zusammengeklappt ist sie kleiner als ein iPhone XR. Dass die kleine Drohne so wenig auf die Waage bringt, liegt unter anderem an ihrer leichten Bauweise. Anders als die großen DJI-Drohnen besteht sie fast komplett aus Plastik.

Darüber hinaus wurde bei der Elektronik gespart. Die Mavic Mini hat einen GPS-Empfänger und ein paar Positionssensoren, mehr nicht. Zudem wurden überall am Gehäuse Hohlräume geschaffen. Die Schlitze an der Unterseite etwa sind keine Kühlrippen, sondern dienen der Gewichtsreduzierung.

Fotostrecke

16  Bilder
Drohne für Anfänger: Die DJI Mavic Mini im Test

Die schwersten Komponenten sind der Akku und die 12-Megapixel-Kamera samt Dreiachsen-Stabilisierung, dem sogenannten Gimbal. DJI attestiert der Mavic Mini knapp 30 Minuten Flugzeit. Im Test bin ich diesem Wert erstaunlich nahe gekommen. 27 bis 28 Minuten hat die Mavic Mini in der freien Natur mühelos durchgehalten.

Trotz des geringen Gewichts und der leichten Bauweise steht der winzige Quadrocopter dabei stabil in der Luft, selbst bei der erlaubten Maximalhöhe von 100 Metern. Neben Wind und Außentemperatur beeinflussen Faktoren wie Flugmodus, Flughöhe und Kameranutzung die tatsächlich mögliche Flugdauer.

Für Drohnenanfänger interessant: Sollte der Akku mitten im Flug auf null Prozent sinken, fällt die Drohne nicht einfach zu Boden, sondern leitet selbstständig den Sinkflug ein.

Eine App für Anfänger

Insgesamt drei Flugmodi bietet die eigens für die Mavic Mini entwickelte App DJI Fly: P für Position, S für Sport und C für CineSmooth. Der Position-Modus ist bei jedem Start automatisch eingestellt. Er soll für gleichmäßige Flugbewegungen sorgen. Im Sportmodus erreicht die Minidrohne eine Höchstgeschwindigkeit von bis zu 46 km/h. Zudem steigt und sinkt die Drohne schneller.

CineSmooth soll ruhige Kameraschwenks und -fahrten ermöglichen. In diesem Modus wird die Geschwindigkeit auf knapp 15 km/h begrenzt, um saubere Bewegungen und Drehungen zu ermöglichen. Der Gimbal stabilisiert die Kamera dabei zusätzlich.

Preisabfragezeitpunkt:
06.12.2019, 02:53 Uhr
Ohne Gewähr

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Die Fly-App ist speziell für Drohnenanfänger entwickelt worden. Sie bietet nur wenige Funktionen, ist dafür aber leicht verständlich und übersichtlich gestaltet. Sie hält unter anderem Informationen über Flughöhe, Distanz, Flugzeit und Akkustand bereit.

Theoretisch ließe sich die Drohne auch allein mit der beiliegenden Fernbedienung steuern, davon rate ich aber ab. Das in die Fernbedienung eingeklemmte Smartphone bietet durch die App nicht nur zusätzliche Funktionen, sondern dient auch als Monitor für die Kamera.

Kein Kollisionsschutz

Mit einer Auflösung von bis zu 2,7K erreicht die Mavic Mini zwar nicht die Bildqualität der Mavic 2 oder der Mavic Pro. Für semiprofessionelle Anwendungen reichen die Ergebnisse aber durchaus. Videos nimmt sie im Format MP4 auf, Fotos schießt sie als JPEG. Viele Möglichkeiten, die Aussteuerung von Foto- und Videoaufnahmen manuell zu beeinflussen, gibt es leider nicht.

Stattdessen werden vier Automatik-Modi angeboten, die in Flughöhen von maximal 40 Meter funktionieren. Den von den größeren Modellen bekannten "Follow Me"-Modus gibt es nicht. Der Grund dafür dürfte die ebenfalls nicht vorhandene Hinderniserkennung sein, mit der die Drohne Gefahren in ihrem Flugweg automatisch ausweichen könnte.

Die nach unten gerichteten Positionssensoren unterstützen die Drohne lediglich beim Starten und Landen. Für den Flug in Innenräumen verkauft DJI optional Propellerschützer. Allerdings klettert das Gesamtgewicht damit über die kritische Grenze von 250 Gramm.

Fazit

Vorteile und Nachteile

Intuitive Handhabung

Gute Flugeigenschaften

Knapp 30 Minuten Flugzeit

Keine Kennzeichnungspflicht

Keine Hinderniserkennung

Eingeschränkter Funktionsumfang

Fehlende manuelle Einstellungen im Videomodus

Micro-USB-Anschluss

Die Mavic Mini ist tatsächlich so einfach zu steuern, dass damit auch Anfänger gute Fotos und Videos aufnehmen dürften. Die relativ lange Flugzeit hilft dabei, Flugmanöver zu erlernen. Die fehlenden Sensoren zur Hinderniserkennung werden allerdings schmerzlich vermisst. Ungeübte Piloten sollten sich deshalb unbedingt weitläufige Areale ohne Baumbestand suchen. Sonst könnte die 400 Euro teure Drohne schnell ein Haufen Plastikschrott werden.

Und nicht vergessen: Auch wenn die Kennzeichnungspflicht wegfällt, die Drohne muss dennoch über die Haftpflichtversicherung abgedeckt sein - egal, wie schwer oder leicht sie ist.

Hintergrund: Produkttests im Netzwelt-Ressort
Über welche Produkte wird im Ressort Netzwelt berichtet?
Über welche Produkte wir in der Netzwelt berichten und welche wir testen oder nicht, entscheiden wir selbst. Für keinen der Testberichte bekommen wir Geld oder andere Gegenleistungen vom Hersteller. Es kann aus verschiedenen Gründen vorkommen, dass wir über Produkte nicht berichten, obwohl uns entsprechende Testprodukte vorliegen.
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Testgeräte und Rezensionsexemplare von Spielen bekommen wir in der Regel kostenlos für einen bestimmten Zeitraum vom Hersteller zur Verfügung gestellt, zum Teil auch vor der offiziellen Veröffentlichung. So können unsere Testberichte rechtzeitig oder zeitnah zur Veröffentlichung des Produkts erscheinen.

Vorabversionen oder Geräte aus Vorserienproduktionen testen wir nur in Sonderfällen. In der Regel warten wir ab, bis wir Testgeräte oder Spielversionen bekommen können, die mit den Verkaufsversionen identisch sind. In einigen Fällen kaufen wir Produkte auch auf eigene Kosten selbst, wenn sie bereits im Handel oder online verfügbar sind.
Dürfen die Netzwelt-Redakteure die Produkte behalten?
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insgesamt 26 Beiträge
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Seite 1
werner-xyz 25.11.2019
1. Nicht so einfach
Wer glaubt, dass nur durch die 249g, das Fliegen mit dem Teil ab nächstem Jahr, wenn die neue EU-Verordnung kommt, noch den gleichen Regularien entspricht, sollte sich vorher mal schlau machen. Nicht dass er sich wundert, dass er dann eine Plakette und einen Führerschein benötigt. Von den zusätzlichen Einschränkungen mal ganz abgesehen.
jackjackjack 25.11.2019
2. warum nicht die Spark?
warum wurde nicht die Spark auserkoren? immerhin scheint diese Kollisionsschutz und Ultraschall Sensoren zu besitzen
2cv 25.11.2019
3. Mavic Pro vs. Mini
Vorag: Ich bin jahrelang Heli geflogen, mein T-Rex ist aber verkümmert weil ich mit der Mavic Pro ein deutlich anderes Thema realisieren konnte: Landschaftsfotografie aus anderer Perspektive. Gerade mit einem Multikopter mit Hindernis- und Abstandssensorik konnten Perspektiven realisiert werden, die mir sonst zu gefährlich waren. Sicherheitshalber hatte ich sogar Propellerschutzkäfige aufgezogen. Sicherheit geht vor... die Mavic Mini hat das nicht mehr. Damit bleibt einzig die cinematographische Videoqualität, die mittlerweile auch andere Kleinmultikopterhersteller günstiger anbieten... will sagen: Mini ist deutlich zu teuer für das was sie kann. Und übrigens - wer die Propellerschutzbügel montiert, ist oberhalb der 250g Abfluggewicht und damit raus aus der Klasse...!
issernichsüss 25.11.2019
4. Warum wird diese Drohne nicht in einer Signalfarbe ausgeliefert?
Wir wohnen ca. 2 Km entfernt vom Städtischen Klinikum und liegen damit in der Einflugschneise für Rettungshubschrauber. Die bei uns in der Nähe liegende Drachenflugwiese, bei der die größten Drachen schon mal gerne die 100 Meter Flughöhe erreichen, ist bei den Piloten bekannt und außerdem haben die Drachen immer, z.T. grellbunte Farben, an denen sie frühzeitig erkannt werden können. Warum sollte eine Drohne, welche ja nicht wie in Krisen- und Kriegsgebieten versteckt operieren soll, sich nicht durch eine Signalfarbe frühzeitig zu erkennen geben? Der Sicherheit wäre es förderlich.....
martinm70 25.11.2019
5. Viel wichtiger als die Plakete ist die Geo Awarness
Alle Drohnen >250g müssen sich ab Mitte 2020 bindend bei dem Geo Awarness System anmelden. An diesen wird permanent die Position der Drohne einem Server mitgeteilt. Jeder kann sich wohl auf einer App die Position aller Drohnen anzeigen lassen. Sollte klar sein daß darauf kaum ein privater Drohnenpilot Lust hat. Die Hersteller größeren Drohnen haben schon darauf reagiert und sehen Privat Personen nicht mehr als Kundschaft an.
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