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Osmo Pocket: DJIs superruhige Minikamera im Test

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DJI Osmo Pocket im Test Nie mehr verwackelte Videos

Videos drehen, als ob die Kamera durch den Raum schwebt: Das verspricht der neue, winzige DJI Osmo Pocket. Wir haben ihn getestet.

Vor drei Jahren habe ich den ersten sogenannten Gimbal von DJI getestet. Der chinesische Drohnenhersteller hatte damals die für seine Fluggeräte entwickelte Technik zur Bildstabilisierung zu einem eigenständigen Produkt umgebaut, den Osmo. Der ist im Grunde eine an drei Achsen beweglich aufgehängte Kamera samt Handgriff und Joystick, über den sich die motorisierte Mechanik steuern, die Kamera fernlenken lässt.

Die aufwendige Mechanik dient dazu, Bewegungen des Filmenden auszugleichen, sodass die Videobilder vollkommen ruhig und frei von Verwackelungen aussehen. Mein Fazit damals: Super-Kamera, prima Videoqualität - mit 749 Euro aber leider sehr teuer und außerdem schwer und sperrig.

Mit dem neuen Modell, dem Osmo Pocket, will DJI die Kritikpunkte von damals nun entkräftet haben. Zumindest was die Größe angeht, ist das auf den ersten Blick gelungen. Der Osmo Pocket ist deutlich kleiner als der Ur-Osmo von 2015 - und auch als viele Konkurrenzprodukte.

Zum Vergleich habe ich ihn neben einen Gimbal gelegt, wie ich ihn gelegentlich verwende, um Videos für SPIEGEL ONLINE zu drehen. Der Unterschied ist frappierend: Der Osmo Pocket ist kleiner als der Griff meines Standard-Gimbals.

Osmo Pocket (M.) im Größenvergleich mit einem Standard-Gimbal und dem iPhone Xr

Osmo Pocket (M.) im Größenvergleich mit einem Standard-Gimbal und dem iPhone Xr

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Funktioniert auch ohne Smartphone

Von seinem Vorgänger unterscheidet den Osmo Pocket noch mehr: So ist er etwa autark und funktioniert auch ohne Smartphone. Dazu braucht man freilich feine Fingerchen. Denn die Steuerung erfolgt im Stand-alone-Modus über ein daumennagelgroßes Display. Ansonsten gibt es nur eine Aufnahmetaste und eine Multifunktionstaste, die auch zum Ein- und Ausschalten dient.

So kann man mit dem Pocket zwar auch ohne Smartphone filmen und fotografieren, viele seiner Möglichkeiten liegen dann aber brach. Für den vollen Funktionsumfang braucht man ein Smartphone samt DJI-App. Das kann ein iPhone oder ein Android-Handy sein. Letztere Geräte sollten aber mit einer USB-C-Buchse ausgerüstet sein. DJI liefert nämlich nur zwei Stecker mit, einen für iPhones und einen USB-C-Stecker. Wer noch ein Handy mit einer alten Micro-USB-Buchse hat, muss darauf hoffen, dass DJI in Zukunft einen dazu passenden Adapter anbietet.

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Osmo Pocket: DJIs superruhige Minikamera im Test

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So oder so: Der kleine Stecker ist die einzige Verbindung zwischen dem Smartphone und dem Osmo Pocket. Sonderlich stabil ist das nicht, das Smartphone wird immer etwas wackelig angeflanscht. Beim Filmen sollte man deshalb beide Geräte festhalten, was schade ist, weil dadurch die Bedienung der App erschwert wird.

Dabei bietet die App reichlich Funktionen. Zum Beispiel einen Panorama-Modus, in dem die Kamera sich automatisch so dreht, dass sie vier Fotos in verschiedenen Richtungen knipsen und daraus eine 180-Grad Aufnahme erstellen kann. Natürlich kann man aber auch gewöhnliche Fotos und Videos machen, wobei man die Kamera über einen virtuellen Joystick auf dem Bildschirm steuert.

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Dji Osmo im Test: Diese Kamera bleibt immer ruhig

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Der sogenannte Story-Modus, in dem der Osmo Pocket mehrere Filmschnipsel automatisch zu einem Clip zusammenschneidet, mit Übergängen verziert und mit Musik unterlegt, gefällt mir nicht. Die Ergebnisse wirken statisch, die Musik - die man nicht beeinflussen kann - klingt nach Industrie-Werbefilm.

Cool sind dagegen die Zeitrafferfunktionen, die sich sehr fein einstellen lassen. Bemerkenswert ist vor allem die Möglichkeit, eine animierte Videosequenz aufzuzeichnen, bei der die Kamera beispielsweise innerhalb einer Stunde einer vorgegeben Bewegungslinie folgt. Solche Zeitrafferaufnahmen sind mit normalen Kameras und Smartphones nicht möglich. Praktisch ist auch die Option, ein Objekt auf dem Bildschirm markieren zu können, dem die Kamera dann automatisch folgt, so wie im folgenden Beispielvideo dem Tannenbaum:

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Die Bildqualität ist dabei meist gut bis sehr gut und auch die Bildstabilisierung arbeitet in der Regel gut, wenngleich sie, etwa beim Gehen, nicht jeden Schritt vollkommen sauber ausgleicht. Die Videoauflösung kann man zwischen Full HD und 4K mit bis zu 60 Bildern pro Sekunde einstellen, Fotos werden mit 12 Megapixeln aufgenommen. Bei wenig Licht sind die Ergebnisse leider nicht überzeugend, zum Fotografieren würde ich ohnehin eher ein Smartphone verwenden. Die Akkulaufzeit lag im Test bei 1,5 bis 2 Stunden.

Fazit

Viel zu meckern gibt es beim Osmo Pocket nicht. Die mechanische Verbindung mit dem Smartphone könnte gern etwas stabiler sein, aber ansonsten ist der kleine Gimbal zum Beispiel sehr gut für den Urlaub geeignet. Ihn bekommt man nicht nur leichter in die Jackentasche als seinen Vorgänger, er passt mit seinem Listenpreis von 359 Euro auch viel besser zum Portemonnaie.

Was jetzt noch fehlt, ist ein Mini-Joystick zum Steuern der Kamera ohne Handy und ein Gewinde, mit dem sich der Gimbal auf ein Stativ schrauben lässt.

Hintergrund: Produkttests im Netzwelt-Ressort