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HDR10+ vs. Dolby Vision: Auf diese Formate setzen Streamingdienste und TV-Hersteller

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Dolby Vision oder HDR10+ Diese Technologien sollen Fernsehen schöner machen

HDR bringe auf modernen Fernsehern besonders satte Farben und hohe Kontraste, versprechen TV-Hersteller. Doch zwei neue konkurrierende Formate zwingen beim Gerätekauf zu einer schwierigen Entscheidung.

Es ist wie so oft bei Fernsehtechnik: Jeder Hersteller kocht so lange sein eigenes Süppchen, bis sich eines davon als Standard durchsetzt. Doch während der Sieger im Wettstreit zwischen VHS und Betamax schnell feststand und sich Blu-ray locker gegen HD-DVD durchgesetzt hat, stehen sich derzeit zwei neue Formate unversöhnlich gegenüber: Dolby Vision und HDR10+.

Die beiden auch als "dynamisches HDR" bezeichneten Technologien haben dasselbe Ziel: Sie sollen das TV-Bild schöner machen, indem sie die Darstellung von Farben verbessern und Kontraste erhöhen, wo es nötig ist. Dazu werden den Fernsehern während der Filmwiedergabe Zusatzinformationen geliefert, die für jede Szene und jedes Bild die Farbigkeit und den Kontrastumfang festlegen.

Das Ergebnis sollen sattere Farben, feinere Farbübergänge und klarere Bilder sein. Besonders in dunklen Bildbereichen machen die neuen Technologien viele Feinheiten sichtbar, die bisher einfach im Dunkeln verschwanden. So setzen sich etwa Korallenkonturen bei dunklen Unterwasseraufnahmen besser ab, und in düsteren Serien wie "The Walking Dead" und "Game of Thrones" sind die Gesichter der Darsteller deutlicher erkennbar.

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HDR10+ vs. Dolby Vision: Auf diese Formate setzen Streamingdienste und TV-Hersteller

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Für den Fernsehexperten Rolf Hedtke von der Hochschule Rhein-Main ist dynamisches HDR ein großer Fortschritt. "Nutzer haben mit HDR ein schöneres Fernsehbild, das kann man mit Sicherheit sagen", sagt er im Gespräch mit dem SPIEGEL. "Die Metadaten teilen dem Fernseher mit, wie sich der Colorist das Bild im Filmstudio vorgestellt hat."

Das ist ein großer Qualitätssprung im Vergleich mit statischen Vorgängerformaten wie HDR10 und Hybrid Gamma Log (HLG). HDR10 legt nur einmal fest, welchen Kontrastumfang ein Film oder die Folge einer Serie haben soll. Und auch HLG, das unter anderem der britische Sender BBC entwickelt hat, ist eine starre Bildverarbeitung. Moderne Fernseher können damit helle Bildbereiche bei TV-Sendungen feiner auflösen.

Bei Dolby Vision und HDR10+ bestimmen Bildingenieure dagegen für nahezu jedes Filmbild den Kontrast. Damit sackt das Bild bei dunklen Höhlenaufnahmen nicht ab, wenn der Film ansonsten auf grell glitzernden Schneefeldern spielt.

"Ein Problem für die Verbraucher"

Doch es herrscht Chaos auf dem HDR-Markt. TV-Hersteller, Produktionsfirmen und Streamingplattformen können sich nicht einigen - jeder macht, was er will. Der Markt werde immer unübersichtlicher, sagt Hedtke. "Das ist ein Problem für die Verbraucher."

Dabei sah es zunächst so aus, als würde sich Dolby Vision durchsetzen. So setzen beispielsweise die Filmproduzenten von 20th Century Fox auf dieses Format. Außerdem sind mächtige Verbündete wie Netflix und Apple mit an Bord, die Filme und Serien im Dolby-Vision-Format streamen.

Doch Konkurrent Samsung findet immer wieder neue Verbündete für HDR10+. Die Koreaner hatten den Standard zusammen mit Philips und Panasonic auf den Markt gebracht, um den Wettbewerb zu befeuern. Amazon Prime Video liefert mittlerweile zahlreiche Filme und Serien in HDR10+, außerdem produzieren Universal und Warner Bros. ihre Blockbuster mit dem Dolby-Konkurrenten. Der Vorteil: Für TV-Hersteller und Filmstudios ist HDR10+ kostenlos. Wer hingegen das Dolby-Vision-Logo auf seine Produkte kleben möchten, muss Lizenzgebühren bezahlen.

Apple oder Samsung: Einer muss nachgeben

Ein Sieg eines Lagers ist nicht in Sicht. Aber die Allianzen bröckeln. Ausgerechnet HDR10+-Projektpartner Panasonic ist eingeknickt und hat Anfang des Jahres angekündigt, bei neueren TV-Geräten beide HDR-Formate zu unterstützen. Für Samsung ein herber Rückschlag. Doch der Untergang ist das wohl nicht.

Experten gehen davon aus, dass der Parallelbetrieb die wahrscheinlichste Lösung ist. "Durchsetzen wird sich in naher Zukunft keines der beiden Formate, sie werden weiter existieren", sagt Hedtke. Technisch sei es problemlos möglich, Fernseher für beide HDR-Standards aufzurüsten. Bei dem Konflikt gehe es "nur um Politik".

Es bleibt spannend, wie sich die sturen Kontrahenten entscheiden. Vor allem auf Samsung richten sich die Blicke. Spätestens wenn der südkoreanische Elektronikhersteller auch iTunes-Filme von Apple auf seinen Fernsehern zeigt, muss einer der beiden Konzerne im HDR-Kampf nachgeben. Hedtke sagt: "Aus technischer Sicht könnte ich mir vorstellen, dass das Dolby-Vision-Verfahren auch in einem Samsung-Fernseher implementiert werden könnte."