Druck auf Amazon Sony stellt auf offenes E-Book-Format um

Tiefschlag für Amazon: Sonys E-Book-Shop wird künftig das offene ePub-Format unterstützen. Damit wird Amazons Kindle, das auf ein proprietäres Format setzt, zunehmend isoliert. ePub könnte zum elektronischen Buchformat werden, das auf allen Lesegeräten genutzt werden kann - zum MP3 der E-Books.

Mit der Entscheidung des japanischen Elektronikkonzern Sony will dieser die Kopplung elektronischer Bücher an ein bestimmtes Lesegerät aufheben. Wie Sony am Donnerstag in den USA mitteilte, soll der elektronische Sony-Buchladen auf das offene ePub-Format umgestellt werden. Damit seien die Bücher auch mit anderen Lesegeräten als dem hauseigenen Sony Reader kompatibel. "Die Verbraucher sollten sich nicht darüber Gedanken machen müssen, welches Gerät mit welchem Anbieter funktioniert", erklärte das Unternehmen.

Damit gerät Amazon unter vermehrten Druck. Amazon bindet seine Leser, indem es die elektronischen Bücher, die der weltgrößte Internet-Buchhandel verkauft, an das eigene Kindle-Lesegerät bindet. Für den erfolgreichen Kindle spricht, dass er tatsächlich ein ausgereiftes Produkt ist. Doch funktioniert Qualität, wenn man sie an einen eigenen Standard bindet, also an Exklusivität? Für Amazon stellt sich zurzeit die Frage, wohin seine auf ein proprietäres Format setzende Strategie führt: Zu einem Markterfolg nach dem Muster Apple iPod - oder zu einem Betamax-Effekt.

Zieht Klasse mehr als Masse?

Mit dem kennt sich Sony bestens aus. Ende der Siebziger brachte Sony sein Videoformat Betamax auf den Markt, das innerhalb kürzester Zeit in Konkurrenz zu zwei anderen Formaten stand, die alle untereinander nicht kompatibel waren: Als technisch ausgereiftestes Format galt kurzzeitig das von Grundig und Philipps entwickelte Video 2000, das daran scheiterte, dass keine andere Firma sich darauf einließ.

Blieben Betamax und VHS, um die sich schnell die Elektronik- und Filmfirmen in zwei Lager teilten. Betamax galt als qualitativ besser, bediente aber den zu dieser Zeit von Trash dominierten Verleihmarkt weniger gut als VHS - und ging unter. VHS, als "offeneres" Format, hatte sich aufgrund eines breiteren Angebotes gegen das technisch bessere Betamax durchgesetzt. Dass auf Exklusivität fußende Strategien funktionieren können, zeigt als Gegenbeispiel Apples iPod-Produktlinie. Zurzeit ist Amazon der erfolgreichste eBook-Shop der Welt.

Auf dem Weg zum Generalformat

Das aber könnte mit der Durchsetzung eines offenen Formates immer weniger relevant werden. Das ePub-Format des International Digital Publishing Forum ist der Versuch, ein mit Kopierschutzmechanismen ausgestattetes "Branchen-Format" als technischen Standard für E-Books weltweit zu etablieren. ePub erlaubt die Skalierung von Texten und Schriften und gilt deshalb als höchst flexibel: ePub-Texte lassen sich in guter, an das jeweilige Lesegerät angepasster Qualität auf allen denkbaren Lesegeräten darstellen, vom Laptop über E-Book-Reader bis zum Smartphone. In Deutschland wird das Format unter anderem von Libri unterstützt.

Die virtuelle Bibliothek von Sony soll bis Ende des Jahres auf ePub umgestellt werden. Das Programm wurde von mehr als 60 Unternehmen und Institutionen entwickelt und wird vom Branchenverband International Digital Publishing Forum befürwortet. Sony kündigte überdies an, auf seinen Lesegeräten das eigene Kopierschutzsystem gegen ein von vielen Herstellern nutzbares Schutz-Programm des US-Softwareunternehmens Adobe auszutauschen.

Der Markt mit den sogenannten E-Books ist noch nicht vereinheitlicht. Mit dem für viele Geräte nutzbaren Programm und dem universell genutzten Kopierschutz will Sony offenbar Maßstäbe für künftige gemeinsame Standards setzen und so der virtuellen Bibliothek von Amazon den Rang ablaufen. Deren Inhalte können nur auf dem Amazon-Lesegerät Kindle oder auf einem iPhone von Apple mit Kindle-Software gelesen werden.

pat/AFP
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