DVD-Filmbeileger Riesenkäfer, Hinterhofspione und Zonen-Nerds

Micky Rourke, Mark Wahlberg, Jessica Alba und Mel Gibson: Für einen kleinen Aufpreis verteilt so manches Publikumsmagazin Film-DVDs mit Starbonus an sein Leser. Wir zeigen Ihnen, wo Sie die besten Actionkomödien, Familiendramen oder Horrorthriller finden.


Computer Bild

"I-Spy", USA 2002. Regie: Betty Thomas. Format: 1,85:1 (16:9). Länge: 92 Min. FSK: 12 Jahre. Heftpreis: 3,70 Euro.

Bei seinem neuen Auftrag will CIA-Agent Alex Scott (Owen Wilson) endlich allen zeigen, dass er ein echter Profi ist. Versteckt im Team von Boxchampion Kelly Robinson (Eddie Murphy) reist er nach Budapest, um dort einen gestohlenen Flugzeug-Prototypen wieder aufzutreiben. Doch die beiden können sich nicht riechen und schon bald droht Alex auch diesen Auftrag wieder gegen die Wand zu fahren.

Die solide inszenierte Actionkomödie lockt mit ein ganzen Reihe allseits bekannter Hollywood-Namen, von denen nur Urgestein Malcolm McDowell ("Clockwork Orange") in der Rolle des Bösewichts arg unterfordert wirkt. Während das ungleiche Duo Murphy & Wilson sich brav durch ein Drehbuch arbeitet, das kein Genre-Klischee unberührt lässt, würzt Ex-Bond-Girl Famke Janssen ("Golden Eye") den Klamauk mit einer Prise echter Agentenstimmung. Ein größtenteils harmloser Spaß für die ganze Familie, der jedoch seinem Vorbild, der gleichnamigen TV-Serie aus den sechziger Jahren, nicht das Wasser reichen kann.

Bis 3. Juni im Handel

SFT Magazin

"The Yards", USA 2000. Regie: James Gray. Format: 2,35 (16:9). Länge: 110 Min. FSK: 12 Jahre

und

"Infestation", USA 2009. Regie: Kyle Rankin. Format: 1,85 (16:9). Länge: 87 Min. FSK: 16 Jahre. Heftpreis: 4,50 Euro.

Einmal zu oft hat Leo (Mark Wahlberg) den Kopf hingehalten, jetzt will er nie mehr in den Knast zurück. Ausgerechnet in der korrupten Firma seines Onkels Frank (James Caan) versucht er einen ehrlichen Neuanfang, wird dort jedoch von seinem Jugendfreund Willi (Joaquin Phoenix) nur erneut in krumme Geschäfte hineingezogen. Als dabei ein Wachmann getötet wird, muss Leo sich entscheiden, auf wessen Seite er steht.

In deutlicher Anlehnung an legendäre Mafia-Filme wie "Der Pate" (1972) drehte James Gray nach seinem Erfolg mit "Little Odessa" (1994) wieder ein düsteres Familiendrama über die Unterwelt New Yorks. Kunstvoll inszeniert er darin die Verwicklung in ein Milieu, aus dem es kein Entkommen zu geben scheint. Dabei profitiert er besonders von der Spielfreude seiner hochkarätigen Crew, in der sich junge und alte Stars gekonnt ergänzen. Ein stilles, ungewöhnlich authentisch wirkendes Charakterstück.

Der zweite Film auf der DVD bietet dazu ein extremes Kontrastprogramm. Mit "Infestation" bezeichnet man den Befall eines Organismus durch Parasiten - und genau das passiert hier einer ganzen Stadt. Als der Büroangestellte Cooper (Chris Marquette) Tage nach einer plötzlichen Ohnmacht erwacht, muss er feststellen, dass mannsgroße Käfer ihn und seine Mitmenschen betäubt und in Kokons verpackt haben. Zusammen mit einer Hand voll Leidensgenossen macht er sich auf den Weg, um herauszufinden, was dahinter steckt.

Eine Hommage an das Monsterkino der fünfziger Jahre mit viel schwarzem Humor, ekligem Geviech und drastischen Todesfällen. Schräger Tierhorror für Zuschauer mit Appetit aufs Absurde.

Bis 28. Juni im Handel

Super Illu

"Erscheinen Pflicht", DDR 1984. Regie: Helmut Dziuba. Länge: 73 Min. FSK: 6 Jahre

und

"Zwei schräge Vögel", DDR 1989. Regie: Erwin Stranka. Länge: 94 Min. FSK: 0 Jahre. Heftpreis: 2,99 Euro.

Peter Sodann ist heute besonders in der Rolle des Leipziger "Tatort"-Kommissars Bruno Ehrlicher bekannt, der von 1991 bis 2007 in 45 Fällen Verbrechern auf der Spur war. Zum Film kam der 1936 geborene Theaterschauspieler erst Anfang der siebziger Jahre. Dort sieht man ihn meist in besonnen, väterlichen Rollen, von denen die Super-Illu zwei Beispiele präsentiert. In dem Jugendfilm "Erscheinen Pflicht" muss die 16-jährige Funktionärstochter Elisabeth (Vivian Hanjohr) nach dem plötzlichen Tod ihres Vaters ihr bisheriges Leben überdenken und gerät dabei zunehmend in Konflikt mit der DDR-Gesellschaft.

Peter Sodann tritt hier als Lehrer in einer preisgekrönten Nebenrolle auf. Trotz mehrerer solcher Auszeichnungen wurde der Film nur in geschlossenen, speziell genehmigten Veranstaltungen gezeigt, da er DDR-Staatschef Erich Honecker und seiner Frau ausdrücklich missfiel, nachdem sie ihn bei seiner Uraufführung sahen. Heute gilt er als unterbewertete, ehrliche Auseinandersetzung mit den damaligen Lebensumständen in der DDR.

Die Komödie "Zwei schräge Vögel", in der Sodann wieder als Nebendarsteller auftritt, ist einer der letzten Defa-Filme vor dem Mauerfall im November 1989. Die begeisterten Computer-Nerds Kamminke (Matthias Wien) und Frank (Götz Schubert) werden nach einem dummen Sabotageakt von ihrer Universität in die Provinz strafversetzt, wo sie gegen alle Widerstände ihr technisches Talent zum Einsatz bringen.

Erwin Stranka ("Verliebt und vorbestraft") nimmt sich in seiner Satire die teils irrwitzigen Probleme der DDR-Wirtschaft vor, schließt aber in einem versöhnlichen Happy-End. Gespickt von Insiderwitzen wirft er dabei einen heiteren Blick auf den Alltag eines Volkseigenen Betriebes und die Computertechnik der achtziger Jahre, der nicht nur Zeitzeugen Vergnügen bereitet.

Vom 2. bis 8. Juni im Handel

TV Movie

"Awake", USA 2007. Regie: Joby Harold. Format: 2,35:1 (16:9). Länge: 80 Min. FSK: 16 Jahre. Heftpreis: 3,50 Euro.

Der herzkranke Milliardenerbe Clay (Hayden Christensen) ist seit langem heimlich mit Sam (Jessica Alba), der Assistentin seine Mutter, verlobt. Nach einem Familienstreit entschließt er sich, Sam überstürzt zu heiraten - und erhält kurz darauf Nachricht, er könne ein Spenderherz bekommen. Doch die Freude währt nicht lange, denn während der Operation bemerkt Clay, dass seine Narkose nicht richtig anschlägt. Bei vollem Bewusstsein muss er alles miterleben und erfährt zudem, dass die Ärzte übles mit ihm planen.

Joby Harold widmet sein Filmdebut einer gruselige Panne, die unter dem Begriff "Anesthesia Awareness" oder "intraoperative Wahrnehmung" bekannt ist und jährlich viele Patienten quält. Bei ihnen lähmt die Narkose nur den Körper, aber das Gehirn bleibt partiell wach - im schlimmsten Fall, der gleichzeitig am seltensten vorkommt, bis hin zum Schmerzempfinden. Joby Harold hätte die Chance gehabt, aus diesem Thema einen richtig gemeinen Psychothriller zu machen, doch er verschenkt das Potential. Stattdessen schildert er eine gewöhnliche Verschwörungsgeschichte, die er zumindest optisch schön präsentiert. Das reicht für ein paar Spannungsspitzen, mehr aber auch nicht.

Bis 9. Juni im Handel



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