DVD-Filmbeileger Verliebte Cops im Parkhaus-Labyrinth

Postapokalypsen, die sich selbst parodieren, romantische Thriller mit dem Flair der achtziger Jahre und ein Deutschland-Drama zum 50. Mauerbau-Jubiläum: Im aktuellen Programm der DVD-Filmbeileger lassen sich auch im August wieder feine, kleine Filmschätze heben.


Computer-Bild "Flucht aus L.A.", USA 1996. Regie: John Carpenter. Format: 2,35:1 (16:9). Länge: 96 Min. FSK: 16 Jahre. Heftpreis: 3,70 Euro.

In der Fortsetzung des Cyberpunk-Vorläufers "Die Klapperschlange" (1981) schickt Regie-Urgestein John Carpenter ("Halloween") seinen Helden Snake Plissken (Kurt Russell) erneut auf tödliche Mission - mitten in die postapokalyptisch verwüsteten Resten von Los Angeles. Eine mächtige Waffe, die in die Hände der dort internierten Rebellen gefallen ist, soll wieder beschafft werden. Damit der renitente Outlaw mitspielt, hat die mittlerweile faschistoide US-Regierung ihn mit einem tödlichen Virus infiziert: das Gegenmittel soll seine Belohnung sein.

Mit deutlich mehr Geld, aber weniger Esprit, hat Carpenter einen flauen Abklatsch seines eigenen Klassikers abgeliefert. Sogar der Soundtrack, ebenfalls traditionell aus der Hand des Meisters, wirkt halbherzig. Wer das Ganze allerdings als prominent besetzte Low-Budget-Parodie betrachtet, kommt trotzdem auf seine Kosten. Der Coolness-Faktor von Kurt Russell in einer seiner Paraderollen bleibt auch nach 15 Jahren der unerreichte Höhepunkt dieser Freak-Show.

Bis 12 August im Handel

PC Magazin "The Big Easy", USA 1987. Regie: Jim McBride. Format: 1,78:1 (16:9). Länge: 98 Min. FSK: 16 Jahre. Preis: 6,99 Euro.

Der Polizist Remy McSwain (Dennis Quaid) kassiert wie viele seine Kollegen in New Orleans seit Jahren kleinere Bestechungsgelder. Das geht so lange gut, bis die gesetztestreue Staatsanwältin Anne Osborne (Ellen Barkin) ihm auf die Schliche kommt. Mit einem Trick kann er sich aus der Affäre ziehen, hat sich jedoch längst in Anne verliebt. Als dann auch noch sein Bruder angeschossen wird, begreift er, dass sich etwas ändern muss.

Aus diesem konventionellen Plot entwickelte Jim Mcbride ("Atemlos") ein kleines Meisterwerk des Kinos der achtziger Jahre. Das hat er zuerst dem Charme seiner beiden Hauptdarsteller zu verdanken, endgültig überzeugt aber die geschickte Verquickung eines intelligenten Krimis mit einem romantisch-erotischem Liebesfilm vor der stimmungsvollen Kulisse New Orleans. Die besondere, lockere Atmosphäre von "The Big Easy", wie die Mississippi-Metropole sich selbst beschreibt, bestimmt intensiv den Charakter des Films, wozu auch der Soundtrack mit seiner landestypischen Cajun-Musik beiträgt. Ein Leckerbissen der jüngeren Kinogeschichte, der lange als Geheimtipp galt, da ihm der große kommerzielle Erfolg verwehrt blieb.

Bis 2. September im Handel

Super Illu "Der geteilte Himmel", DDR 1964. Regie: Konrad Wolf. Format: 2,35:1 (16:9). Länge: 109 Min. FSK: 16

und

"Der Prinz hinter den sieben Meeren", DDR 1982. Regie: Walter Beck. Format: 1,33:1 (4:3). Länge: 87 Min. FSK: 6. Heftpreis: 2,99 Euro.

Bevor im September eine neue Kinderfilm-Reihe der Super Illu startet, gibt es noch einmal eine Kostprobe aus der Filmografie eines DDR-Filmstars. Die 1944 geborene Renate Blume war noch Schauspielstudentin, als sie mit der Hauptrolle in der Literaturverfilmung von Christa Wolfs "Der geteilte Himmel" ihr Kinodebut feierte. Das Drama erzählt die unglückliche Liebesgeschichte zwischen der Studentin Rita (Renate Blume) und dem Chemiker Manfred (Eberhard Esche), der nach beruflichen Misserfolgen in den Westen übersiedelt. Rita reist ihm nach und versucht vergeblich, ihn zur Rückkehr zu bewegen, will nicht im Westen bleiben. Kurz nach ihrer Rückkehr wird die Mauer gebaut und trennt das Paar.

Bis heute gilt der Film, ebenso wie seine Buchvorlage, als einer der wichtigsten Auseinandersetzungen mit der Teilung Deutschlands während der Ulbricht-Ära, entsprechend intensiv war sein Echo. Christa Wolf selbst begleitete während Dreharbeiten Renate Blume, die trotz dieser intensiven, erfolgreichen Erfahrung lange Zeit fast nur für das Theater arbeitete. Erst Anfang der siebziger Jahre tauchte sie wieder öfter in Kino- und Fernsehfilmen auf, ohne sich auf ein bestimmtes Genre festzulegen.

Anfang der achtziger Jahre zeigt sie in "Der Prinz hinter den sieben Meeren" ihr Talent für den Märchenfilm, eine der großen Produktsparten der DEFA-Filmstudios. Frei nach dem Grimmschen Märchen vom Löweneckerchen versuchen ein Prinz und seine Frau Constanze (Marina Krogull), das Geheimnis hinter dem Zauber zu lösen, der ihn jede Nacht in einen Löwen verwandelt. Renate Blume spielt als Comtesse Annunziata dabei eine wichtige Nebenrolle, der Film selbst reiht sich in die vielen, gut inszenierten Studioproduktionen der achtziger Jahre ein. Eine kontrastreiche Ergänzung zum ernsten Stoff des Wolf'schen Mauerdramas.

Vom 4. bis 10. August im Handel

TV Movie "P2- Schreie im Parkhaus", USA 2007. Regie: Franck Khalfoun. Format: 2,35:1 (16:9). Länge: 91 Min. FSK: 16 Jahre (gekürzt). Heftpreis: 3,50 Euro

Wie schon oft in den vergangenen Monaten spricht die Redaktion der "TV-Movie" auch diesmal wieder Horrorfilm-Freunde an. Schauspielerin Rachel Nichols, hierzulande als kurvenreiche Agentin aus der Fernsehserie "Alias" bekannt, zeigt in der Rolle der gestressten Geschäftsfrau Angela, weshalb man sich in Tiefgaragen nicht unnötig lange aufhalten sollte. Dort gerät sie an einem einsamen Weihnachtsabend in die Fänge des psychisch gestörten Parkhauswächters Thomas (Wes Bentley), der sie heimlich verehrt und sein Glück nun gewaltsam herbeizwingen will.

Horrorspezialist Alexandre Aja ("The Hills Have Eyes") steckt als Produzent und Autor hinter diesem durchschnittlichen, in der Urfassung mit blutigen Gore-Einlagen gespickten Thriller. Die hier vorliegende Fassung erhielt im Frühjahr ihre Jugendfreigabe und ist im Grunde ein anderer Film. Fast alle expliziten Gewaltszenen wurden entfernt, was den Schwerpunkt auf die Spannungsmomente verschiebt und sogar zu einem alternativen Ende führt, an dem das Opfer nicht zur rächenden Täterin wird. Genre-Puristen rümpfen bei solchen Schnittorgien die Nase. Für einen gruseligen Abend ist dessen ungeachtet gesorgt, denn beide Hauptdarsteller harmonieren gut miteinander, auch wenn in der Einzelwertung Wes Bentley ("Die vier Federn") etwas hinter seinen Möglichkeiten zurückbleibt.

Bis 18. August im Handel



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