US-Entwicklung "Naviator" Diese Drohne fliegt, schwimmt und taucht

Forscher haben eine Drohne entwickelt, die auch schwimmen und tauchen kann. Die US-Marine hat bereits Interesse bekundet.

Rutgers University

Ist das ein U-Boot, das fliegen kann? Oder ein Fluggerät, das sich auch unter Wasser bewegen kann? Das technische Projekt der Rutgers University im US-Bundesstaat New Jersey vereinigt beide Fähigkeiten in einer Drohne.

Das auf den Namen "Naviator" getaufte Gerät hat seinen nur flugfähigen Verwandten einiges voraus. Natürlich ist die Drohne wasserdicht, aber erst die Ausstattung mit einer besonderen Propellertechnik macht sie zu einem echten Multikopter.

Das Forscherteam um den Maschinenbau-Professor Javier Diez erklärte bei der Vorstellung des "Naviators" letzte Woche auf der Innovationsmesse Xponental in New Orleans, was an der Entwicklung so besonders ist. Da Wasser eine viel höhere Dichte und damit Bewegungswiderstand als Luft besitzt, müssen sich die Propeller dort entsprechend langsamer drehen. Der Übergang zwischen Wasser und Luft könnte die Rotoren aber leicht überlasten.

Deshalb trägt der "Naviator" an jedem seiner vier Arme zwei Propeller. Die unteren können schon oder noch ins Wasser eintauchen, während die oberen das Gerät in Position halten. Das Konzept erlaubt es, die Drohne beliebig oft zwischen den Elementen zu wechseln - zumindest solange der Akku reicht.

Derzeit kann der "Naviator" nur ein paar Meter tauchen, doch Diez hofft, demnächst Tiefen von bis zu 200 Metern erreichen zu können. Bis dahin müssen die Techniker jedoch das Kommunikationsverhalten stark verbessern. Unter Wasser funktioniert nämlich die Signalübertragung nur sehr schlecht. Daher hängt das Gerät derzeit noch an einem Kabel, um die Steuersignale zu übertragen.

In allen Größen denkbar

Leistungsfähige Modems sind teuer und würden den Preis für den "Naviator", der laut Diez "bei ein paar tausend Dollar" liegt, schnell übersteigen. Doch im Juni ist ein erster öffentlicher Test angesetzt, bei dem ein spezielles Unterwassermodem die Signalübertragung sicherstellen soll, wie "Heise" berichtet.

Das im Video zu sehende Gerät ist nicht viel größer als die Drohnen, die es für den Endverbraucherbereich gibt. Doch grundsätzlich könnte das Bauprinzip auch auf wesentlich größere Drohnen angewendet werden.

Denkbar ist vieles: Brückeninspektionen können in einem Arbeitsgang unter und über Wasser durchgeführt werden, unter Wasser liegende Kabel oder Ölleitungen auf Schäden und Verschmutzungen untersucht werden.

Diese Flexibilität überzeugte die US-Marine, sich mit 620.000 Dollar an dem Forschungsprojekt zu beteiligen. Die Einsatzszenarien der Militärs zielen natürlich nicht unbedingt auf Umweltkontrollen ab. Die Tauchdrohnen könnten zum Aufspüren von Minen dienen oder Sprengkörper an gewünschte Orte transportieren. Mehrere unter Wasser verteilte Geräte könnten zudem als kurzfristige, lokale Kommunikationsnetze etabliert werden.

Der alte Traum von der fliegenden Drohne

Den Traum von einem fliegenden U-Boot oder Tauchflugzeug haben Militärverantwortliche schon seit langer Zeit. Die Wikipedia widmet dem Thema einen langen Artikel mit zum Teil recht skurrilen Projekten. Manche, wie der sowjetische Entwurf für ein fliegendes U-Boot aus den Dreißigerjahren, gelangten nie über die Planungsphase hinaus.

Amerikanische Forscher kamen erst während des Kalten Krieges auf die Idee, flugfähige Unterwasserfahrzeuge zu entwickeln. Zur Einsatzreife gelangte das "Aeroship", das während einer Ausstellung auf dem Wasser gelandet, getaucht und danach weitergeflogen sein soll.

Wie ernst Militärtechniker den Gedanken einer tauchfähigen Flugdrohne nehmen, zeigt ein weiteres Projekt der Rüstungsschmiede Lockheed Martin. Deren Forschungsabteilung arbeitete vor einigen Jahren an der U-Boot-gestützten Drohne Cormorant. Das knapp sechs Meter lange Gerät sollte vom U-Boot ins Wasser entlassen und mit Raketenkraft in die Luft geschossen werden. Ein Greifarm oder ein ferngesteuertes Kleingerät sollte Cormorant dann wieder an Bord holen. Letztlich vermochte das Konzept nicht zu überzeugen. Nachdem das Verteidigungsministerium 7,1 Millionen Dollar investiert hatte, wurde das Projekt 2008 eingestellt.

Tatsächlich einsatzfähig ist eine Entwicklung der Applied Physics Laboratory (APL) der US-amerikanischen Johns Hopkins Universität. Seit 1942 für verschiedene US-Behörden aktiv, stellte das APL im März 2016 eine tauchfähige Drohne namens "Cracuns" vor. Die Maschine sieht aus wie ein fliegender Hydrant oder Mülleimer.

Dagegen erscheint der "Naviator" bei kleinerem Budget schon wesentlich praxisnäher konzipiert zu sein.



insgesamt 11 Beiträge
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Seite 1
jakopp.auckstayn 10.05.2016
1.
Das sind doch die Dinger von Matrix.Ist unser Leben also doch nur eine Illusion?
mrsa 10.05.2016
2.
Zitat von jakopp.auckstaynDas sind doch die Dinger von Matrix.Ist unser Leben also doch nur eine Illusion?
Werde ich demnächst testen und den Stöpsel ziehen, wenn ich das nächste Mal in der Badewanne sitze. Wer weiss, vielleicht finde ich keine neues Leben jenseits der Matrix sondern eine Drohne, die sich verflogen äh, verschwommen hat.
mfprinz 10.05.2016
3. Denkt dran
Der Hersteller heißt bestimmt Cyberdyne Systems, schon mal gehört?
Ursprung 11.05.2016
4. Werkzeuge trotz Gemeinwohlmankos
Dazu kann man zwar mehr oder weniger witzig schwadronieren aber die Technologie, unsere offenbar hervorstechendste Gehirnleistungsvariante aus naheliegenden Evolitionsgruenden ist so unbegrenzt wie kaum eine andere Hirnleistung bei uns. Wir sind eben schwer asymmetrisch "begabt" oder damit geschlagen. Mit solcher Technologie z.B. verantwortungsvoll auf und fuer den Globus umzugehen, ist so eher begrenzt, was schon die Militaerbeteiligung an der Innovation beweist. Schuld an dieser Misere ist die an Ewigkeiten gemessene immer zu kleine Lebensspanne alles Lebendigen. Sie verkuerzt unser Denkpotenzial immer auf ein Niveau unterhalb des Artwohls, eines zu klein bemessenen Gesamt-Biosphaeren- oder Erdlingenniveaus.
smartphone 11.05.2016
5. Designgeschützt
Die Entwickler in den USa habe allerdings nicht bedacht , daß diese Konzept patentgeschützt ist - also dieses System von Propellertandems ist soooo nihct einfach so verwendbar . Da ich viele "normale" gewerbliche Flugdrohnen in dieser Form schon gesehen habe, wundert es schon , daß die Patentinhaber nicht wacher sind solchen Ideenklau zu unterbinden ......
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