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Drohnentechnologie Ziviler Flugroboter verschießt Schrot

Nicht jede bewaffnete Drohne wird vom Militär gesteuert. Eine amerikanische Firma hat einen zivilen Flugroboter mit einer Handfeuerwaffe ausgestattet - zu Werbezwecken. Der mögliche Missbrauch solcher Technologie ist eine weitere beunruhigende Entwicklung auf dem US-Waffenmarkt.

Ein mit acht Motoren bestückter Flugroboter steigt auf. An seiner Unterseite hängt ein Revolver mit einem Fernauslöser. Er schwebt vor seinem Ziel, die Drohne reißt plötzlich ruckartig nach hinten aus, und ein Projektil trifft das Ziel. Als "gruselig" beschreibt Blogger "Spocko"  ein Werbevideo einer amerikanischen Firma für Handyzubehör, das er entdeckt hat. Denn es zeigt einen zivilen Flugroboter, der angeblich ferngesteuert Schrotmunition verschießen und auch Ziele treffen soll.

Die Firma ist bekannt dafür, mit spektakulären Waffendemonstrationen Aufsehen zu erregen. Beispielsweise zeigt das Unternehmen auf seinem YouTube-Kanal eine Rentnerin, die mit einer Maschinenpistole und einer Schrotflinte auf Handys und Computer schießt. Das neue Video mit einem achtarmigen Flugroboter, an den eine Handfeuerwaffe montiert ist, übertrifft aber die bisherigen PR-Aktionen. "Spocko" schickte eine Anfrage, warum die Firma  gerade einen sogenannten Oktokopter samt Schusswaffe nutzt, um die Haltbarkeit einer Bildschirmfolie zu demonstrieren. Die Antwort des Unternehmens steht aber noch aus.

Aus dem Clip lässt sich nur erahnen, dass ein Schuss von der umgebauten zivilen Drohne ausgeht. Die Aufnahmen sind stark geschnitten und verkürzt, sie zeigen nur den Aufprall einiger Schrotkugeln im Detail. Nur ihre Wirkung auf Getränkedosen oder Früchte feiert das Unternehmen in Zeitlupe, behauptet aber, dass diese Kugeln von dem Fluggerät ausgegangen seien. Genaue Aussagen über Rückstoß, Treff- und Zielgenauigkeit der Waffenbastelei sind anhand des Bildmaterials nicht möglich. Zumindest den Typ der verwendeten Waffe will ein Blog-Kommentator aus den Bildern abgeleitet haben. Es könnte sich um eine "Taurus Judge " handeln, einen "Revolver, der Schrotflinten-Munition verschießt".

Waffendrohne im Eigenbau als Fall für Behörden

Welche Konsequenzen der Firma für diesen Umbau eines harmlosen Roboters drohen, ist unklar. In mindestens 35 US-Staaten  ist beispielsweise die Jagd über das Internet mit ferngesteuerten Waffen - eine kurzlebige Modeerscheinung, die etwa um das Jahr 2005 herum aufkam - verboten. Ein entsprechendes Bundesgesetz scheiterte zwar , aber es ist davon auszugehen, dass das US-Heimatschutzministerium sich brennend für ferngesteuerte Waffensysteme aller Art interessiert: 2011 etwa entdeckte ein Bauarbeiter im US-Staat Georgia eine Konstruktion aus diversen ferngesteuerten Schrotflinten, die auf ein Gemüsefeld gerichtet waren - mutmaßlich, um Wildhunde zu jagen. Kurze Zeit später erschienen dort Heimatschutz-Agenten, doch die Konstruktion war bereits entfernt worden, wie der "Georgia Chronicle" berichtete .

Vermutlich ist bereits die Konstruktion selbst nach US-Waffenrecht illegal - denn die Automatisierung des Abzugsmechanismus macht die verwendete Schrotpistole zu einer automatischen Waffe.

Nach herunterladbaren Konstruktionsplänen, mit denen sich Privatpersonen Waffen mit geringer Haltbarkeit und Genauigkeit im 3-D-Drucker selbst herstellen können, ist der Missbrauch von Flugrobotern eine weitere beunruhigende Entwicklung auf dem amerikanischen Waffenmarkt. Schon jetzt beschweren sich in den fast zweihundert Kommentaren unter dem YouTube-Video mit der Schrotdrohne Hobbybastler und Waffengegner über den Umgang der Firma mit Waffentechnik. Einige fordern die sofortige Entfernung des Videos. Vor allem die Bauer von Flugmodellen sehen ihre Plattform auf unvertretbare Weise missbraucht  und fürchten nun stärkere Regulierung.

Was einem deutschen Modellbauer droht, der seine Waffe an eine Drohne montiert, umriss auf Anfrage Karina Sadowsky von der Pressestelle der Polizei Hamburg: Grundsätzlich gelte in Deutschland, dass jede Veränderung einer Schusswaffe ohne Erlaubnis eine Straftat nach dem Waffengesetz darstelle. Und auch wenn der Bastler einen Waffenschein besitzt, ist der kein Freibrief, seine Pistole an einen Flugroboter zu hängen. "Eine Montage an einer Drohne ist darin mit Sicherheit nicht erfasst und würde zum Widerruf jeder Erlaubnis führen."

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